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So funktioniert’s: Arbeitgeber ist der AGZ, dieser stellt Personal ein und  überlässt es wiederum an jene Unternehmen, die Teil des AGZ sind.

Wenn Arbeitgeber fusionieren

15.10.2015

Beschäftigungsmodell für strukturschwache Regionen: Im Rahmen einer Fachtagung in St. Pölten wurde der AGZeins, Österreichs erster Arbeitgeberzusammenschluss, präsentiert.

W enn sich zehn Arbeitgeber aus Gastronomie und Hotellerie aus St. Pölten, Melk, Ober-Grafendorf und Rabenstein/Pielach zusammenschließen, um Personal zu beschäftigen, dann hat das auch mit demografischen bzw. Arbeitsmarktentwicklungen zu tun. „Kooperative Personalteilung“ lautet das Motto. Und das macht für bestimmte Betriebe durchaus Sinn. Aber für welche Unternehmen lohnt es sich, Personal zu teilen? Welche Vorteile haben Arbeitnehmer? Und wie wirkt sich dieses Modell auf die Region aus?

Wettbewerb um beste Köpfe
Projektleiter Alexander Szöllösy und Projektpartner Josef Weidinger plauderten zunächst aus dem Nähkästchen: Beide blicken mittlerweile auf mehr als zwei Jahre an praktischer Erfahrung zurück. Das vom Sozialministerium finanzierte Projekt „Zukunftsmodell Arbeitgeberzusammenschluss – Moderne Personalentwicklung in Regionen“ entwickle sich prächtig, so die beiden. Denn im Wettbewerb um die besten Köpfe haben es Betriebe in strukturschwachen Regionen oftmals ausgesprochen schwer, zu Fachkräften zu kommen. Auch deshalb, weil manche Arbeitnehmer für einen Betrieb nicht für eine Vollzeitanstellung infrage kommen.

Nur leider verlassen Fachkräfte Regionen, in denen sie keine bzw. nur eine Teilzeitbeschäftigung finden. Und da kommt der AGZ ins Spiel. Denn wenn sich Hotel A und Hotel B beispielsweise den Rezeptionisten zu je 20 Wochenarbeitstunden teilen, dann ergeben sich für die beiden Betriebe Vorteile: flexibler Mitarbeitereinsatz, Kostenteilung, Risikominimierung, Abdeckung der Spitzen, Ausgleich bei saisonalen Schwankungen sowie Kostenwahrheit. Die Personalagenden werden ausgelagert und bereiten keine Kopfschmerzen mehr.

Aber wie schneidet der AGZ gegenüber anderen Beschäftigungsformen in Europa ab? Das hat Arbeitsmarktexpertin Irene Mandl von Eurofound Dublin in einer Studie erhoben. Als Expertin in der vergleichenden sozioökonomischen Forschung hat sie den AGZ mit anderen Arbeitsmodellen anhand verschiedener Kriterien verglichen: Demnach liege das AGZ-Modell in puncto Arbeitsbedingungen an der Spitze der Skala. Neben den Vorteilen für Beschäftigte sowie für Betriebe hat Mandl auch auf die potenziellen Auswirkungen einer AGZ-Implementierung in der Region hingewiesen. Dazu zählen: Arbeitsmarktstabilität, Arbeitsmarktintegration, hohe Qualität der Arbeitsplätze und Arbeitsbedingungen sowie die Attraktivität als Wirtschaftsstandort. In Frankreich funktioniert das schon, dort gibt es bereits 5.000 AGZ mit mehr als 35.000 Beschäftigten. Jahresumsatz: 680 Millionen Euro.
agz.progressnetz.at

Alexander Grübling, St. Pölten

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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