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Was Franchise kann - und was nicht

06.12.2018

Geringer Finanzaufwand und Einnahmen über Franchisegebühren: Die Expansion des eigenen Unternehmens mit Franchise voranzutreiben scheint verlockend. Die ÖGZ hat sich angesehen, welche Konzepte sich dafür eignen.

An Wachstum und gastronomische Weltherrschaft haben die Brüder Maurice und Richard McDonald wohl kaum gedacht, als sie in den USA der Nachkriegsjahre ihr Drive-in-Restaurant aufmachten. Erst als 1955 der findige Küchengerätevertreter Ray Kroc den McDonalds die Markenrechte abkaufte, kam der Stein ins Rollen, der zu einem weltumspannenden Fast-Food-Restaurant-Imperium führte. Das Erfolgsrezept: Franchise! Seither haben sich viele Nachahmer auf den Weg gemacht, um in die großen Fußstapfen zu treten. Gastronomie und im Speziellen das Geschäft mit Patties in labbrigem Brot boomt im Franchise-Sektor. 
Das zeigt auch ein Besuch auf der Franchise-Messe, die heuer zum fünften Mal in Wien stattfand. Le Burger, Burgerista versuchten ähnlich wie die deutsche Waffel-Kette Wonder-Waffel gegen die bereits bekannte Konkurrenz von Anbietern wie Subway zu bestehen. Glücksritter? Nein, denn Franchise liegt im Trend. Mittlerweile setzt der ganze Sektor (inklusive Gastro) in Österreich mehr als neun Milliarden Euro um. Und für viele Unternehmen ist Franchise eine gute Möglichkeit, die Expansion des eigenen Unternehmens voranzutreiben. 

Zum Global Player

Ein erfolgreiches Beispiel ist die in Neusiedl sitzende Coffeeshop Company. Mit rund 250 Cafés in mehr als 20 Ländern macht man vor allem im arabischen Raum den globalen Platzhirschen Starbucks und Costa ordentlich Konkurrenz.

„Wir lernen durch einheitliche Zentralisierung. Wir nutzen eine Schwungmasse. Wenn das Mindset passt, dann bietet Franchise eine Win-win-Situation, die einen wichtigen Beitrag zu Gründungen in der Gastronomie macht“, sagt im Gespräch mit der ÖGZ Gründer Reinhold Schärf, der mit „The Italian“ noch ein zweites Gastro-Franchise anbietet und die Verantwortung für die Coffeeshop-Company an seinen Sohn Marco übergeben hat. 

Positionierung wichtig

Doch wann ist Franchise der richtige Weg für eine Expansion? Der Präsident des österreichischen Franchise-Verbandes, Andreas Haider, erklärt, dass sich ein Geschäftskonzept zumindest zwei Jahre am Markt positioniert haben müsse, bevor man Franchisenehmer ins Boot holen soll. Klingt logisch: Man braucht schlichtweg eine gewisse Bekanntheit der Marke, damit man für potenzielle Franchisenehmer interessant sei. Wichtig ist, dass die eigene Idee ein klares Alleinstellungsmerkmal hat. Wer gedenkt, seine Geschäftsidee via Franchise zu expandieren, müsse eine Vision zur Weiterentwicklung, Vermarktung und Kontrolle des Betriebskonzeptes vorlegen können. Klar, denn als Franchisegeber ist man umso attraktiver, wenn man den Franchisenehmern so viel wie möglich abseits des tatsächlichen Geschäfts abnimmt. Dabei geht es nicht nur um einheitliche Vermarktungskonzepte, sondern auch um Administration wie Zeiterfassungssysteme, Buchhaltung oder 
Ähnliches.   

Vorteile der Expansion

Die Vorteile von Expansionen über ein Franchisesystem sind augenscheinlich. Sämtliche anfallenden Kosten, sei es für Investitionen in den Betrieb oder das Personal, werden allein vom Franchisenehmer getragen. Zudem erhält man durch die größere Schwungmasse mehr Marktmacht – das heißt z. B. bessere Einkaufskonditionen durch höhere Abnahmemengen. Die Tatsache, dass alle Geschäftsniederlassungen von unabhängigen Einzelunternehmern geführt werden, schafft darüber hinaus eine gewisse Marktnähe. Das ist für Andreas Haider, der die Handelskette Unimarkt führt, der entscheidende Vorteil. Die Bindung des Konsumenten ist stärker, wenn die Niederlassung keine Filiale ist, sondern von einem Franchise-Partner betrieben wird, sagt er. Unimarkt ist daher gerade dabei, einige Filialen an Franchisenehmer abzutreten. 

Partnerwahl und Checklist

Was den Geschäftserfolg angeht, verdienen Franchisegeber in erster Linie an den laufenden Gebühren – also ein Prozentsatz des Umsatzes, den Franchisenehmer abführen müssen. Dabei ist es wichtig, die richtige Einstellung zu haben. Denn man dient seinen Franchisenehmern sozusagen als Dienstleister – und diese Sichtweise muss erst einmal verinnerlicht werden. Außerdem gilt es, bei der Auswahl der Franchisenehmer Obacht walten zu lassen. Ein falscher Partner kann im Extremfall das Image des ganzen Unternehmens gefährden – wie bei Burger King vor einiger Zeit in Deutschland geschehen. Reinhold Schärf zur Wahl der Partner: „Ein tiefgründiges Beratungsgespräch klärt, ob jemand franchisefähig ist. Wir wollen niemanden ins System zwingen.“ Er erzählt, dass er mittlerweile nur mehr mit Partnern zusammenarbeitet, die über Gastronomieerfahrung verfügen. 
Ob die Expansion über Franchise zu mehr Erfolg führt als eine klassische Unternehmensexpansion, hängt letztlich vom Teamplay zwischen Franchisegeber und -nehmer ab. Der Franchisegeber muss sich mit der Übernahme folgender Pflichten einverstanden erklären. Man kann dies als Checkliste dafür sehen, ob es sich wirklich lohnt, über eine Expansion des eigenen Geschäftskonzepts über Franchise nachzudenken. 

  • die Entwicklung eines erfolgreichen Geschäftskonzeptes
  • die Durchführung des Pilotprojektes der Unternehmung
  • die Dokumentation sämtlicher Abläufe innerhalb von Unternehmensaufbau und -führung
  • Entwicklung und Umsetzung des Marketing-Konzeptes (inkl. intensiver Werbe- und Verkaufsförderungsmaßnahmen)
  • Imagebewusstes Handeln
  • Beratung und Unterstützung für Franchisenehmer vor Ort
  • Weiterbildung und Schulungen für die Franchisenehmer
  • Ständige Weiterentwicklung und strenges Qualitätsmanagement des Systems
Autor/in:
Daniel Nutz
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