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Weltmeisterlich

09.02.2005

Thomas Dorfer und sein Commis René Zinsmeister kochen sich beim weltgrößten Kochevent, dem Bocuse d’Or in Lyon, in die absolute Weltspitze und belegen den sechsten Rang unter 24 Teilnehmern.

Einen Platz unter den Top Ten haben wir angestrebt, die Top Acht wären schon toll gewesen, dass es nunmehr der sechste Rang geworden ist, begeistert uns natürlich vollkommen“, freut sich Thomas Dorfer, gemeinsam mit seinem Commis René Zinsmeister, Starter für Österreich beim weltgrößten Kochwettbewerb um den Bocuse d’Or in Lyon.
Die Vorgeschichte zum Erfolg erstreckt sich über zehn Monate. Im März 2004 gewannen Dorfer/Zinsmeister die erstmals im Rahmen der „Alles für den Gast Frühjahr“ durchgeführte nationale Vorausscheidung und damit die Teilnahme am „Bocuse d´Or“. Danach stürzten sich die beiden in ein Training von in dieser Intensität in Österreich bisher nicht gekanntem Ausmaß. Dutzende Male wurde in den folgenden Monaten die komplette Erstellung jener beiden Platten mit einem Fischgericht aus Seeteufel und einem Fleischgericht aus Kalbsrücken durchexerziert. „In dieser Zeit hat sich der Aufbau der Platten so weiterentwickelt, dass eigentlich nichts von der ursprünglichen Form übrig blieb“, erzählt Dorfer.
Möglich wurde diese intensive Vorbereitung nicht zuletzt durch umfangreiche Sponsorships des österreichischen Teams. Allen voran sorgte QimiQ nicht nur für einen finanziellen Beitrag, sondern auch für die gesamte Organisation, die Medienbetreuung und stellte nicht zuletzt auch die Unternehmensküche für das Training zur Verfügung. Der Erfolg gibt dem Aufwand Recht. Die Fischplatte wurden von der Star-Jury in Lyon als zehntbeste unter 24 bewertet. Mit der Fleischplatte rangierten Dorfer/Zinsmeister gar auf Rang 3.

Was der Papst den Katholiken ist, das ist Paul Bocuse für die Freunde guter Küche“, wagt Wolfgang Puck einen außergewöhnlichen Vergleich. Das, was sich beim zweitägigen Wettbewerb um den „Bocuse d’Or“ abspielt, beweist jedoch eindrucksvoll, dass der Hollywood-Koch aus Kärnten nicht übertreibt. Zwei Tage lang kochen 24 Spitzenköche aus aller Welt mit ihren Commis auf höchstem kulinarischen Niveau um die Wette. Die 24 Nationen entsenden ihre nationalen Komitee-Präsidenten als Juroren, der Präsident der Académie Bocuse und der Gewinner des vorhergegangenen Wettbewerbs fungieren als Jury-Präsidenten. Gemeinsam bewerten sie die Fisch- und Fleischplatten. Sie vergeben ihre Punkte für Geschmack (max. 40), Präsentation (20) und Hygiene (20) und küren somit die drei Preisträger des wohl wichtigsten Kochwettbewerbs der Welt. All das geschieht freilich nicht im stillen Küchenkämmerlein. Bis zu 2.000 Schlachtenbummler, die sich aus aller Welt in Lyon einfinden, unterstützen ihre Teams in einer Lautstärke, wie man sie sonst nur von ausverkauften Sportveranstaltungen kennt. Und spätestens bei der Siegerehrung, wenn der Maître selbst den Preisträger des nach ihm benannten „Bocuse d’Or“ verkündet, kennen Begeisterung und Jubel keine Grenzen. Mit Serge Vieira holte Frankreich den vierten Heimsieg beim mittlerweile zehnten Wettbewerb. Er hielt damit die skandinavischen Starter in Schach, die auf den Plätzen 2 bis 5 landeten. Sensationeller Rang 6: Österreich. Thomas Dorfer und René Zinsmeister lagen damit deutlich vor großen Kochnationen wie Deutschland (10.), Schweiz (11.), Italien (15.) oder Spanien (23.).
Der Bocuse d’Or ist in den 20 Jahren seit seinem Start über das kulinarische Leistungsniveau hinaus zweifellos zu einem gewichtigen Wirtschaftsfaktor geworden. Das zeigen nicht nur die beträchtlichen Investments der Event-Sponsoren (an der Spitze der Nestlé-Konzern als offizieller Partner) in die Veranstaltung. Insbesondere die skandinavischen Länder haben den Werbewert dieser kulinarischen Weltmeisterschaft erkannt. Norwegen, Schweden, Dänemark, Finnland und Island treten dort seit Jahren nicht nur mit starken Teams (und damit auch mit kompakter Jury-Präsenz) in Erscheinung. Die Skandinavier bringen sich auch nachhaltig finanziell ein. So war Island heuer offizieller Partner und Lieferant für den Seeteufel, den es zu verarbeiten galt. Die Kalbsrücken, aus dem die Starköche ihre Platten zauberten, stellte Dänemark zur Verfügung. Der Werbenutzen des Investments: An die 60 Kamerateams aus aller Welt und hunderte Journalisten berichteten über den kulinarischen Megaevent.
Jury nach bestem Wissen und Gewissen
ÖGZ: Herr Obauer, beim Bocuse d’Or gewinnen die Franzosen und die Skandinavier, die beträchtliche Summen in den Wettbewerb investieren. Da kommt bisweilen der Vorwurf auf, dass die Preisvergabe nicht mit rechten Dingen zugeht. Was sagen Sie dazu?

Rudolf Obauer, Präsident des Österreichen Bocuse d’Or-Komitees: So wie ich bewerten natürlich auch die anderen Juroren die präsentierten Platten nach bestem Wissen und Gewissen. Freilich gibt es immer wieder schlechte Verlierer, die für schlechte Nachrede sorgen. Eine Manipulation würde ich jedenfalls ausschließen. Das Bewertungssystem gleicht dem eines Eiswettbewerbs und die Punktevergabe der Juroren erfolgt naturgemäß nach subjektiven Kriterien. Andererseits kann es nicht schaden, wenn der Bocuse d’Or in den Teilnehmerländern einen hohen Stellenwert hat. Das sieht man an den Skandinaviern, die ja viel Geld investieren. Österreich, insbesondere auch die Österreich Werbung, sollte die Chance nutzen, die dieser Wettbewerb bietet. Der Werbewert der Veranstaltung übersteigt den Aufwand sicher mit Abstand.

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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