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Weinbergschnecken brechen das Fasten nicht

19.02.2008

Weder Fleisch noch Fisch, galten die 10 Zentimeter langen und 30 Gramm schweren Weinbergschnecken (helix pomatia) als begehrte Delikatesse. "Als wahre Fitness-Nahrung enthalten 100 Gramm der Weichtiere nur 80,5 Kalorien", erklärt Züchter Heinz Hohenthaner (50) von der "Rottaler Schneckenfarm" aus dem niederbayerischen Pfarrkirchen.

Die Fastenzeit wird traditionell am Aschermittwoch mit dem Fischessen begonnen. Dadurch soll symbolisch der Abschied vom Fleisch in der Fastenzeit verdeutlicht werden. Fleisch hatte und hat auf dem Speiseplan während der Fastenzeit nichts zu suchen. Das zarte Fleisch der helix pomatia ist der ideale Fleischersatz. "Weinbergschnecken brechen das Fasten nicht", sagt Heinz Hohenthaner. Nicht nur in der Fastenzeit ist das zarte Fleisch der Kriechtiere begehrt. Klassisch werden die Weinbergschnecken im eigenen Gehäuse gratiniert mit Kräuterbutter, als Spieß gegrillt oder als Pastete zum Brotaufstrich verwendet.

Für die kriechende Delikatesse haben die Mönche neben den Klöstern ihre Schneckengärten angelegt. Heinz Hohenthaner hatte vor drei Jahren den Grundstein für seine Schneckenfarm gelegt. Das einen Hektar große Feld wurde mit einem Zinkblechzaun umrandet, der 30 Zentimeter in die Erde reicht und 70 Zentimeter obererdig verläuft. Ein zwei Meter hoher Maschenzaun schützt die Pflanzen vor Wildfrass. Ein weiterer Schneckenzaun verhindert das Ausbüchsen aus den präparierten Parzellen, in denen das Futter für die Schnecken angebaut ist: Sonnenblumen, Mangold, Zichorie, Klee und Ölrüben.

Im Mai 2006 wurden 14.000 Weinbergschnecken in seine Zuchtanlage aufgenommen. Hohenthaner schätzt die Schar der Schnecken auf seiner Farm auf rund eine Million Stück. Jede der 14.000 Zuchtschnecken hat in den zwei Vorjahren etwa 50 Eier gelegt. "Nur die Alttiere haben die Schlachtreife von etwa 15 Gramm", so Hohenthaner. Vor dem Verzehr werden die Schnecken auf der Zuchtanlage durch mehrtägiges Fasten gereinigt, bis ihr Darm leer ist. In kochendem Wasser werden sie getötet, gereinigt und verarbeitet oder gefroren. Zum Verzehr ist nur der Fuß geeignet, Kopf und Eingeweide werden entfernt. Die im Winter mit einer Kalkschicht eingedeckelten Schnecken seien ideal konserviert, sagt der Züchter.

Schnecken dienen wie Muscheln schon seit der Jungsteinzeit als Nahrungsmittel. Schon die alten Römer waren, wie überliefert ist, versessen auf diese Leckerbissen.

Seit der Antike werden sie in Frankreich und Italien gesammelt. In Europa werden nach Expertenschätzung jährlich rund 100.000 Tonnen (eine Tonne entspricht 50.000 Tieren), in Deutschland rund 7.000 Tonnen verzehrt. Heute kommen sie vor allem aus dem französischen Burgund, aus Italien oder der Schweiz.

Die Rottaler Schneckenfarm kann von Mai bis Oktober besichtigt werden. Die Führung (nach vorheriger Terminvereinbarung) dauert eine Stunde (Gruppen bis 20 Personen) Anmeldung: Telefon 08561/9121076, E-Mail: info@Weinberg-Schnecke.de.

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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