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Wechsel an der Innsbrucker TVB-Spitze

15.01.2010

Nach 21 Jahren löste Karl Gostner Hubert Klingan an der Spitze des Tourismusverbandes Innsbruck ab. Der neue Obmann Karl Gostner und sein Geschäftsführer Fritz Kraft im ÖGZ-Interview

Wechsel an der Innsbrucker TVB-Spitze
ÖGZ: Am 8. Dezember sind es traditionell die italienischen Gäste, die das Stadtbild prägen. Sind Sie zufrieden mit dem Gästeaufkommen?
Fritz Kraft: Wie erwartet war dieses Wochenende ein sehr starkes. Ich glaube, wir waren die einzige Tiroler Region, die Anfang Dezember sagen konnte, wir sind beinahe ausgebucht. Denn auch die großen Häuser in den Feriendörfern hatten eine große Chance, ausgebucht zu sein.
Karl Gostner: Der 8. Dezember fiel heuer auf einen Dienstag. In Wahrheit sprechen wir hier von einem doppelten Wochenende. Von Freitag bis Dienstag hatten wir mehr als 100.000 Besucher in der Stadt bzw. auf den vier Christkindlmärkten. Das ist eine neue Rekordmarke. Die Sorge, dass aufgrund der wirtschaftlichen Situation heuer weniger italienische Gäste zu den Christkindlmärkten nach Innsbruck kommen würden, war unbegründet.

ÖGZ: War Innsbruck demnach gut gebucht?
Fritz Kraft: Wie vor zehn Jahren schon einmal, hatten wir heuer eine Sonderstellung. Das doppelte Wochenende rund um den 8. Dezember war auch noch gespickt mit dem Air & Style Event am 5. Dezember am Bergisel. Das hat die Nachfrage zusätzlich angeheizt. Mit der ersten Zwischenbilanz in diesem Winter kann Innsbruck sehr zufrieden sein.

ÖGZ: Warum führen die italienischen Gäste das Christkindlmark-Ranking an?
Fritz Kraft: Ja, die Innsbrucker Christkindlmärkte sind für die Italiener tatsächlich ein Klassiker. Obschon die italienischen Busunternehmen heute mehr Christkindlmärkte in ihrem Angebot haben, als das früher der Fall war. Wurden früher ein, zwei Christkindlmärkte angefahren, sind es heute gleich mehrere Märkte von Bozen, Sterzing, Innsbruck bis Salzburg und München.
Karl Gostner: Innsbruck liegt da Gott sei Dank gut im Rennen. Einerseits bemühen sich die Christkindlmarkt-Veranstalter. Andererseits sind Tourismusverband, Stadt und Exekutive sehr gut auf den Ansturm vorbereitet. Wir sprechen ja hier von 200 bis 300 Bussen am Tag. Innsbruck bekommt hier immer wieder großes Lob von den Busunternehmern.

ÖGZ: Wie sind Sie mit der Qualität der Christkindlmärkte zufrieden?
Karl Gostner: Ich bin selbst Vorstand zweier Christkindlmärkte in der Innsbrucker Altstadt und in der Maria-Theresien-Straße. Neben dem Urmarkt in der Altstadt fand der Christkindlmarkt in der Maria-Theresien-Straße heuer zum dritten Mal statt. Heuer neu in der Maria-Theresien-Straße war der einheitliche Auftritt bzw. wurde eine vorzeigbare Form dafür gefunden. Positiv beigetragen hat natürlich auch die Fertigstellung der Neugestaltung der Maria-Theresien-Straße. Auch die Christkindlmärkte am Innsbrucker Markplatz und auf der Hungerburg (nur am Wochenende) werden von den Gästen sehr gut angenommen.

ÖGZ: Wann wird das Vier-Sterne-Stadthotel beim Tivoli spruchreif?
Fritz Kraft: Wir erwarten schon demnächst, dass der Bauherr Zima den Betreiber sowie den Investor präsentiert. Zugegebenermaßen wurde dieses Projekt auch schon als eines gehandelt, das nicht realisiert werden wird. Das Gegenteil aber ist der Fall. Es dürfte in Kürze umgesetzt werden. Wir erhoffen einen Baustart noch 2010.

ÖGZ: Mit August Penz stand ein Hotelier zur Obmannwahl. Sie sind es schließlich geworden. Sind Sie der bessere Obmann?
Karl Gostner: Ich habe schon bei meinem Antrittsstatement gesagt, dass es die größte Herausforderung für mich ist, die Hoteliers zu überzeugen, dass ich für dieses Amt geeignet bin. Als langjähriger Obmann der Altstadtkaufleute und Organisator von zwei Christkindlmärkten bin und war ich mit touristischen Themen befasst. Die Mitglieder des Tourismusverbandes Innsbruck und seiner Feriendörfer bestehen ja auch aus Nichttouristikern. Und da ist es von Vorteil, dass jemand an der Spitze steht, der die Übersicht hat und der sich auskennt in der Stadt. Und die Hoteliers sollten sich überlegen, dass wenn jemand von ihnen an der Spitze stünde und Maßnahmen gesetzt werden, die der Hotellerie zugutekommt, das rasch zu Unstimmigkeiten führen könnte.

ÖGZ: Sie sehen sich also als "neutraler" Obmann?
Karl Gostner: Ja. Jeder der in der Alt- bzw. Innenstadt Kaufmann ist, ist sozusagen auch ein gelernter Touristiker. Der Tourismus ist ja omnipräsent und die Auftraggeber für mein Bettenstudio (Betten & Studio Tyrler, Anm. d. Red.) kommen zum Teil ja direkt aus der Hotellerie. Mit August Penz, Chef des Sporthotels Penz und Karl Ischia, Hotel Mondschein, sitzen zwei Hoteliers in einem Dreiervorstand. Da ist die Hotellerie sicher nicht unterbesetzt.

ÖGZ: War 2009 ein Krisenjahr?
Fritz Kraft: Für uns war 2009 nicht unbedingt ein Krisenjahr, aber ein schwieriges Jahr. Das Jahr 2008 war ein Gipfeljahr mit Rekordwinter und Großveranstaltungen wie der Euro 08. 2009 beträgt das Minus bei den Nächtigungen leider 8,58 Prozent. Das Parkhotel Igls und das Sporthotel Igls hatten 2009 geschlossen, weil qualitativ aufgerüstet wurde. Zudem war auch der Innsbrucker Campingplatz 2009 geschlossen und wurde erste wenige Wochen vor Jahresende wieder geöffnet. Da geht es alleine um ca. 35.000 Nächtigungen pro Jahr. Berücksichtigt man alle diese Dinge, hätten wir einen Rückgang von ca. vier bis fünf Prozent verbucht.
Karl Gostner: Die Krise ist das eine, der Markt das andere. Der Markt ist groß genug, dass man sich den einen oder anderen Anteil noch rauspicken kann. Der Tourismusverband muss hier auch in der Lage sein kurzfristige Maßnahmen zu setzen. Wir sind beispielsweise in der Sache Oberammergau daran, etwas zu machen. Wir werden sehen, ob das aufgeht. Von Handelsseite her kann ich zum Thema Krise nur eines sagen. Wer sich intensiv damit auseinandergesetzt hat, hat 2009 gute Erfolge gehabt. Man muss dazu aber aktiv sein, man muss werben, man muss preislich flexibel sein. Die Kunden sind vorhanden. Die Methode ist, die Marktanteile zu erhöhen; das sollte uns gelingen.

ÖGZ: Gab es auch Einbrüche im Geschäftstourismus?
Fritz Kraft: Ja natürlich gab es da auch eine starke Reduktion. Einfach weil das Geld nicht da war oder es nicht opportun war, z. B. große Firmenincentives in einem Jahr der Krise durchzuführen.
ÖGZ: Wagen Sie eine Prognose für 2010?
Fritz Kraft: 2010 wollen wir das Wort Krise nicht mehr in den Mund nehmen. Es wird vor allem der Winter für Innsbruck und seine Feriendörfer nicht leicht werden. Allgemein herrscht ja die Meinung, dass es ein schwieriger Winter wird, weil der letzte trotz Krise ja noch ein ganz guter war. Wenn wir uns die Vorausbuchungen ansehen, ist keine Krise erkennbar. Zudem sind wir zuversichtlich, dass wir ab Frühjahr bis in den Sommer hinein wieder zulegen werden. Wir hoffen auf eine positive Nächtigungsbilanz und unter Umständen ist am Ende des Jahres eine leichte Steigerung drinnen.
Barbara Egger

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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