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„Weniger ist mehr“

28.03.2007

Die Wellness-Welle rollt – es ist sicher, dass das Thema „Wellness“ auch in den nächsten Jahren ein zentrales sein wird. Dabei stehen große Veränderungen bevor:

Immer mehr Männer und immer jüngere Leute interessieren sich für Wellness, für unser Leben wird es immer wichtiger, dass es Möglichkeiten für Erholung, Gesundheitsvorsorge und Kuren gibt. Dafür soll/muss es gute Angebote geben. Der Knackpunkt dabei ist, dass es ein Geschäft sein und nicht zu einem finanziellen Desaster für die Branche bzw. für den Hotelier sein soll. Grund genug für die ÖGZ, im Rahmen der Salzburger „Alles für den Gast – AllMountain“ zu einer Podiumsdiskussion zu laden. Die Teilnehmer des Gespräches unter der Leitung von Alice Rienesl waren Dr. Franz Hartl (Tourismusbank), Christian Werner (Herausgeber Relax Guide), Paul Haslauer (Angebotsentwickler, Ausstatter) und der Hotelier Robert Rogner jr.
Investitionsintensiv
Über die hohen Investitionskosten einer guten Wellness-Infrastruktur machte sich Franz Hartl Gedanken: „Etwa ein Drittel der Investitionen der Hotellerie im vergangenen Jahr sind in den Bereich Wellness gegangen, damit liegt Wellness an dritter Stelle der Investitionen. Wir haben auch gemerkt, dass sich Wellness-Investitionen in den Bilanzen der Betriebe auf Umsatz und Ertragsseite sehr positiv niedergeschlagen haben. Das heißt, dass Betriebe, die in Wellness investiert haben, auch tatsächlich einen wirtschaftlichen Effekt verzeichnen, der messbar ist.“ Allerdings würde sich Wellness zwar positiv auf das Betriebsergebnis niederschlagen, hätte aber eben den Nachteil, dass es regelmäßiger hoher Investitionen bedürfe. Man müsse also genau darauf achten, dass es zu keinen Überinvestitionen komme und das eingesetzte Geld auch rational verwendet werde.

Hardware überbetont
Für Christian Werner wurde auch oft zu viel Geld in die Hardware gesteckt: „Da wurden ganze Potemkinsche Dörfer aufgebaut und der Gast damit alleine gelassen. Ich kenne da ein bayerisches 220-Betten-Hotel mit jeder Art von Wellness-Einrichtung: Sauna, diverse Amethistbäder und Dampfräume und eine Klimakabine um 35.000 Euro etc. Aber der Ruheraum des Hauses hat gerade mal acht Betten gehabt.“ Oder wie es Robert Rogner jun. auch formuliert: „In den 90er-Jahren haben wir investiert wie blöd und in den 2000er-Jahren reißen wir das wieder heraus, was wir damals in den 90ern investiert haben. Das ist das, was jetzt gerade passiert.“
Dass indes oft am Markt vorbei investiert wird, zeigt eine jüngst auf der ITB vorgestellte Studie, bei der deutsche Gäste befragt wurden, welche Wellness-Angebote für sie am wichtigsten seien. Das Ergebnis: Auf Nummer eins ist die ganz einfache Rückenmassage, Nummer zwei ist die seit Jahrzehnten bekannte Ganzkörpermassage, dann kommen die Fußreflexzonenmassagen, danach die Gesichtsmassagen und auf Nummer fünf die Aromaölmassagen. „Also eigentlich nichts Außergewöhnliches oder äußerst Exotisches“, wie Alice Rienels feststellte. Ein Trend, den Rogner auch bestätigt: „Im Jahr 2001 war bei uns der Anteil der exotischen gebuchten Anwendungen bei rund 20 Prozent – jetzt im Jahr 2006 liegt er bei 7,2 Prozent. Wenn man das jetzt in Verhältnis setzt zu den Investitionen, dann weiß man, warum die Sachen jetzt wieder rausfliegen. Welche Investitionen braucht man schon für eine Rückenmassage?“ So attestierte Werner der Branche auch eine gewisse Eigendynamik: „Fahren sie mal in manche Tiroler Täler – es hat einer vom anderen abkopiert. Immer vom Nachbarn, und dann hat man noch versucht, mehr zu machen, den Nachbarn zu übertrumpfen. Und hatte der Nachbar ein Dampfbad, dann mussten es zwei Dampfbäder sein, und so geht das weiter.“

Qualität der Personen wichtig
Ein fast noch wichtigerer Faktor als die Ausstattung seien allerdings die handelnden Personen. Die Qualität des Masseurs oder Physiotherapeuten sei vor allem für den Erfolg einer Wellness-Anlage entscheidend. Rogner: „Viele Leute fahren zu einem Masseur, weil der einen guten Ruf hat. Das kennt jeder in seinem Bekanntenkreis. Ob der jetzt in einem super Umfeld ist, spielt nicht so eine Rolle. Klar ist der Gesamteindruck wichtig. Aber wenn dich ein Fleischhacker bearbeitet in einem schönen Ambiente hat jeder ein Problem. Natürlich die schöne Atmosphäre gehört dazu. Aber die Hotels, die nur auf Ausstattung gegangen sind, da kommt der Gast nur einmal.“
Einen Weg aus der Falle sinnloser Investitionen sieht Paul Haslauer mit professionellen Gästebefragungen und noch viel wichtiger – über das Erkennen von Signalen. „Wer diese Sprache versteht, wird die Zukunft schreiben können. Nur ein Beispiel. Es ist wichtig geworden, partnerschaftliche Beziehungen zu intensivieren. Das sind Signale, die von den Gästen ausgehen“, so Haslauer.
Die Grundproblematik brachte Christian Werner zum Schluss noch einmal auf den Punkt: In der Wellness-Hotellerie habe man zu viele Angebote und müsse jetzt auf allen Ebenen reduzieren, denn „weniger ist mehr“.

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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