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Weinparadies mit leichten Kratzern

13.09.2007

Grund zum Jammern haben die Südtiroler Winzer wahrlich nicht. Ihre Weißweine werden ihnen am italienischen Binnenmarkt förmlich aus den Händen gerissen.

Weingärten direkt vor der Haustür: So paradiesisch präsentiert sich die Landeshauptstadt Bozen

Ihre kräftigen Rotweine aus den internationalen Trendsorten Cabernet und Merlot gehen oft in den Export, entweder über gewerbliche Händler nach Nordeuropa und die USA oder zu einem nicht zu unterschätzenden Teil auch im Kofferraum zufriedener Touristen. Und die autochthonen Sorten wie Lagrein und Vernatsch trinken die Südtiroler am liebsten selbst.
Südtiroler Eigenheiten
Die Preise für Weingärten sind in den letzten Jahren so teuer geworden, dass „Quereinsteiger“ oder ausländische Investoren – im Gegensatz zu anderen Trendregionen wie etwa der Toskana – erst gar nicht erst versuchen, hier mit dem Weinbau zu beginnen.
Der Weinbau in Südtirol zeichnet sich durch einige Eigenheiten aus, die man im restlichen Italien vergeblich sucht. Nur rund fünf Prozent der Winzer füllen ihre Weine auch selbst ab. Der große Rest – an die 4.900 Betriebe – verkauft seine Trauben entweder an Handelshäuser oder ist mit einer Genossenschaft verbunden. Dann haben sich seit dem mengenmäßigen Rekordjahr 1982, als rund 20 Mio. Hektoliter (hauptsächlich Vernatsch) exportiert wurden, sowohl Rebflächen als auch Hektarerträge deutlich verringert. Gleichzeitig sind die Qualitäten (und die Preise) gestiegen. Dass im Zuge dieser Entwicklung auch der Export nach Österreich stark zurückgegangen ist, ist eine bedauerliche Ironie des Schicksals und lässt sich eigentlich nur mit der parallel verlaufenden Erfolgsstory der österreichischen Weinwirtschaft erklären.
Eine weitere Besonderheit der Südtiroler Weinlandschaft ist der hohe Anteil an DOC-Weinen (über 80 %). Eigentlich sollte es ja eine Auszeichnung für besondere, gebietstypische Weine sein. Wenn neun von zehn 0,7-l-Flaschen DOC-Weine sind, wird dieses Label jedoch entwertet.
(Über)fordernde Sortenvielfalt
Dazu kommt noch, dass die enorme Sortenvielfalt ­Südtirols zwar Weinfreaks begeistert, viele Kunden aber schlichtweg überfordert. Fast jeder Winzer hat einen Weißburgunder, Sauvignon Blanc, Chardonnay und Gewürztraminer im Programm, oft wird das weiße Angebot dann noch mit Grauburgunder und Riesling abgerundet. Beim Rotwein dominieren neben den beiden autochthonen Sorten Lagrein und Vernatsch Merlot, Cabernet und Pinot Noir, die oft in verschiedenen Stilistiken sowie reinsortig und verschnitten angeboten werden. So eine Angebotsbreite haben übrigens auch viele kleine Betriebe.

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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