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KR Leopold Wedl (links) und sein Sohn Lorenz Wedl beim ÖGZ-Interview auf der FAFGA.

Wedl: "Perfekte Lebensmittel sind nicht mehr genug"

04.10.2017

Ein Gespräch mit Juniorchef Lorenz Wedl und KR Leopold Wedl über steigende Ansprüche im Lebensmittelhandel und in der Gastronomie

Lorenz Wedl (27)
ist der Sohn von KR Leopold Wedl, der das Handelshaus in dritter Generation leitet. Lorenz Wedl hat in Innsbruck den Master in BWL abgelegt und Erfahrungen im Ausland sammeln können. Seit 2015 ist er Mitglied der Geschäftsleitung der Wedl Handels-GmbH.

ÖGZ: Herr Wedl, was sind Ihre Aufgaben im Handelshaus? Sind Sie so etwas wie die rechte Hand Ihres Vaters?
Lorenz Wedl: Das wäre etwas zu breit gefasst … Vor eineinhalb Jahren bin ich in unseren Familienbetrieb eingetreten, habe letztes Jahr das Marketing übernommen und heuer den Vertrieb. Nächstes Jahr wird mein Verantwortungsbereich noch weiter ausgedehnt. Ich bin froh, dass das sukzessive passiert und nicht zu schnell. Es dauert einfach eine gewisse Zeit bis man Strukturen, Personen und Arbeitsabläufe einer Abteilung versteht.

Wo haben Sie vorher Erfahrungen sammeln können?
LW: Ich habe in Innsbruck mein Betriebswirtschaftsstudium erfolgreich abgeschlossen. Zudem konnte ich bereits in fremden Betrieben erste essentielle Arbeitserfahrungen sammeln. Bei der Firma Globus in Saarbrücken habe ich beispielsweise geholfen ein neues Geschäftsmodell im Bereich des Lebensmitteleinzelhandels zu entwickeln und bei Alnatura war ich im zentralen Einkauf tätig. 

Wie läuft die Zusammenarbeit mit Ihrem Vater? 
LW: Wir arbeiten sehr eng zusammen, aber er lässt mir auch genügend Raum. Ich bekomme die volle Unterstützung für meine neuen Ideen. Wir sind nicht immer einer Meinung, jedoch finden wir nach einem kurzen produktiven Diskurs eigentlich immer Konsens.
KR Wedl (setzt sich dazu): Ich war zwei Jahre jünger, also 25, als ich die Firma von meinem Vater übernommen habe. Und ich begrüße es sehr, wenn Lorenz neue Ideen hat. Lorenz hat ja auch sein Studium mit einer interessanten Studienarbeit abgeschlossen.
LW: Es ging dabei um „M&A“ also der Akquisition und Fusion von Unternehmen. Ein primärer Untersuchungsgegenstand war die Geschwindigkeit bei der Integration von Betrieben nach einem Zusammenschluss und deren Einfluss auf den Erfolg. 
Sie haben also vor, noch weitere Firmen zu kaufen?
KR Wedl: Ich habe bereits 21 Firmen gekauft. Das hat außer in zwei Fällen immer gut funktioniert. Bei den beiden war das Unternehmen zu sehr auf den alten Eigentümer zugeschnitten. Eine besondere Eigenschaft meines Sohnes ist auch, dass er auf die Leute zugehen kann, immer auf Augenhöhe. Da pflegt er durchaus einen neuen Stil.
LW: Das ist mir ganz wichtig, dieser situative Führungsstil. Man muss heute anders mit Mitarbeitern umgehen, weg von hierarchischen, hin zu flachen Hierarchien. Es geht um vernetztes Denken zwischen den Abteilungen. Ich bin auch mit allen Mitarbeitern per Du und habe das nicht bereut.

Was sind Ihre konkreten Pläne? 
LW: Aus unseren Trendstudien haben wir gelernt, dass italienisches Essen, Spezialitäten und Bio immer wichtiger werden, aufgrund des Fachkräftemangels auch Convenience. Hierum wollen wir unser Sortiment sukzessive ausweiten. Außerdem wollen wir künftig bei der Einlistung von neuen Produkten verstärkt darauf achten, was unsere Kunden sich wünschen. Deshalb beziehen wir über unsere neue Intranet-Plattform stärker unsere Außendienstmitarbeiter mit ein, die nahe beim Kunden agieren und folglich besser wie kein anderer die Wünsche dieser kennen. Über das firmeninterne Social Media Portal, können Wünsche und sonstige Anregungen unserer Kunden an die Zentrale leicht und schnell kommuniziert werden.

Was planen Sie noch im Bereich Digitalisierung?
LW: Wir werden unseren Online-Shop bis zum Frühjahr 2018 neu aufstellen: Das Handling wird vereinfacht und wir wollen mit emotionalen Bildern und Geschichten hinter den Produkten punkten, gerade im Frischebereich. Zudem wollen wir durch diverse Optimierungen bei der Suchfunktion und durch Einblendung intelligenter kundenspezifischer Artikelvorschläge die Benutzerfreundlichkeit sowie das Einkaufserlebnis weiter steigern. Zudem können über diesen Kanal sämtliche Produktinformationen (Herkunft, Allergene etc.) übersichtlich dargestellt werden. Natürlich gibt es aber zusätzlich zu diesem neuen Onlineshop immer noch unsere gut geschulten Außendienstberater. 

Wie wichtig ist diese Beratung?
LW: Sie wird immer wichtiger. Wir haben das Schulungsprogramm für unsere rund 60 Außendienstmitarbeiter massiv ausgebaut. Dabei sind uns vor allem die sensiblen Produktgruppen wie Spezialitäten, Delikatessen, aber auch Wein & Spirituosen wichtig. Beispiele dafür sind unsere Masterklassen der Vinothek Wedl, aber auch Schulungen im gehobenen Conveniencebereich. Viele Mitarbeiter sind gelernte Köche, damit sie die Wünsche und Probleme unserer Kunden besser verstehen.

Wird Ihr Geschäft immer anspruchsvoller?
KR Wedl: Gäste sind heute viel anspruchsvoller, der eine isst nur vegan, der andere lebt vegetarisch oder leidet an Unverträglichkeiten. Darauf muss sich die Gastronomie einstellen und demzufolge wir auch. Früher hat vielleicht eine blumige Speisekarte genügt. Heute muss man auf verschiedene Gruppen Rücksicht nehmen. Es genügt, wenn einer in einer Gesellschaft besondere Ansprüche hat. Wenn Sie dem nichts bieten, geht die ganze Gesellschaft woanders essen. 
LW: Es reicht heutzutage nicht mehr aus, perfekte Lebensmittel anzubieten und zeitgerecht auszuliefern, um Kunden positiv beeindrucken zu können. Man muss mittlerweile ein Rundum-Service-Paket anbieten können – gerade in Zeiten des Fachkräftemangels. Zum Beispiel mit Rezeptideen, Weiterbildung, hochwertiger Convenience oder einem Allergenmanagement.

Wie zufrieden sind Sie mit der FAFGA, Sie sind ja jetzt zum zweiten Mal hier mit einer eigenen Hausmesse vertreten?
LW: Wir konnten an den Erfolg vom letzten Jahr anknüpfen und haben die Anzahl an Ausstellern auf über 90 erweitert und unsere Ausstellungsfläche auf zwei Hallen ausgedehnt. Die FAFGA ist für uns eine perfekte Plattform. Gestern hatten wir einen neuen Besucherrekord.

Autor/in:
Thomas Askan Vierich
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