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Wenn Essen krank macht: Ernährungstipps bei Unverträglichkeiten

10.03.2006

Gut und ausgewogen ernähren kann man sich ohne viel Aufwand mit der Ernährungspyramide. Doch die ist nicht für alle Menschen gültig: 1,6 Millionen ÖsterreicherInnen leiden an Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten oder -Intoleranzen. Am häufigsten sind Fruktose-, Laktose- sowie Histaminunverträglichkeiten. Im Rahmen der Informations-Offensive des Fonds Gesundes Österreich zu ausgewogener Ernährung erklärt die Ernährungswissenschaftlerin Doz. Ingrid Kiefer, was zu beachten ist.

"Die Ernährungspyramide zeigt, in welchen Mengen bestimmte
Lebensmittel auf dem Speiseplan stehen sollten: Kein Lebensmittel ist
verboten, es kommt auf die Menge und Kombination an. Leider ist das
nicht für alle ÖsterreicherInnen gültig", sagt Dennis Beck, der
Geschäftsführer des Fonds Gesundes Österreich. Denn bei gar nicht so
wenigen Menschen kann der Konsum bestimmter, allgemein als gesund
eingeschätzter Lebensmittel wie Obst oder Milchprodukten zu
unangenehmen Folgen führen. Nämlich dann, wenn sie mit einer
Unverträglichkeit auf bestimmte Nahrungsbestandteile wie Laktose,
Fruktose oder Histamine reagieren. Rund 20 Prozent oder mehr als 1,6
Millionen ÖsterreicherInnen leiden Expertenschätzungen zufolge unter
derartigen Problemen. "Das Ausmaß wird häufig unterschätzt", so Beck.
"Viele Betroffene leiden Jahre lang an Beschwerden, ohne zu wissen,
was die Ursache ist."

Auch vermeintlich Gesundes kann ungesund sein

"Wir müssen uns von der Vorstellung lösen, dass Lebensmittel oder
deren Bausteine grundsätzlich schädlich oder nützlich für den Körper
sind", bringt Univ.-Doz. Mag. Dr. Ingrid Kiefer,
Ernährungswissenschaftlerin und Gesundheitspsychologin am Institut
für Sozialmedizin der Medizinischen Universität Wien, das Problem auf
den Punkt: Nahrungsmittelunverträglichkeiten oder -intoleranzen sind
so genannte pseudoallergische Reaktionen, die die gleichen Symptome
wie eine Allergie verursachen, jedoch nicht immunologisch bedingt
sind. Bei der Nahrungsmittelintoleranz hat der Körper die Fähigkeit
verloren einen bestimmten Stoff zu verdauen oder diese Fähigkeit nie
besessen.

Wenn Milchzucker Beschwerden macht

Ein weit verbreitetes Beispiel für eine Nahrungsmittelintoleranz
ist die Milchzuckerunverträglichkeit oder Laktoseintoleranz. "Das
Grundprinzip der Therapie bei Milchzuckerunverträglichkeit hängt vom
Schweregrad der Intoleranz ab. Da sehr oft kleine Mengen, bis zu zehn
Gramm pro Tag, vertragen werden, muss ganz individuell entweder ganz
oder auf größere Mengen von Milch und Milchprodukten verzichtet
werden", weiß Dozentin Kiefer. Für Betroffene ist es daher wichtig zu
wissen, bei welcher Menge Laktose sie mit Beschwerden reagieren. Nur
selten kommt es bereits bei sehr geringen Laktosemengen - unter drei
Gramm - zu Unverträglichkeitsreaktionen, Beschwerden treten oft erst
bei Laktosemengen von über zehn Gramm auf. Von Laktoseintoleranz
Betroffene müssen nicht zuletzt deshalb nicht gänzlich auf
Milchprodukte verzichten, so Dozentin Kiefer. So kann auch bei
weitgehend laktosefreier Diät zumindest ein Teil des Kalziumbedarfs
gedeckt werden. Um einen Mangel an diesem Mineralstoff zu vermeiden,
sollte außerdem mit kalziumreichem Mineralwasser und
Kalziumpräparaten nachgeholfen werden. Eine weitere Hilfe für
Betroffene: Milchzuckerhaltige Lebensmittel können durch die Einnahme
eines Präparates zu den Mahlzeiten toleriert werden, die es in
Tabletten- und Pulverform gibt. Zur Sicherung der Diagnose wird ein
Laktose-Toleranztest durchgeführt.

Probleme mit Obst

Bei der Fruktoseintoleranz handelt es sich um eine oft angeborene
Stoffwechselstörung: Die Fruktose kann dabei problemlos über ein
Transportsystem im Darm in den Körper aufgenommen aber nicht richtig
in der Leber abgebaut werden, was Blähungen, Bauchschmerzen und
-krämpfe, Übelkeit oder Durchfälle sowie Verstopfungen auslösen kann.
Im Gegensatz dazu ist die Fruktosemalabsorption eine erworbene
Krankheit: ein defektes Transportsystem im Dünndarm verhindert, dass
die Fruktose ausreichend resorbiert werden kann. In beiden Fällen
sollten Betroffene den Einfachzucker meiden der sich in der Natur vor
allem in Früchten findet. Er ist aber auch Bestandteil von Honig und
Haushaltszucker, der Saccharose. Ingrid Kiefers Ernährungstipp: "Weil
viele Obstsorten gemieden werden müssen, sollten andere vitaminreiche
Lebensmittel ausreichend in den Speiseplan eingebaut werden. Dazu
gehören alle Gemüsesorten und Getreide. Diagnostiziert kann auch die
Fruktoseintoleranz durch einen Wasserstoff-Atemtest werden.

Histaminose: Hände weg von Salami, Käse & Co

Ebenfalls weit verbreitet und häufig lange unerkannt ist die
Histaminose oder Histaminunverträglichkeit, die Unfähigkeit des
menschlichen Körpers, aufgenommenes Histamin im ausreichenden Maße
abzubauen. Dozentin Kiefer: "Nach heutigen Erkenntnissen dürfte es
sich dabei nicht um eine genetisch bedingte, sondern um eine
erworbene Erkrankung handeln, die bei ungefähr einem Prozent der
Bevölkerung auftritt. Achtzig Prozent der Betroffenen sind Frauen,
der Großteil von ihnen über vierzig Jahre alt."Die Symptome der
Histaminose machen sich meist einige Minuten bis eine Stunde nach dem
Konsum histaminreicher oder histaminfreisetzender Nahrungsmittel
bemerkbar. Zu den typischen Anzeichen dieser Unverträglichkeit
gehören Migräne und starker Kopfschmerz, Verdauungsbeschwerden,
Herzrasen oder niedriger Blutdruck. Häufig kommt es auch zu
Hautausschlägen und Juckreiz, einem Anschwellen der Lippen,
Rotwerden, dem so genannten "Flush", geröteten Augen, einer rinnenden
Nase oder sogar zu Asthmaanfällen. Durch die Gabe von Adrenalin oder
anderen Antihistaminika können die Symptome gemildert werden. Um
herauszufinden, ob man von Histaminose betroffen ist, hilft meist nur
eine Ausschlussdiät.

Literaturtipp: Ingrid Kiefer, Herta U. Tutz: "Laktose, Fruktose: gesund genießen trotz Unverträglichkeiten", Kneipp Verlag, 2005

Mehr praktische Tipps zum ausgewogenen Essen gibt es im Internet
unter www.gesundesleben.at; bei der Ernährungs-Hotline: 0810 810 227
(Montag bis Freitag, jeweils 9:00 bis 15:00 Uhr zum Ortstarif aus
ganz Österreich) oder in den Publikationen des Fonds Gesundes
Österreich: Broschüre: Bewusst lebt besser. Ernährung.

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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