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Wie kommt das Hotel zu seinen Sternen?

10.04.2008

In der heutigen Zeit wird alles bewertet und klassifiziert. Wer ein Hotelzimmer bucht, klickt sich bis zum Bewertungsportal vor. Der Fachverband Hotellerie der Wirtschaftskammer Österreich hat die Klassifizierung als Marke kreiert, als Check-Liste für Qualitätsstandards in der österreichischen Hotellerie entwickelt und diese urheberrechtlich schützen lassen.

„Die Klassifizierung ist kein stehendes Objekt, sondern muss ständig evaluiert werden. Denn was vor fünf Jahren Luxus war, ist heute Standard, und was heute Luxus ist, ist vielleicht in drei Jahren Standard“, betont Klaus Ennemoser, Obmann des Fachverbandes Hotellerie der WKO und Hotelier in Tirol.

Die letzte Klassifizierung fand 2004 statt, und bis zum Stichtag 1. Jänner 2010 gilt es, die derzeitigen Klassifizierungkriterien neu zu gestalten und dem Markt anzupassen. Ziel von Klaus Ennemoser und Matthias Koch, Geschäftsführer des Fachverbandes Hotellerie der WKO, ist es, die Hotelbewertungssysteme im deutschsprachigen Raum zu synchronisieren und die Kettenhotellerie mit ins Boot zu holen. Satya Anand, Direktor von The Imperial Riding School Vienna - a Renaissance Hotel meint: „Die internationalen Hotelketten haben innerhalb ihrer Kette mehrere Marken, und jede Marke steht für ein Konzept mit entsprechenden Qualitätsstandards, die vom Konzern vorgegeben werden. Und daher ist für die internationale Kettenhotellerie eine Sterne-Klassifizierung nicht mehr so wichtig. Allein unsere Kette ist in 80 bis 90 Ländern vertreten, und da ist es schwierig, allen Vorgaben nachzukommen.“ Klaus Ennemoser gibt hier zu bedenken, dass die klassifizierte Hotelmarke in Österreich einen Mehrwert bedeutet. „Ein Grand Hotel, ein Marriott oder ein Hotel Imperial lassen sich nicht aus Solidarität zu einem Klaus Ennemoser klassifizieren, sondern weil sie in Verkaufskatalogen der Tourismusverbände aufscheinen und auf Web-Sites anders positioniert werden“, so Ennemoser.
„Die Fünf-Sterne-Stadt-Hotellerie wird von der einst sehr spendablen Industrie, den großen Pharmakonzernen und Versicherungsgesellschaften gezwungen, sich nicht mehr klassifizieren zu lassen, denn die laden nun aus Kostengründen lieber in Vier-Sterne-Hotels ein“, so Hermann Krammer vom Hotel de France in Wien.
Unabhängige Jury
„Die Fünf-Sterne-Hotellerie wird von einer unabhängigen österreichweiten Jury bewertet, hingegen bleibt die Ein- bis Vier-Sterne-Hotellerie weiterhin Ländersache. Eine Klassifizierung auf Landesebene wird nicht funktionieren“, ist Eduard Aberham überzeugt. „Hier wird niemand hergehen und zu seinem Freund sagen, dein Vier-Sterne-Hotel ist veraltet, ich gebe dir nur noch drei Sterne.“

„Wir kennen die Problematik. Was steirische vier Sterne sind, sind in Tirol schwache drei Sterne. Wir versuchen diese Mängel zu beheben. Wir sagen Hoteliers auch, dass sie ihre Häuser renovieren und in diese investieren müssen. Wir geben ihnen dafür 12 Monate Zeit, und nur wenn sie danach alle Auflagen erfüllen, dürfen sie ihre Sterne behalten. Wir machen dies nicht als Behörde, sondern zum Schutz unserer Marke“, betont Ennemoser.
Dennoch muss man zwischen Stadt- und Ferienhotellerie unterscheiden. „Fünf-Sterne-Hotels am Land werden aus Kosten- und Personalgründen keinen 24-Stunden-Service anbieten. Wird man dem Haus in solchen Fällen den fünften Stern aberkennen?“, fragt Eduard Aberham. Klaus Ennemoser steht diesem sogenannten Fünf-Sterne-Service eher skeptisch gegenüber. Für Satya Anand kommt es hier auf die Kundschaft an, die bei uns wohnt. „Den 24-Stunden-Service beansprucht der amerikanische und der arabische Gast. Der europäische Gast würde nie auf die Idee kommen, um 2 Uhr in der Früh ein Cordon bleu zu bestellen“, erklärt Hermann Krammer. Ein weiterer, viel diskutierter Fünf-Sterne-Punkt sind die Doppelwaschbecken und vom Badezimmer getrennte WCs. Auch hier fordert Ennemoser eine Adjustierung. Während Ennemoser die WC-Trennung aus der Verordnung herausnehmen möchte, besteht Eduard Aberham darauf: „Getrennte WCs sind für mich Standard. Warum sollte ich bei einem Aufenthalt in einem Luxushotel unter meinen persönlichen Standard gehen? Daher sollte diese Regelung erhalten bleiben.“ Dem hält Hermann Krammer entgegen, dass einem Gast, der 14 Stunden unterwegs ist, die Dienstleistung wichtiger ist als ein Bad mit getrenntem WC.“ Es wird auch über die Breite der Hotelbetten diskutiert werden müssen. „Unsere Betten entsprechen mit 120 x 200 cm dem internationalen Standard“, erklärt Angelika Mayer-Horn­gacher, Marketingdirektorin vom Renaissance Hotel – The Imperial Riding School. Wenn es nach Klaus Ennemoser geht, sollte dies für alle Standard werden, denn in der heimischen Hotellerie gibt es noch viele Häuser mit Betten, die nur 90 x 200 cm messen.

Sterne versus Internet
So lange das System solide, transparent und nachvollziehbar ist, wird es die Sternebewertung geben, ist Matthias Koch überzeugt. Und dass die Sterne durch Internetbewertungen abgelöst werden, glauben die Hoteldirektoren nicht. „Gleich nach der Klassifizierung schaue ich mir die Bewertungsportale an. Sie sind ein kostenloses Beiprodukt und ein Beitrag zur Qualitätssicherung“, meint Klaus Ennemoser. „Die Bewertungen sind ein wichtiger Sitzungspunkt beim Abteilungsleiter-Meeting. Bei uns wird nicht nur die Bewertung von einem Buchungssystem, sondern von fünf herangezogen“, erklärt Hermann Krammer. „Fünf negative Bewertungen bringen bei uns im Hotel die Geschäftsführung gehörig ins Schwitzen, denn dies bedeutet, dass die Qualität nicht stimmt und Korrekturen vorgenommen werden müssen“, erklärt Hotelier Ennemoser, der sich die Bewertungsbögen seiner Gäste täglich ansieht.Stelz

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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