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Was die Reform der RWR-Karte bedeutet

04.12.2018

Der Zuzug von ausländischen Arbeitskräften wird erleichtert. Die Reform der RWR-Karte und Regionalisierung der Mangelberufsliste im Überblick.

Die Liste der Mangelberufe wird von 27 auf 45 erweitert. Neu auf die bundesweit geltende Liste geschafft hat es der Koch, was zu Genugtuung in der Tourismusbranche führt. „Angesichts des akuten Mitarbeitermangels am Beginn der Wintersaison ist die Umsetzung unserer Forderung ein notwendiger Schritt, um unsere Gäste bestmöglich betreuen zu können und den Arbeitsdruck beim Stammpersonal zu verringern“, sagt Tourismus-Obfrau Petra Nocker-Schwarzenbacher. Im Bundesschnitt entfielen im Jahresbetrachtungszeitraum auf eine offene Stelle 1,3 jobsuchende Köche. Damit wurde der für die Aufnahme auf die Mangelberufsliste „notwendige“ Schwellenwert von 1,5 unterschritten. 

Lokale Liste

Was gibt es sonst Neues? Bei der Mangelliste gibt es zukünftig eine Bundesliste und eine lokale, die auf die gebietsweisen Bedürfnisse eingeht. Laut Regierungsvorhaben soll es hier aber um nicht mehr als 300 Plätze im Jahr gehen. Für Hotellerie und Gastronomie ist diese Neuerung durchaus relevant, da sich in den westlichen, sehr stark am Tourismus ausgerichteten, Bundesländern Vorarlberg, Tirol und Salzburg künftig Kellner auf der Liste befinden dürften. Die Regelungen sollen ab 2019 gelten.
Eigentlich geht es bei der Rot-Weiß-Rot-Karte um die Anziehung von hoch qualifizierte Zuwanderern bzw. Schlüsselkräften. Bislang gab es aber relativ wenig Nachfrage aus den Herkunftsländern. Ein Grund: Die Anforderungen (ein Punktesystem) waren schwer zu erfüllen. Jetzt werden darum die geforderten monatlichen Gehaltsuntergrenzen deutlich gesenkt. Waren für Unter-30-Jährige bisher 2.565 Euro gefordert, sind es ab kommendem Jahr nur noch 2.052. Bei den Über-30-Jährigen wird die geforderte Gehaltssumme von 3.078 auf 2.565 Euro gesenkt. Die Mangelberufsliste ist eine Erweiterung der Rot-Weiß-Rot-Karte, die für Berufe mit Arbeitskräftemangel gilt – also eine Ausnahme vom relativ strengen Punktesystem. 

Furcht vor Lohndumping

Von der Opposition gab es geteilte Reaktionen zu den Änderungen. Während Neos das Vorhaben als Schritt in die richtige Richtung begrüßen, kommt von der SPÖ harsche Kritik. „Die neue Regelung der RWR-Karte hat gravierende Auswirkungen auf das Lohnniveau der ArbeitnehmerInnen und ist nicht zu verantworten. Der Fachkräftemangel ist eines der drängendsten Probleme und sollte ernst genommen werden. Die Regierung aber hat immer noch kein taugliches Konzept”, kritisierte SPÖ-Bundesgeschäftsführer Thomas Drozda.Bekanntlich hatte sich die Gewerkschaft zuletzt vehement gegen eine Öffnung des Arbeitsmarktes gestellt. 
Im Oktober waren laut AMS in der Gastronomie und in der Hotellerie rund 9.000 Stellen unbesetzt. Die Branche wächst: Allein heuer sind jeden Monat 5.000 Beschäftigte hinzugekommen - im Juli hat der Beschäftigtenstand die Rekordmarke von 238.000 erreicht. 

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