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Wenn aus Gegnern Partner werden

22.04.2010

Mediation ist ein Weg, festgefahrene Konflikte im betrieblichen – oder privaten – Bereich deutlich schneller und günstiger als in einem Gerichtsverfahren zu lösen.

„Hilfe von geschulten Dritten anzunehmen war schon bei den alten ­Griechen üblich.“ Marie-Christine Pranter

Ein Hotelier möchte gerne ausbauen, aber der angrenzende Nachbar schafft es seit Jahren, mit immer neuen Eingaben und Anträgen, dieses Projekt zu verhindern.

Ein Disco-Betreiber hat ständig die Polizei im Haus, weil sich Nachbarn über den Lärm beschweren.

Ein Paar, das gemeinsam ein Lokal führt, trennt sich im Streit und steht zur Klärung der Besitzansprüche vor einem langjährigen Zivilprozess.

Schließlich ist da noch der Familienbetrieb, in dem es zwischen der Aufbau- und der Nachfolgegeneration häufig zu Problemen kommt, weil die Eltern darauf bestehen, Dinge so zu erledigen, „wie sie immer erledigt wurden" und allen Veränderungen im Ablauf mehr als skeptisch begegnen.

Das sind Probleme aus dem Alltag von Gastronomen oder Hoteliers, die in der Vergangenheit oftmals entweder „ausgesessen" oder vor Gericht gelöst wurden – mit all dem daraus resultierenden zeitlichen, nervlichen und finanziellen Aufwand. Eine Lösung für solche Probleme, die in jüngster Zeit immer häufiger zum Tragen kommt, ist die sogenannte „Mediation".

Mediation ist eine Praxis der außergerichtlichen Konfliktregelung unter zwei oder mehreren Streitparteien unter Zuhilfenahme einer dritten unparteilichen Person (dem Mediator), um so zu einer gemeinsamen, partnerschaftlichen Vereinbarung zu gelangen, die für alle Beteiligten tragbar ist. Der Mediator trifft dabei keine eigenen Entscheidungen bezüglich des Konflikts, sondern ist lediglich für den korrekten Ablauf des Verfahrens verantwortlich. Der Mediator unterliegt dabei auch gegenüber Dritten (selbst in einem etwaigen Gerichtsverfahren) der Schweigepflicht. Einer der spektakulärsten Fälle der jüngeren Vergangenheit, in dem Mediatoren einen festgefahrenen Streit schlichten konnten, ist übrigens der Bau der dritten Landepiste am Flughafen Wien-Schwechat, gegen den sich zahlreiche Anrainer lange Zeit quergelegt hatten.

Geschützte Berufsbezeichnung
Der zertifizierte Mediator hat eine zweijährige Ausbildung hinter sich und verfügt zudem idealerweise über eine psychologische und/oder juristische Ausbildung. Speziell die Absolvierung des Jus-Studiums ist von großem Vorteil, da ein solcher Mediator rechtsverbindliche Verträge aufsetzen kann und darf, die später auch vor Gericht Bestand haben.

Die Sitzungen erfolgen in einer Praxis, wobei die erste Aufgabe des Mediators oft schon darin besteht, zum zweiten Konfliktpartner Kontakt aufzunehmen, sein Vertrauen zu gewinnen und ihn zu einem kostenlosen Informationsgespräch einzuladen.

Den Beginn eines Mediationsprozesses macht sogenanntes „story-telling", das idealerweise in Einzelsitzungen erfolgt. Warum? Der Konfliktpartner will meist die Sichtweise des anderen nicht mehr hören, zudem sie „ja völlig falsch ist". Jeder will aber genau seine persönliche Sichtweise gegenüber neutralen Dritten erzählen können. Endlich hört jemand zu, setzt sich damit auseinander, nimmt mich ernst.

Individuelle Bedürfnisse

Im nächsten Schritt werden alle einzelnen Konfliktpunkte gesammelt, visualisiert und nach Wichtigkeit gereiht. Erste Gemeinsamkeiten bei der Reihung können erfolgen!

Schritt für Schritt wird nun ein Thema nach dem anderen dahingehend behandelt, dass nach dem dahinterliegenden Bedürfnis geforscht wird. Schließlich können brainstormingartig Lösungsvorschläge gemacht werden. Unter Bedachtnahme der rechtlichen Gegebenheiten wird dann gemeinsam die für alle bestmöglich passende Lösung gesucht. Es gibt dann meist Probezeiten, bei denen geschaut wird, wie gut die Lösung in der Realität tatsächlich ist. Nach erfolgter Überprüfung kann die Lösung geändert werden, bis sie sich als „gut" herausstellt und erst jetzt erfolgt der Vertragsabschluss. Ein guter Mediator steht während des Mediationsprozesses auch kostenlos zwischen den Sitzungen telefonisch zur Verfügung, ist also ständiger Krisenbegleiter.

Es gibt keine „Verlierer"

Was sind nun die Vorteile eines Mediationsverfahrens gegenüber einem klassischen Gerichtsprozess? In erster Linie funktioniert ein Mediationsverfahren bedeutend schneller und günstiger. Schneller, weil Mediationsverfahren in der Regel nach fünf bis acht einstündigen Sitzungen beendet sind. (Zum Vergleich: Ein schlichter Scheidungsprozess kann sich schon mal über mehrere Jahre ziehen.) Zudem liegen die Stundensätze eines Mediators mit durchschnittlich 140–150 Euro ein großes Stück unter denen eines Anwaltes (zumal der Verlierer bei Gericht ja auch die Anwaltskosten des Gegners zu tragen hat), und Gerichtskosten fallen gar keine an. Und nicht zuletzt gibt es bei einem Mediationsverfahren – wieder im Gegensatz zu einem Gerichtsurteil – keinen „Sieger" und keinen „Verlierer", sondern nur zwei ebenbürtige Parteien, die gemeinsam eine für beide Seiten tragbare Lösung gefunden haben, bei der keiner das Gesicht verliert.

Eine Liste aller eingetragenen zertifizierten Mediatoren in Österreich findet man nach Namen, Wohnort und Spezialgebiet geordnet auf der Homepage des Justizministeriums: www.mediatorenliste.justiz.gv.at

Mag. Marie-Christine Pranter ist Juristin und zertifizierte Mediatorin

Praxis für Konfliktlösung

Hofzeile 3, Unit 1
1190 Wien
Tel.: 01/890 12 03-211, 0699/10 76 57 55
office@konfliktloesung.info

www.konfliktloesung.info

 

CKS

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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