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Karl J. Reiter blickt auf eine bewegte Karriere zurück. Als einer der ersten Hoteliers erkannte er den Wellnesstrend.

Wie ein Tiroler das Burgenland erobert

26.03.2019

Der gebürtige Tiroler Karl J. Reiter gilt als Pionier in der Wellnesshotellerie. Erfolgsrezept: Ungewöhnliche Ideen mit einer gesunden Portion Bescheidenheit.

Blick auf Reiters Reserve in Bad Tatzmannsdorf.

Text: Claudia Hilmbauer, Bad Tatzmannsdorf

Der Mann, der jeden Abend die Gäste vor dem Speisesaal im Reiters Reserve begrüßt, ist kein Geringerer als der Chef persönlich. Mit blonder Mähne, einem Lächeln auf den Lippen und in vielen Fällen auch dem Namen des Gastes im Hinterkopf will Karl J. Reiter jedem das Gefühl geben, Teil einer großen Familie zu sein, wie er sagt. Er selbst sieht sich noch immer als Gast- und Landwirt. 

Unbestritten ist er aber auch Vorreiter, Visionär und Querdenker. Reiter brachte den Wellnesshotel-Trend nach Österreich, außerdem sorgte er für einiges Aufsehen, als er als einer der Ersten mit der „Adults Only“-Philosophie an den Start ging. Auch in Sachen Mitarbeiterführung – immerhin beschäftigt er mittlerweile 600 Mitarbeiter in drei Hotels – geht Reiter eigene Wege. Und die führen dann schon mal nach Las Vegas oder in die Karibik. Manche Ideen haben ihm zwar nicht immer Lob eingebracht, doch der Erfolg gab ihm letztlich recht. Andere wären vielleicht abgehoben – nicht so Reiter, dem Weggefährten zugutehalten, dass er trotz Erfolgs am Boden geblieben ist. Dass dem so ist, liegt zu einem guten Teil an seiner Familie. 

Von Tirol nach London

Aufgewachsen ist Karl J. Reiter in Tirol am Achensee, wo seine Eltern das Gasthaus zur Post führten. Was ehrliche Arbeit bedeutet, habe er schon früh gelernt: „Es gab bei uns nie einen Koch. Die Mutter hat zwei-, dreimal versucht, einen Koch zu finden, aber die waren nie fleißig genug. Spätestens nach 14 Tagen hat sie immer gemeint: ‚Das tu’ ich mir lieber selber!‘“ Schon früh half Reiter im Betrieb mit. Einer seiner ersten Jobs im Gastgewerbe: Abwaschen. Seine Eltern beschreibt er als liebevoll und fleißig, Arbeit war wichtig. „Wenn du hart arbeitest, hast du sicher mehr Glück“, war einer der vielen Ratschläge, die sie ihm mit auf den Weg gaben. Dieser führte ihn nach der Schule und dem Wehrdienst zuerst ins Gasthaus seines Onkels. Der Ruf der Ferne wurde aber schließlich zu laut. Eine seiner Stationen war London. Relativ ärmlich beschreibt er die Umstände, in denen er damals gehaust hat. Und trotzdem ist er für diese Erfahrung dankbar. „Dieses Gefühl, einmal kennenzulernen, war unglaublich wertvoll.“ 1975 kommt Reiter zurück und übernimmt den elterlichen Betrieb. Erst einmal wird kräftig investiert und umgebaut. Dass das Posthotel Achenkirch noch weitere 18-mal umgebaut werden würde, bis er es schließlich an seinen Sohn Karl C. Reiter übergibt, ahnt er damals noch nicht. Und dass seine Ideen weltweit kopiert werden, auch nicht. Denn 1982 beginnt er mit dem, was heute gemeinhin als „Spa“ bezeichnet wird; zu einer Zeit, in der Wellness noch ein Fremdwort war und selbst wirklich gute Hotels maximal eine Sauna im Keller hatten. Zwar hat Reiter Spas nicht erfunden, ihnen in Österreich aber ziemlich sicher den Weg bereitet. 

Mittlerweile ist sein Sohn Karl C. Reiter der Chef im Posthotel, der Senior hat sich mit den beiden ehemaligen Steigenberger-Hotels in Bad Tatzmannsdorf, dem Allegria in Stegersbach und einem Bauernhof im steirischen Pöllauertal neue Aufgaben gesucht und sich ein kleines Stück heile Welt geschaffen. An die Pension denkt er also noch nicht. Dabei könnte sich der fast 70-Jährige schon längst irgendwo im Süden zur Ruhe setzen. Dennoch lebt er im Hotel, nicht nur im übertragenen Sinn, und kümmert sich um alles, was so anfällt.

Bauchgefühl

Des Geldes wegen macht er das nicht: „Für Geld allein tu’ ich gar nichts“, sagt er. Aber was ist es dann, was ihn antreibt? „Die Liebe zur Sache!“ Reiter ist ein intuitiver Mensch, bei seinen fast 600 Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen ist er als großzügiger und fairer Mensch bekannt. Als Chef fordert er Professionalität. Allerdings ist er auch bereit, seinen Leuten dafür einiges zurückzugeben. Da kann es schon einmal vorkommen, dass die gesamte Belegschaft einen Betriebsausflug in die Karibik oder nach Las Vegas macht. Dass er als Chef gemocht und geschätzt wird, ist ihm wichtig, es muss gerecht zugehen. „Wie in einer guten Familie“ geht es „um ein Füreinander“. Darum tut er viel für seine Mitarbeiter. So können nicht nur die Kinder der Gäste, sondern auch jene der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen den Kindergarten im Finest Family nutzen – sieben Tage die Woche und zwölf Stunden am Tag. Sein Bauchgefühl kommt ihm dabei zugute. „Träumerisch sein, das ist mir gegeben“, sagt er über sich selbst. Reiter hört nicht auf, innovativ zu sein. Mit manchem eckte er durchaus an! Er verzichtet etwa auf Reisebüros und Veranstalter, die Reiters Hotels bucht man direkt. Anfangs viel Empörung brachte ihm auch die Etablierung des Posthotels als Erwachsenenhotel. Heute wirbt allerdings jedes zweite Haus im Luxussegment mit dem „Adults Only“-Slogan.

Die Zukunft

„Ehrlichkeit, Redlichkeit, tue recht und schade niemandem“, hätten ihm seine Eltern in der durchaus strengen, aber fairen Erziehung mitgegeben, erzählt Karl J. Reiter. Er behauptet, sich, so gut es ging, daran gehalten zu haben. 
Sein Sohn, der mit nur 26 Jahren das Posthotel übernahm, sagt über seinen Vater: „Wichtig war nicht, dass er mir gezeigt hat, wie man dieses oder jenes macht. Wichtig sind seine Werte, seine Moral, seine Philosophie. 
Vor allem, wie man mit Menschen umgeht.“ 

 

 

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