Direkt zum Inhalt

Weg vom Preisk(r)ampf

10.10.2007

Sparen ist angesagt: Die Schnäppchen-Mentalität (in Kombination mit einer real stagnierenden Kaufkraft der Bevölkerung) hat inzwischen weite Teile der Gesellschaft und Wirtschaft vereinnahmt.

Auch Gastronomie und Hotellerie sind immer stärker von einem ruinösen Preiskampf betroffen und suchen vermehrt Wege aus einem solchen. Niedrigpreispolitik, bei der die Kosten nicht gedeckt seien, bedeuten den Beginn der „Todesspirale“, erklärte Erich Liegl auf einer Tagung der Tiroler Wirtschaftskammer vergangene Woche. Der Preis habe die größte Hebelwirkung auf den Betriebserfolg. „Wer beim Preis einmal die Hosen runterlässt, bei dem bleiben sie unten“, sagte er.

„Cleverer“ Konsument
Die „guten alten Zeiten“, in denen der Konsument die Preise einfach akzeptiert hätte und „problemlos jährliche Preiserhöhungen“ möglich gewesen wären, seien vorbei, meinte Liegl von der Tourismusberatung Kohl & Partner. Der neue „clevere Konsument“ orientiere sich zunehmend am Preis, die Portemonnaies seien zugetackert.

Im Jahr 2000 hätten beispielsweise in einer Studie des B. A. T. Forschungsinstitutes über Qualitätsmerkmale noch 71 Prozent an erster Stelle die schöne Landschaft angeführt. Im vergangenen Jahr rangierte die schöne Landschaft mit 61 Prozent nur mehr auf Platz zwei. Verdrängt wurde sie vom aktuellen Top-Qualitätsmerkmal „Preis-Leistungs-Verhältnis“, das vor sechs Jahren noch auf dem 6. Rang zu finden gewesen sei. Das Internet mache außerdem die unterschiedlichen Angebote transparent und vergleichbar. Die Möglichkeiten, dieser Entwicklung mit einer Senkung der Preise zu begegnen, seien vielfach bereits ausgereizt.

Es dürfe keine Preisliste ohne jährliche Preiserhöhung von zwei bis drei Prozent mehr geben. Die Inflationsrate müsse auf jeden Fall abgegolten werden. Außerdem sei es notwendig, sich von der Saisonstaffelung aus den 70er-Jahren zu verabschieden, die sei mittlerweile obsolet. Eine Einteilung in Vor-, Haupt- und Nebensaison, entspreche nicht mehr den aktuellen Anforderungen der Gastronomie. Überlegenswert sei beispielsweise die Einführung einer „Top-Saison“, die nur die Tage rund um Silvester betreffe oder Christi Himmelfahrt, in denen eine Übernachfrage herrsche. Viele Unternehmen würden ihre Leistungen außerdem schlecht verkaufen, meinte Liegl. Eine Strategie sei es beispielsweise, Zusatzleistungen anzubieten, die wenig kosten, aber dem Gast viel wert sind. Dies reiche von einem reservierten Parkplatz bis zur freien Auswahl des Zimmers oder einem guten Tisch im Speisesaal.

Teuerungen am besten gleich weitergeben
„Im Vergleich zu Ländern wie Frankreich, Deutschland, Italien oder der Schweiz sollten wir schon etwas teurer werden“, bewertet Spitzenkoch Heinz Hanner aus Mayerling die derzeitige Preislage in der Gastronomie. Vor allem die Personalkosten seien in den Spitzenlokalen einfach nicht voll einrechenbar, was sich wiederrum auf die Frustrations- und die Drop-Out-Rate in der Branche niederschlage. Knapp kalkulierenden Kollegen rät Hanner jedenfalls, Teuerungen immer sofort und in kleinen Schritten weiterzugeben. „Sonst passiert jahrelang nichts und beim nächsten Besuch trifft den Gast der Schlag.“ Er selber schluckt die jetzt gestiegenen Warenpreise derzeit noch selber, will die weitere Entwicklung abwarten und dann neu kalkulieren.

Die Dienstleistung wird zu wenig geschätzt
Dass die Dienstleistung in Österreich zu wenig geschätzt wird, meint auch Multi-Gastronom Toni Mörwald. „Es wird zwar bei uns sehr viel Leistung geboten, es wäre aber noch mehr Potenzial drinnen, wenn wir andere Preise verlangen könnten.“ Vor allem in den Hotels mache sich derzeit eine All-inclusive-Mode breit, die grundfalsch und auf Dauer nicht machbar, weil der Qualität abträglich, sei. Mörwald: „Man bekommt nur das, was man bezahlt. Beim Auto bezahlen die Leute jedes kleinste Extra separat und bei uns soll alles inkludiert sein. Das funktioniert aber nicht.“

Etwas Mut und Dreistigkeit gehört auch dazu
Nicht unzufrieden mit der Situation in der heimischen Hotellerie zeigt sich ÖHV-Präsident Peter Peer. „Viele Hoteliers erzielen einen guten Preis. Wichtig ist halt, dass man seinen eigenen erzielbaren Preis und seine Zielgruppe herausfindet und auch sein Angebot richtig positioniert.“ Österreich sei aber derzeit im Aufbruch zu besseren Preisen, auch wenn wir im internationalen Vergleich noch nachhinken. Peer: „Vergleichen Sie mal die Hotelpreise von London mit denen von Wien. Das liegt zwar auch an den anderen Grundstückspreisen in London – dort kann man ein Hotelzimmer um 100 Euro einfach nicht verkaufen –, aber die Zielgruppe ist für uns die gleiche. Warum soll also jemand, der bereit ist in London 300–600 Euro für ein Zimmer zu bezahlen, bei uns nur 100 oder 200 Euro zahlen?“ Gerade das Top-Segment könnte laut Peer etwas mutiger bei der Preisgestaltung sein, etwas Dreistigkeit sei da schon angebracht.

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
Werbung
Werbung