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Weißbuch mit "10 Geboten" für Kärntens Tourismus

02.12.2005

Das Weißbuch Tourismus Kärnten wurde im Rahmen des zweiten Kärntner Tourismusgipfels im Congress Center Villach präsentiert. In der Anmoderation wurde der von der Österreichischen Gesellschaft für Marketing (OGM) erstellte Entwicklungsplan als "papiergewordene Vision für Kärntens Tourismus" bezeichnet.

"10 Gebote" sind als Leitideen im Weißbuch aufgelistet und sollen bis zum Jahr 2015 zum Ziel eines Ganzjahrestourismus in Kärnten führen. Erarbeitet wurde das Weißbuch auf breiter Basis und unter Einbindung aller Kärntner Touristiker.

Tourismusreferent Landeshauptmann Jörg Haider betonte, dass
Kärnten sehr gute touristische Chancen habe, die man nun mit
gebündelten Kräften wahrnehmen wolle. Es gelte, die Chancen zu sehen
und Stärken zu profilieren, anstatt über Schwächen zu jammern. Das
Konzept dazu liefere das neue Weißbuch, finanzielle Mittel seien im
Kärntner Zukunftsfonds sowie über die Wirtschafts- und
Beschäftigungsoffensive des Landes und Bundes vorhanden. Auch das ab
1. Jänner 2006 in Kraft tretende Abgabenpaket werde über die
Anpassung von Fremdenverkehrsabgabe und Ortstaxe zu 100 Prozent
zweckgebundene Mittel für den Tourismus aufbringen.

Haider machte es zur Vorgabe, am Beispiel des erfolgreichen
Kärntner Winters auch die Schwächen des Sommers auszugleichen.
Angesichts der zahlreichen Regentage müssten Allwetterangebote
geschaffen und der Wellnessbereich ausgebaut werden. Das
Nächtigungsplus im Herbst zeige, dass Kärnten am richtigen Weg zum
Ganzjahrestourismus sei und man keine Jahreszeit touristisch
auslassen dürfe. Insgesamt sei der Ganzjahrestourismus auf eine
breite Basis zu stellen. Leitbetriebe sollten ihn in Schwung bringen,
aber auch die kleinen und mittleren Betriebe müssten daran teilhaben.
Dazu starte Kärnten eine Qualitätsoffensive, erklärte Haider. Zehn
Mio. Euro pro Jahr seien vom Land dafür an Fördermitteln eingeplant,
die wiederum Investitionen von 100 Mio. Euro auslösen sollten.

Weiterverfolgen wolle man zudem die Bewerbung des Ostmarktes, der
ein enormes Gästepotential biete. Auch die Aus- und Weiterbildung des
touristischen Personals soll optimiert werden. Festhalten will Haider
auch an der erfolgreichen Eventkultur. 2005 haben die Events laut
Haider eine Wertschöpfung von 21 Mio. Euro, 550.000 zusätzliche
Nächtigungen und einen Werbewert von zehn Mio. Euro erzielt sowie 2,1
Mio. Besucher angelockt. Demgegenüber würden lediglich 1,5 Mio. Euro
an Unterstützungen des Landes stehen.

Auch Gabriel Obernosterer, Spartenobmann Tourismus der Kärntner
Wirtschaftskammer, sagte, dass sich der Kärntner Tourismus am
globalen Markt nicht fürchten müsse. Das Land sei mit dem Tourismus
groß geworden, meinte er, nun solle man gemeinsam auf der
traditionellen Erfolgsgeschichte aufbauen. Die größten Chancen sieht
Obernosterer in Natur, Kultur und den Menschen Kärntens. Als "gutes
Zeichen" wertete er die Bestellung Seppi Buchers zum
Landestourismusdirektor. Nur gemeinsam könne man den Kärntner
Tourismus wieder auf den Erfolgsweg bringen, betonte der
Spartenobmann. Er und die Wirtschaftskammer seien für diese
gemeinsamen Wege immer zu haben.

Das Weißbuch Tourismus Kärnten wurde von OGM-Chef Wolfgang
Bachmayer präsentiert. "10 Gebote" seien darin festgeschrieben, um
das wichtigste Ziel bzw. das 1. Gebot, die Entwicklung eines
Ganzjahrestourismus, bis 2015 zu erreichen. Die weiteren neun lauten
konkret: Bekenntnis zur Kooperation und Vernetzung, Vorrang für
Qualität auf allen Ebenen, Konzentration auf Stärken, Stärke durch
Leitbetriebe und gebündelte Vielfalt, Einheitlicher Auftritt als
Destination und Marke, Neue Märkte und Innovation, Integrative
Tourismus- und Freizeitentwicklung, Schutz von Natur und Landschaft,
Kontrolle und Evaluierung.

Wichtig ist es für Bachmayer, alle Werbeaktivitäten zentral in
die Hände der Kärnten Werbung zu legen sowie Kärnten als Ausflugsland
und Veranstaltungsort für internationale Kongresse zu profilieren.
Als "ureigenste Kärntner Erfolgsgeschichte" sollte auch die
Eventkultur weiter verfolgt werden, allerdings mit verstärkter
"regionaler und saisonaler Entzerrung". Qualitätsoffensiven sollte es
bei den Betrieben und der Personalausbildung geben, wobei die
Leitbetriebe "Signal- und Lokomotivfunktion" haben sollten. Zudem
sollten in der Raumordnung wertvolle Flächen für den Tourismus
reserviert werden. Winterangebote sollten für Bachmayer auch abseits
des alpinen Schifahrens und Schnees gefunden werden. Weiters
appellierte er für ein Umdenken in den Betrieben, da man künftig mit
anderen Gästeschichten und einem veränderten Gästeverhalten
konfrontiert sein werde. Wichtig sei außerdem eine
Saisonverlängerung, gewisse Förderungen sollten daher an eine
Mindestoffenhaltedauer von sechs Monaten gebunden sein.

Als "Kernkompetenzen" Kärntens nannte Bachmayer Sonne und See
sowie Sport, Aktiv und Outdoor. "Boomthemen" seien Gesundheit und
Winter, als "Aufbauthemen" für die Zukunft sollten Kultur und Genuss
sowie der Geschäfts- und Kongresstourismus im Auge behalten werden.
Das Weißbuch Tourismus Kärnten soll es als Langfassung von 500 Seiten
sowie als Zusammenfassung ab Mitte Dezember im Internet zum Download
geben. Projektstart für diesen Entwicklungsplan war laut Bachmayer im
Oktober 2003. Bisher habe Kärntens Tourismus mit einem Konzept aus
dem Jahre 1992 gearbeitet, das auf Daten von 1988/89 basiert habe.
Eine Datenbasis vor der Ostöffnung und vor dem Internet, merkte der
OGM-Chef an.

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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