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Serie "Mein Wirtshaus": Gasthof Goldenes Rössl

19.08.2020

Landgasthof, Drauradwegwirt und bald auf dem Weg zum Feinschmeckertipp in Oberkärnten. Davor steht aber noch der formelle Generationswechsel im Goldenen Rössel auf dem Programm. 

Mein Wirtshaus

Name: Gasthof Goldenes Rössl

 

Inhaber: Ferdinand Penker

 

Mitarbeiter: 9

 

Küchenschwerpunkt: Bewusstes Abheben von der typischen Wirtshauskost, regionale und österreichische Küche, modern und kreativ interpretiert

 

Sitzplätze: innen 70, Garten 40

 

Öffnungszeiten: durchgehend von 7 bis 24 Uhr, in der Saison kein Ruhetag,

ab Herbst ein bis zwei Ruhetage geplant

 

Küchenzeiten: 11 bis 13.30 und 18 bis 21 Uhr (im Sommer kleine Karte am Nachmittag)

 

www.goldenes-roessl-sachsenburg.at

Auch wenn Junior-Chef Matthias Penker in Punkto Übernahme des elterlichen Betriebes noch etwas Zurückhaltung übt, die Leidenschaft für die Gastronomie hat er von seinem Vater Ferdinand jedenfalls schon voll und ganz übernommen. 

Aber der Reihe nach: Im Jahre 1931 hat der Großvater von Ferdinand Penker den Gasthof Weißes Rössel in Sachsenburg im Kärntner Drautal gekauft. Seit 1991 ist Vater Ferdinand der Patron. 2006/2007 wurde das Haus generalsaniert und die Zimmerkapazität von neun auf 21 deutlich erweitert.  Ganze 900.000 Euro hat der Vater damals in den Betrieb gesteckt. Dabei hat Ferdinand die HTL für Elektrotechnik gemacht und hätte den ebenfalls in Familienbesitz stehenden Elektriker-Betrieb übernehmen sollen. Das Schicksal wollte es aber anders: Sein Bruder, der als Wirt vorgesehen war, starb mit 21 Jahren an einer Gehirnblutung. Also wurde Ferdinand hauptsächlich Wirt statt Elektriker. „Die Liebe galt aber immer dem Gastronomiebetrieb“, erklärt Penker, der den Elektrobetrieb bald an einen Mitarbeiter übergab. Das Gasthaus entwickelte sich gut und der Drauradweg brachte den nächsten Schub. Penker ist ja auch Gründungsobmann der Drauradwegwirte, mit über 50 Mitgliedsbetrieben von Osttirol bis Kroatien.

Die nächste Generation

Die Freude am Beruf des Gastronomen konnte Ferdinand offenbar an die nächste Generation weitergeben. Seine Töchter arbeiten im Service und Sohn Matthias besuchte nach der Hauptschule die Hotelfachschule in Villach. Der heute 36-Jährige hat sich seine Sporen in den Küchen von etlichen renommierten Hotel- und Restaurantbetrieben in Österreich und Südtirol verdient, unter anderem beim Tschebull am Faakersee oder beim Ronacher in Bad Kleinkirchheim.

„Die Saison-Arbeit hat mir zwar Spaß gemacht, aber dann wollten meine Partnerin und ich eine Familie gründen“, erzählt Matthias. Da Familien- und Saisonleben bekanntlich nicht sonderlich gut zusammenpassen,  musste er sesshaft werden. Kombiniert mit dem Wunsch seines Vaters, den Junior in der Küche des Goldenen Rössl´s stehen zu haben, zog es Matthias wieder zurück in seinen Heimatort Sachsenburg. 

Klassiker plus Fisch

Der Gasthof war ja von seinem Vater runderneuert worden und präsentiert sich heute als schmucker Betrieb mit einer schönen Terrasse mitten am Marktplatz von Sachsenburg. Innen gibt es einen langgezogenen, mit viel hellem Holz ausgeführten Thekenbereich mit zwei lauschigen Tischen in den Winkeln jeweils links und rechts vom Eingangsbereich. Dazu kommt eine schöne große Stube, die durch die übergroßen Fenster Richtung Marktplatz und die alte Holzdecke ihren einzigartigen Charakter erhält. Am Ende des Thekenbereichs führt noch eine Türe ins besondere kleine Gewölbestüberl, das für viele Stammgäste mittlerweile zum Lieblingsplatzerl wurde. Im Innenhof des Areals stehen übrigens auch noch ein paar Tische für jene Gäste, die das Beschauliche dem Marktplatz-Treiben vorziehen.  An der Theke finden sich schon vormittags die ersten Arbeiter bei ihrer Pause oder Pensionisten auf ihr „Einkaufs-Bier“ ein.

Die Speisekarte bietet viel Regionales, wie die typischen Kärntner Nudeln, die aber durch diverse Eigenkreationen des Juniorchefs bereichert werden. Neben den Klassikern, wie den obligatorischen Wiener Schnitzel und den immer noch allseits beliebten Cordon bleu und Grillteller, findet man für ein Kärntner Landgasthaus auffällig viele Fischgerichte auf der Karte. Die Desserts reichen vom hausgemachten Parfait bis zum klassischen Apfelstrudel. 

Der nächste Schritt

Seit fast 10 Jahren ist Junior Matthias nun wieder zu Hause. Senior Ferdinand denkt eigentlich schon seit zwei Jahren ans Aufhören, nur der Sohn zögert noch ein wenig, den Betrieb in voller Alleinverantwortung zu übernehmen. „Ich habe alle Seiten kennengelernt und weiß, wie schwer es ist einen kleinen Betrieb am Land zu führen“, beginnt er zu erklären. Aber die Herausforderung reize ihn schon sehr. Schließlich  habe er so die Chance sich was Besonderes aufzubauen und so seinen festen Platz in der Branche zu finden. Matthias will dabei aber auch nicht die von seinem Vater aufgebauten Standbeine, wie eben das Klientel der Radfahrer vom Drauradweg und die Stammgäste vom Ort vergraulen. Ein Spagat, der nicht immer gelingt.

Während Vater Ferdinand der leidenschaftliche Wirt und Gastgeber ist, liegt Matthias‘ Leidenschaft eindeutig in der Küche. „Mein Ziel ist es den Schwerpunkt vermehrt auf die Kulinarik zu setzen und das Goldene Rössel zum regionalen Leuchtturm auszubauen“, wird Matthias mit seinen Zukunftsplänen etwas konkreter. Die Chancen dafür stehen gut, Matthias Penker versteht sein Kochhandwerk und das obere Drautal kann einen hochwertigen Restaurantbetrieb mehr als nur gut gebrauchen.  

Schwierigkeiten am Land

Gebremst wird das Übernahme-Engagement allerdings durch die immer stärker spürbaren Schwierigkeiten der kleineren und mittelständischen Gastronomiebetriebe vor allem am Land: Es sei unheimlich schwierig Mitarbeiter zu finden. „Die Jugend ist heute ganz schwer zu motivieren in einem Landgasthof zu arbeiten“, meint Matthias. Hier müsse noch viel in Sachen Image-Verbesserung passieren. Außerdem wünsche er sich mehr Wertschätzung von Seiten der Politik und ernsthafte Maßnahmen gegen das Wirtshaus-Sterben: „Die Politiker müssen hier aufwachen, bevor es zu spät ist.“

Der Corona-Lockdown hat die Situation auch nicht vereinfacht. Aber nach dem anfänglichen Schock hat die Familie Penker nach Ostern begonnen Essen zum Abholen anzubieten. Das kam so gut an, dass es nun fixer Bestandteil des Angebotes ist.

Autor/in:
Dieter Mayr-Hassler
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