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Wettlauf der Top-Hotels

11.03.2005

In Wien werden immer mehr Top-Hotels eröffnet. Internationale Hotelketten wie Ritz-Carlton oder Kempinski bekunden ebenfalls ihr Interesse an Wien. Doch wie viele Top-Hotels verträgt die Stadt?

Die Top-Hotellerie lässt sich in Wien gut verkaufen. Le Méridien am Opernring und das Palais Coburg beim Stadtpark machten den Beginn. Und schon sind wieder neue Standorte im Gespräch, die das Potenzial für Luxus bergen. Die Frage ist halt nur, ob sich all diese neuen Betten auch zufrieden stellend auslasten lassen.
Accor auf Expansionskurs
Erst kürzlich eröffnte der Hotel- und Touristikkonzern Accor mit dem Ibis in der Schönbrunner Straße sein 15. Hotel in Wien. Die 94 Zimmer sind klimatisiert und mit einem 160 cm breiten französischen Bett oder getrennten Betten ausgestattet.
„Qualität steht im Zentrum der Markenstrategie von Ibis“, erklärt Hannes Lechner, Regionaldirektor Ibis und Etap Hotels Österreich, „und nichts liegt unseren Mitarbeitern mehr am Herzen als die Zufriedenheit unserer Gäste.“
Aus den österreichweit 27 Accor-Betrieben sollen bis Jahresende 30 werden. Es werden dann 4.125 Zimmer in Österreich angeboten, mittelfristig sollen mindestens weitere 15 Hotels dazukommen.

Top-4-Sterne-Hotellerie
Die neben der Accor-Gruppe größte Hotelkette in Österreich, die zum Verkehrsbüro-Konzern gehörenden Austria Trend Hotels, planen eine Qualitätsoffensive und wollen heuer mehr als 8 Mio. Euro in die Aufwertung der bestehenden Betriebe und in neue Projekte investieren.
„Wir wollen Richtung Top-4-Sterne-Hotellerie gehen und uns vom Einheitsbrei abheben“, betonte Austria Trend Hotel-Chef Franz Pasler. Alle 16 Hotels in Wien sollen einen Stock mit höherwertigen Zimmern, die mit Flatscreen, Stereoanlage oder Holzboden für Allergiker ausgestattet sind, dazubekommen. Im Juli stehe außerdem die Eröffnung des 20 Mio. Euro teuren neuen Messehotels in Wien an.

Domina Belvedere
Die CA Immo AG startet eines ihrer größten Immobilienprojekte und errichtet am Wiener Rennweg ein neues Kongresshotel mit Büroteil: Mit Investitionen von 86 Mio. Euro wird dort, wo bisher das Gebäude der Österreichischen Staatsdruckerei stand, das Vier-Sterne-Hotel „Domina Belvedere“ gebaut. Eröffnet soll das Hotel Mitte 2007 werden, teilten die beiden Vorstände der CA Immo AG, Wolfhard Fromwald und Gerhard Engelsberger, mit. Betreiber des Hotels sei die italienische Hotelkette Domina Vacanze.

Wiener Hotel mit Badestrand
In Wien-Donaustadt entsteht ab Sommer 2005 ein Business- und Konferenzhotel des österreichischen Unternehmens Arcotel. Das Investitionsvolumen für das Hotel gegenüber der UNO-City beträgt rund 27,5 Mio. Euro. Die Fertigstellung ist für 2007 geplant.
Das Haus mit insgesamt 289 Zimmern wird sich vor allem dem Geschäftsreisetourismus verschreiben.

Schlafen im Gericht
Die Bundesimmobiliengesellschaft BIG hat in der niederländischen van-Herk-Gruppe einen Partner für die Entwicklung ihrer Liegenschaft in der Wiener Riemergasse – das ehemalige Handelsgericht – gefunden.
„Es sollen rund 2.000 m2 Wohnnutzfläche in den obersten Geschoßen geschaffen werden, circa 1.000 m2 Geschäftsfläche sowie ein Hotel mit mindestens 200 Zimmern in der Qualitätskategorie 5 Sterne-Plus inklusive eines Wellness-Bereichs“, sagt BIG-Geschäftsführer Christoph Stadlhuber zur Neunutzung des Gebäudes.

Durchgestylt
Bereits eröffnet hat wiederum das neue Designhotel „Style Hotel Vienna“ der Radisson-SAS-Gruppe.
General Manager Alfio Bernardini, ein Vollblut-Touristiker aus Mailand, ist begeistert: „Ein superschönes Haus, das in Wien seinen Platz finden wird.“
Die Chancen, sich einen Namen zu machen, sind groß. Durch den Standort Herrengasse befindet sich das Haus in nächster Nähe von Palais Kinsky und Palais Ferstel, mit denen es schon jetzt Kooperationsverträge gibt. Und in zwei Jahren könnte das Palais Pálffy, wenn die OSZE Einzug hält, ein ebenso interessanter Partner sein.

Renovierungen und Ausbauten
Während das berühmte Hotel Sacher bereits fertig restauriert ist, wird an einem der belebtesten Orte der Wiener Innenstadt – am Stephansplatz – noch fleißig gebaut. Dort wird das seit Juni geschlossene „Hotel am Stephansplatz“ rundum erneuert. Die Bauarbeiten laufen „sehr gut“, das Hotel wird komplett saniert – auch das Dachgeschoß soll ausgebaut werden“, zeigt sich Eigentümer-Vertreter Andreas Grohs zufrieden.
Das Wiener Hotel im Palais Schwarzenberg wird vergrößert. Mehr als doppelt so viele Zimmer wird das Haus nach seinem Umbau haben: 102 anstatt jetzt 44 Räume werden dann die Gäste im Luxushotel erwarten. Dazu wird nicht nur das Haupthaus ausgebaut, sondern im Garten des Palais ein Neubau errichtet.
Eine Straßenecke weiter, direkt auf dem Schwarzenbergplatz, werden ebenfalls Hotel-Pläne gewälzt. Die bekannte Garagen-Dynastie Breiteneder hat im Vorjahr das „Steyr-Haus“ erworben und will noch heuer mit dem Umbau beginnen. Fix ist, dass eine Nobelherberge in der Fünf-Sterne-Kategorie entstehen soll.

Verträgt Wien denn so viele Top-Hotels?
Dr. Martin Schick, der designierte Fachgruppenobmann Hotellerie in der Wirtschaftskammer Wien, sieht diesen Tendenzen mit gemischten Gefühlen entgegen: „Es sind in Wien derzeit extrem viele Neubauten geplant. Darauf sehen wir alle schon mit großer Sorge. Wir kennen alle nicht die touristische Entwicklung der nächsten Jahre. 2004 hatten wir einen schönen Anstieg. Nur historisch gesehen hat es immer Anstiege und auch wieder Rückgänge gehabt. Es handelt sich hauptsächlich um Top-Hotels, wenn hier noch einige dazukommen, wird es sicherlich zu einer Marktbereinigung kommen. Aber ich sehe als Interessenvertretung keine Möglichkeit, in irgendeiner Form etwas zu unternehmen. Wenn sich der Markt entscheidet, irgendwo ein Hotel hinzustellen, dann kann und soll man das auch nicht verhindern. Es darf jedoch keine Förderungen geben, weder direkt, noch indirekt. Direkte gibt es sowieso nicht mehr, aber auch indirekt – wie die Gemeinde stellt das Grundstück billiger zur Verfügung – darf es nicht geben. Der Rest ist dann Marktentwicklung. Wenn einer das Geld hat und es bauen möchte, können wir es nicht verhindern. Das wäre auch nicht richtig.“

Vizebürgermeister und Tourismus-Stadtrat Dr. Sepp Rieder sieht die Situation pragmatisch: „Durch den momentanen Hotelboom wird die Stadt Wien in die Pflicht genommen, alles zu tun, um diese Betten auch zu füllen. Wir werden 2008 um 5.000 Betten mehr haben als heute. Es sind daher die Voraussetzungen für unser Ziel, 2010 mit 10 Mio. Nächtigungen abzuschließen, durchaus gegeben. Unsere Pflicht ist es die Wirtschafts- und Standortentwicklung auch dementsprechend voranzutreiben.“

Dr. Reinhard Mücke, Generaldirektor der Österreichischen Tourismusbank, meint: „Unser Kerngeschäft ist der Ausbau und die qualitative Verbesserung bestehender Betriebe. Neubauten finanzieren wir nur in Ausnahmefällen. Zudem finanzieren wir nur KMUs und keine Betriebe im Top-Segment. Die diversen Neubauten in Wien sind also – ich muss sagen gottseidank – nicht unser Bier. Denn ob dieser Zimmerzuwachs marktkonform ist, das wird sich erst zeigen. Sicher ist jedenfalls, dass der Wiener Hotelmarkt schwieriger werden wird.“

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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