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Weihnachten beim Wirt

26.01.2006

Weihnachtliche Esskultur: Am Heiligen Abend kocht der Österreicher selbst und die Touristen essen im Hotel das traditionelle Weihnachtsmenü. Ab 21 Uhr erfreuen sich Szenelokale und Pubs regen Zuspruchs.

Bald ist Heiliger Abend und in den Gastronomiebetrieben herrscht Hochbetrieb. „So wie der Handel kann auch die heimische Gastronomie bei der Weihnachtszeit keineswegs von der stillsten Zeit des Jahres sprechen“, verspürt August Oberndorfer, Gastronomie-Obmann der WKOÖ, auch heuer bei den Weihnachtsfeiern keinen Rückgang gegenüber vergangenen Jahren und freut sich darüber, dass Weihnachten hierzulande ohne Wirt gewissermaßen unvorstellbar ist.
Mittags ist Sperrstund´
Wird auch der Heilige Abend im Wirtshaus gefeiert? „Jugendliche wollen nach der Familienfeier noch ausgehen. Immer mehr Pubs und Szenelokale öffnen am 24. Dezember ab 21 Uhr und machen von Jahr zu Jahr bessere Geschäfte“, erklärt Dr. Peter Frömmel, Spartengeschäftsführer Tourismus und Freizeitwirtschaft in der WKOÖ. „In zehn Jahren wird der Heilige Abend der Abend sein, an dem die meisten Leute ausgehen werden“, ist Josef Bitzinger, Gastronom und Spartenobmann Tourismus und Freizeitwirtschaft der WK Wien, überzeugt.
Die Stadt Wien veröffentlicht schon seit Jahren im Internet (www.veranstaltungen.wien.at) eine Liste mit den Gastronomiebetrieben, die am 24. und 31. Dezember geöffnet ha-ben. Während viele traditionelle Wiener Restaurants am 24. Dezember spätestens nach dem Mittagsgeschäft und die Kaffeehäuser spätestens um
18 Uhr schließen, gibt es viele chinesische Lokale, die mit speziellen Weihnachtsmenüs ihre Gäste auch am Heiligen Abend verwöhnen. Seit nunmehr vier Jahren hat das griechische Restaurant Alexis Sorbas im 17. Bezirk geöffnet. „Der Wiener kommt am 24. abends in größeren Gruppen – bis zu 12 Personen – zum Essen. Es gibt bei uns aber kein Weihnachtsmenü, sondern die übliche À-la-carte-Karte“, so Geschäftsführer Alex.
In den Paulusstuben wurde in den vergangenen Jahren am 24. Dezember immer ein mehrgängiges Weihnachtsmenü angeboten, das es nur auf Vorbestellung gab.

„Dadurch konnten keine zusätzlichen Gäste beziehungsweise Wien-Touristen bewirtet werden und wir mussten die Leute wegschicken. Heuer werden wir erstmals kein Menü anbieten, sondern eine eigene Weihnachtskarte mit Schmankerln aus der Wiener Küche“, erklärt Rupert Prohaska von den Paulusstuben in Wien 1.
Hingegen bleibt im Gasthof Prilisauer der Herd am 24. Dezember kalt. „Unser Personal hat eine sehr anstrengende, von Überstunden gekennzeichnete Vorweihnachtszeit, da wir viele Firmenfeiern ausrichten, und da gönnen wir unseren Mitarbeitern den freien Tag, damit sie mit der Familie zu Hause feiern können“, erklärt Hermann Prilisauer, Obmann der Fachgruppe Gastronomie der WK Wien.
Ganz traditionelle Weihnachten feiert Vier-Hauben-Köchin Johanna Maier mit ihren Gästen. „Ich habe festgestellt, dass die Städter wieder viel Gefallen am Brauchtum finden. Das Weihnachtsfest im Gasthof Hubertus beginnt um 17 Uhr. Nach dem „Räuchern“ gibt es eine hausgemachte Nudelsuppe mit Würsteln“, erklärt Johanna Maier; und wie sie selbst feststellte, schätzen das die Gäste schon mehr als ein Glas Champagner. Nach dem Turmblasen am Dorfplatz wird ein einfaches Weihnachtsmenü mit Saibling und Hirsch serviert. Und nach der Mette gibt es dann noch einen Germreindling mit Preiselbeeren und Schlagobers.
Zander löst Karpfen ab
Bestimmte Trends bei der Weihnachtsküche zeichnen sich nicht ab, sieht man davon ab, dass immer mehr Gäste auch zu den Feiertagen bei der Wahl der Speisen nicht auf die grundsätzlichen Aspekte gesunder Ernährung vergessen. „Der gebackene Karpfen mit Mayonnaisesalat kommt beim Gast nicht mehr so gut an wie noch vor wenigen Jahren“, weiß Rupert Prohaska. „Der Karpfen wird von den neuen Trendfischen Zander, Forelle und Saibling abgelöst“, konstatiert Peter Frömmel. Josef Bitzinger meint sogar, der Karpfen ist „out“, Truthahn ist „in“: „Er ist auch ein richtiger „Eye-Catcher“ – wir tranchieren ihn vor den Augen des Gastes.“ Auch im Gasthof Postwirt in Seeboden/Kärnten werden eher Wildgerichte und regionale Schmankerln geordert. „Wir sind bekannt für unseren Gänse- und Entenbraten. Der Karpfen ist nicht wirklich gefragt“, weiß Franz Josef Schmidt, der auch feststellen konnte, dass die Leute zu den Feiertagen wieder vermehrt essen gehen und dabei nicht unbedingt nur auf den Preis achten.

Die jugendlichen Städter feiern nach dem Familienfest mit Freunden Weihnachten in Pubs und Szenelokalen, die Jahr für Jahr am 24. Dezember bessere Umsätze machen. Viele Städter genießen in den ländlichen Regionen das Weihnachtsbrauchtum. Zu Weihnachten gibt es nicht mehr nur den gebackenen Karpfen. Dieser wird von anderen Fischen wie Zander, Forelle oder Saibling abgelöst. Auch Truthahn, Ente und Gans gehören zum Weihnachtsmenü.

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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