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Die Verbreitung von Postings auf Facebook & Co lässt sich oft nicht mehr kontrollieren

Wenn Facebook gar nicht gefällt

19.04.2012

Bei manchen Postings in sozialen Netzwerken lesen nicht nur Freunde, sondern auch der Chef mit, was unangenehme Folgen haben kann – doch Entlassungen sind nur in besonderen Fällen gerechtfertigt

Like it“ heißt der Button, mit dem Millionen Facebook-User auf aller Welt ihren Freunden (oder zumindest ihren Internet-Bekanntschaften) mitteilen, was ihnen gefällt. Immer öfter kommt es allerdings vor, dass es Firmenchefs nicht gefällt, was ihre Mitarbeiter auf ihren (eigentlich nicht ganz) privaten Facebook-Seiten von sich geben. Und immer öfter haben Dinge, die in den sozialen Netzwerken gepos­tet werden, unangenehme Folgen für die User bis hin zur fristlosen Entlassung.

Denn die eigene Facebook-Seite ist längst nicht so privat, wie manche User glauben. Wer offiziell krankgeschrieben ist, aber seine Facebook-Freunde gleichzeitig wissen lässt, wie toll der Urlaub auf Mallorca ist, wer im Internet seinen Chef mit Verbalinjurien überhäuft oder sich generell schlecht über die Firma äußert, der kann seinen Job schneller los sein, als ihm lieb ist.

Eine diesbezüglich besonders bittere Erfahrung musste vor Kurzem auch eine Kellnerin in einem Wiener Hotel machen. Sie wurde gefeuert, nachdem nicht sie, sondern ein Kollege auf ihrer Seite ein negatives Posting über ihren Chef verfasst hat, von dem sie angeblich gar nichts wusste. Besagtes Posting habe laut eines Berichtes der Tageszeitung „Kurier“ in dem Fall gleich drei Kollegen den Job gekostet: den Autor, einen Kommentator, und die Kellnerin. Allerdings wird zumindest im Fall der Kellnerin die Entlassung mit Hilfe der Arbeiterkammer bekämpft.

Einzelfall-Rechtsprechung
„Im konkreten Fall wird man wohl untersuchen müssen, ob die Kellnerin von diesem Posting Kenntnis hatte und ob sie in der Lage war, dieses Posting wieder zu löschen, was prinzipiell jedem User zuzumuten ist“, erklärt dazu Dr. Ingomar Stuper von der sozialpolitischen Abteilung der Wirtschaftskammer. Konkrete Gesetzeslage zum Thema „Facebook“ gebe es zwar keine, aber die laufende Judikatur untersuche bei Entlassungen üblicherweise zwei Fragen: Wurden Betriebsgeheimnisse verraten oder wurde der Ruf des Arbeitgebers geschädigt? „Wir raten generell Arbeitgebern, dass sie bei solchen Problemen ihre Mitarbeiter darauf ansprechen und im ersten Schritt einmal verwarnen und auffordern, dieses Verhalten zu unterlassen. Gerade was den Vertrauensverlust betrifft gibt es keine einheitliche Gesetzeslage, sondern die Rechtsprechung urteilt von Einzelfall zu Einzelfall.

Berücksichtigt wird hier auch immer, um welche Person es sich handelt. Bei einem neuen Mitarbeiter oder einem, der immer wieder Probleme verursacht hat und vielleicht schon verwarnt wurde, wird eine Entlassung schneller gerechtfertigt sein als bei einem Mitarbeiter, der seit zehn Jahren tadellose Arbeit verrichtet. Sogar die Position des Mitarbeiters ist in so einem Fall relevant“, erklärt Stuper.

Aufpassen, was man wo postet
Vonseiten der Arbeiterkammer empfiehlt man den Arbeitnehmern jedenfalls eindringlich aufzupassen, was man wo postet. „Man sollte es vermeiden, irgendwelche Statements über seinen Arbeitgeber, Chef oder die Firma im Internet zu posten, denn man weiß nie, wer mitliest“, so Mag. Günter Köstelbauer, Arbeitsrechtsexperte der Arbeiterkammer. „Selbst wenn die Vorwürfe berechtigt sind, wie im Fall dieser drei Hotelmitarbeiter, wo es darum ging, dass es in dem Betrieb angeblich Probleme mit der Lohnauszahlung gab, darf man seiner Wut nicht per Facebook freien Lauf lassen. Dann sollen die Betroffenen zu uns kommen, und wir kümmern uns um die Sache. Das wäre der korrekte Weg.“ Denn eine Facebook-Seite sei zwar ein privater Bereich, trotzdem sei ein Posting dort so, wie wenn man sich mit einem Megaphon auf den Stephansplatz stelle. Die Anzahl der Adressaten lasse sich kaum mehr kontrollieren, meist könnten es auch Leute lesen, die nicht meine echten, persönlichen Freunde sind. Köstelbauer: „Mit Facebook muss man halt lernen, umzugehen. Nicht jeder Seelenstriptease gehört auf die eigene Pinnwand. Des Weiteren sollte man sich seine ‚Freunde‘ gut aussuchen. Man muss ja nicht jede Freundschaftsanfrage akzeptieren.“

Aber grundsätzlich gebe es eben Regeln, die von den Mitarbeitern zu beachten seien. So könne ein Arbeitgeber etwa auch das private Internet-Surfen am Arbeitsplatz verbieten. „Auch wer das missachtet, fängt sich zuerst eine Verwarnung und beim zweiten Mal die rote Karte ein“, so Köstelbauer abschließend.
Clemens Kriegelstein

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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