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Was gibt es Neues 2011? (Teil 1)

25.11.2010

Steuerberater Rudolf Siart gibt Steuertipps zum Jahreswechsel (Teil I).
Jetzt zum Jahresende können noch Maßnahmen im Rahmen der Bilanzpolitik zur Glättung der Steuerlast ergriffen werden, um ein „steuergünstige(re)s" Jahresergebnis zu erhalten.

„Unverändert ist die Absetzbarkeit von Steuerberatungskosten (unbegrenzt) und der Kirchenbeitrag (bis 200 €).“

Allgemeine Steuertipps

Je nach Gewinn- oder (hoffentlich nicht) Verlustsituation ist bei bilanzpflichtigen Unternehmen der Zeitpunkt der Berücksichtigung von Gewinnen und Verlusten (Ergebnisverwirklichungszeitpunkt) entsprechend dem Realisations- und dem Vorsichtsprinzip wesentlich:


Realisationsprinzip:
Forderungen (inkl. Gewinnanteil) dürfen erst bei ihrem tatsächlichen Entstehen – wenn der Vertrag durch Erbringen der eigenen Leistung/Lieferung erfüllt ist – gebucht werden. Das ergibt ein Mehr beim Ergebnis!


Vorsichtsprinzip:
Demgegenüber sind Aufwendungen bereits zu buchen, sobald sie absehbar bzw. wahrscheinlich sind (z. B. Drohverlustrückstellungen). Die Anwendung des Vorsichtsprinzips ist für Bilanzierer, die ihren Jahresabschluss nach den Regeln des Handelsrechts erstellen, zwingend. Für Bilanzierer, die ihren Jahresabschluss nach den Regeln des Steuerrechts erstellen, gilt das Vorsichtsprinzip optional. Das ergibt ein Weniger beim Ergebnis!

Achten Sie daher auf Folgendes: Vertragsgestaltung bei halbfertigen Arbeiten/Erzeugnissen:

Ist ein Auftrag zum 31.12. noch nicht fertiggestellt (Lieferung noch nicht erfolgt) und eine (Teil-)Abrechnung nicht möglich (vertraglich nicht vorgesehen, es besteht kein Anspruch), dann unterbleibt die Gewinnrealisierung zu diesem Stichtag.

Wichtig: Halbfabrikate und Teilleistungen dürfen nur mit den Herstellungskosten angesetzt werden. Erst wenn der Auftrag fertiggestellt ist, erfolgt die Gewinnverwirklichung.

Es kommt ganz einfach auf die Vertragsgestaltung und die Erfüllung an.

Rückstellungen bedeuten ein Berücksichtigen („Vorziehen") von künftigen Verlusten, die Verlustursache muss aber schon jetzt eingetreten sein. Bilanzierer, die ihren Jahresabschluss nach den Regeln des Unternehmensrechts erstellen (sogenannte „§ 5 (1) EStG-Ermittler") sind verpflichtet, entsprechende Rückstellungen zu bilden. Bilanzierer, die ihren Jahresabschluss ausschließlich nach den Regeln des Steuerrechts erstellen, können Rückstellungen bilden, sind aber nicht dazu verpflichtet. Da mit der Bildung einer Rückstellung Aufwendungen bzw. Verluste vorgezogen werden, können Sie dadurch ihren Jahresgewinn mindern.

Beispiele für spezielle Rückstellungen: für Mitarbeiter (Zeitausgleichüberhänge, Überstunden ...), Abfertigungsrückstellungen, gewerbliche Sozialversicherung, Produkthaftungen, Prozesse, für zweifelhafte Forderungen.

Abschreibungen: Die Absetzung für Abnutzung (AfA) kann erst ab Inbetriebnahme eines Wirtschaftsgutes geltend gemacht werden. Wenn ein neu angeschafftes Wirtschaftsgut noch vor dem 31.12.2010 in Betrieb genommen wird, kann zumindest noch eine Halbjahresabschreibung vorgenommen werden.

Achtung: Nicht die ganzen Anschaffungskosten bedeuten sofort ein Gewinnminus, sondern nur die Abschreibung.

Steuertipps für „Einnahmen-Ausgaben-Rechner"

Für „Einnahmen-Ausgaben-Rechner" gilt das „Zufluss-Abfluss-Prinzip". Nützen Sie dies aus! Einnahmen und Ausgaben schlagen sich bei der Steuerbemessung erst im Zeitpunkt der Zahlung nieder: Bezahlen Sie deshalb sinnvolle Betriebsausgaben noch vor dem 31.12.2010, bzw. fakturieren Sie an sichere und vertraute Kunden erst am 31.12.2010 (damit erfolgt der Zahlungseingang erst im Jahr 2011).

Achtung: Werden Vorauszahlungen für Beratungs-, Bürgschafts-, Fremdmittel-, Garantie-, Miet-, Treuhand-, Vermittlungs-, Vertriebs- und Verwaltungskosten geleistet, die über das laufende und das folgende Jahr hinausgehen, sind diese auf den Zeitraum zu verteilten, den die Vorauszahlung betrifft.

Gewinnfreibetrag

Für die ersten 30.000 € Gewinn gibt es automatisch den 13%igen Freibetrag, auch ohne spezielle Investitionen. Dieser Grundfreibetrag bringt bis zu 1.950 € netto!

Seit heuer gilt statt dem Investitionsfreibetrag der Gewinnfreibetrag (13 statt bisher 10 %) – und er gilt auch für Bilanzierer! Wird in begünstigte Wirtschaftsgüter investiert, können bis zu 13 % des Jahresgewinnes zusätzlich als Steuerfreibetrag genützt werden – eine Art Doppelabschreibung sozusagen. Höchstens können so 100.000 € als Freibetrag geltend gemacht werden.

Diese Wirtschaftsgüter müssen körperlich, ungebraucht und beweglich sein. PKW sind nicht begünstigt. Gebäude neuerdings schon. Es kann auch in bestimmte Wertpapiere wie Anleihen und Anleihefonds investiert werden. Sie müssen dann genauso wie die begünstigten Wirtschaftsgüter für mindestens vier Jahre im Anlageverzeichnis des Betriebes behalten werden. Damit der investitionsbedingte Gewinnfreibetrag zusätzlich zum Grundfreibetrag genutzt werden kann, muss der Jahresgewinn 30.000 € übersteigen.

Praxistipp: Große Investitionen in begünstigte Wirtschaftsgüter sollten tunlichst in dem Jahr stattfinden, in dem der Gewinn über 30.000 € beträgt, da andernfalls nur der Grundfreibetrag zusteht.

Mag. Rudolf Siart ist Steuerberater und Wirtschaftsprüfer,
Siart + Team Treuhand GmbH, 1160 Wien, Enenkelstr. 26,
Tel.: 01/493 13 99,
siart@siart.at ,
www.siart.at

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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