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Wenn der Berg ruft

05.08.2005

Noch vor wenigen Jahren fielen unsere Berge in den Sommermonaten in eine Art „Dornröschenschlaf“. Dank dem Projekt „Initiative Sommerbahnen“ wurden und werden sie nun verstärkt „wachgeküsst“.

Es sind die Berge, die Österreich Jahr für Jahr zu einem Mekka des Wintersports machen. Doch nach dem Ansturm der Skifahrer, Langläufer und Snowboarder kehrte in den Sommermonaten ebenso regelmäßig die heilige Ruhe auf den Berggipfeln ein.
Millionenteure Seilbahnen stellten entweder gänzlich oder teilweise ihren Betrieb ein.

Fünf verschiedene Themen
Seit einigen Jahren gibt es diesbezüglich eine Trendwende. Etliche Bergbahnen begannen ihr Sommerangebot auszubauen. Mittlerweile sind in den Sommermonaten österreichweit 206 Seilbahnunternehmen geöffnet, und das Umsatzplus von 2002 zu 2004 betrug 9,7 Prozent. Um den „Ruf der Berge“ im Sommer weiter zu steigern, gibt es seitens des Fachverbandes der Seilbahnen Österreichs und des Marketing Forums nun das Gütesiegel „Ausgezeichnete Österreichische Sommerbahnen“. Vergeben wird es nach einem umfangreichen Betriebscheck durch einen externen Prüfer, wobei 90 Prozent des 100 Punkte umfassenden Kriterienkatalogs erfüllt sein müssen. Dazu zählt beispielsweise die eindeutige Beschilderung der Bahn im Ort, eine ansprechende Parkplatzgestaltung mit erkennbarer Gästebegrüßung, aber auch eine saisonspezifische Übersicht über die Region, also eine Pa-noramakarte mit einer Sommeransicht. Darüber hinaus müssen sich die zertifizierten Unternehmen zur Weiterentwicklung ihres sommerlichen Angebots verpflichten. Zur Orientierung wurden dafür fünf Themen entwickelt: der Familien-Berg, der Fit & Aktiv-Berg, der Aussichts-Berg, der Genuss-Berg und der Action-Berg. Maximal zwei der genannten Themen dürfen für den Berg dann beansprucht werden.
Das klingt jetzt ein wenig kompliziert, ist es aber nicht. Wer die Anforderungen der Themen kennt, weiß, was damit gemeint ist. So ist es für einen Familien-Berg unabdingbar, über Sanitäranlagen mit Wickeltischen, familienfreundliche Gastronomiebetriebe oder buggytaugliche Zu- und Abgänge zur Bahn zu verfügen. Bei einem Action-Berg muss es hingegen Aktiv-angebote in einem abgegrenzten Bereich und ein Service-Center geben. „Für den Gast ist das Gütesiegel somit ein Garant für attraktive und spannende Angebote am Berg“, sagt Dr. Erik Wolf, Geschäftsführer des Fachverbandes der Seilbahnen.

Insgesamt sind es derzeit 26 Seilbahnen, die mit dem neuen Gütesiegel ausgezeichnet wurden. Bis Ende des Jahres sollen noch 11 weitere Betriebe dazukommen. Damit verstärkt sich die Basis, die immer mehr Gäste für einen Bergurlaub in der wärmeren Jahreszeit begeistern will, kontinuierlich. Was in Zeiten von Nächtigungsrückgängen doppelt erfreulich ist.

Gewaltige Steigerungen
Die Reaktionen der Touristiker auf die Qualitätsoffensive war aber schon davor äußerst positiv. „Landestourismusorganisationen akzeptieren das Gütesiegel und setzen es regional für Marketingmaßnahmen voraus“, bestätigt Fachverbands-Geschäftsführer Dr. Erik Wolf. Außerdem wird es laut ÖHV-Geschäftsführer Thomas Reisenzahn zukünftig auch eine Kooperation zwischen der Hotelliervereinigung und dem Fachverband geben. Das Angebot soll gebündelt und dem Endverbraucher gemeinsam schmackhaft gemacht werden.
Leider läuft die Sache nicht immer und überall so rund ab. Die eine oder andere Seilbahn hat Probleme bei der Gütesiegel-Teilnahme, da die jeweilige Gastronomie nicht das nötige Augenmerk auf das spezifische Angebot legt – was aber zu den wesentlichen Kriterien zählt. „Das Problem kann dann auftreten, wenn die Gastronomie einem anderen Unternehmer gehört oder von einem anderen Besitzer verpachtet wird“, verrät Arnold Oberacher, Geschäftsführer der Edinger Tourismusberatung und einer der Mitentwickler der Initiative. „Für den Erfolg ist es jedoch wichtig, dass das Gastronomiekonzept gemeinsam entwickelt wird und das Angebot gemeinsam beworben wird“, weiß Oberacher aus Erfahrung. Ein Paradebeispiel für ihn ist „Alpinolino“ der Bergbahnen Westendorf in Tirol, wo sich das Seilbahnunternehmen und mehrere Wirte erfolgreich aufeinander abgestimmt haben. Ebenfalls ein Paradies für Familien ist das „Hexenwasser“ der Bergbahnen Söll. Die 30 verschiedenen Stationen, wo Kinder aktive Unterhaltung finden und dabei mit Wasser, Steinen und Pflanzen in Berührung kommen, zeigten von Anbeginn der Errichtung 2002 Wirkung. Die Anzahl der Besucher konnte bereits im ersten Jahr um 40 Prozent gesteigert werden. Im Jahr 2003 gab es dann eine weitere Steigerung um 60 Prozent und im vorigen Jahr um 15 Prozent. „Vor 2002 hatten wir im Sommer 45.000 Fahrten, 2004 beförderten wir schon 180.000 Personen“, ist Geschäftsführer Walter Eisenmann stolz auf das Ergebnis, der gleichzeitig anmerkt, dass jedes zweite Jahr zu dem vielfältigen Angebot noch eine weitere Attraktion dazukommen soll.
Ebenfall sehr aktiv waren die Leoganger Bergbahnen, die das Angebot seit 2000 jährlich erweitert haben. So gibt es seit 2001 die „Bikerworld“, ein Mountainbikepark zwischen Mittelstation und Talstation, und seit diesem Jahr eine Wasserwelt mit Spielestationen. „Voriges Jahr machte der Umsatz der Bahn im Sommer bereits sieben Prozent des Gesamtumsatzes aus. Ziel ist es, die 10-Prozent-Hürde bis 2006 zu schaffen“, berichtet Marketingleiter Kornel Grundner erfreut – immerhin liegt es erst sieben Jahre zurück, dass die Salzburger Seilbahn im Sommer nur drei Tage in der Woche gefahren ist.

www.seilbahnen.at

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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