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Wie man Wein-Weltmeister wird

23.06.2006

Markus Del Monego war zur VieVinum in Wien und berichtete Walter Tucek von den Freuden und Tücken des Sommelierdaseins.

Als erster deutscher Weltmeister aller Sommeliers wurde Markus Del Monego 2003 auch zum Master of Wine. Die Prüfung des Institute of Master of Wine wird seit 1953 durchgeführt und wurde von über 2.000 Kandidaten erst von 278 Teilnehmern positiv abgeschlossen. Del Monego ist auch der einzige Sommelier, dem es gelungen ist, beide Titel zu erringen. Er darf sich im Übrigen auch „Kiki Sakeshi“ – Master of Sake – und „Keeper of the Quaich“ für seine Verdienste um den schottischen Whisky nennen. Er ist international als gefragter Genuss-Experte und als renommierter Autor verschiedener Publikationen – z. B. zweier Standardwerke über Wasser & Wein. Am Ort seines ersten großen Triumphes – die Sommelier-WM 1998 fand in Wien statt – sprachen wir mit dem vielfach Ausgezeichneten.

ÖGZ: Herr Del Monego, wie hat sich Ihr Leben seit der WM 1998 verändert?
MDM: Ich habe damals den Sprung in die Selbstständigkeit geschafft und aus meinem Hobby einen Beruf gemacht. Als Quereinsteiger war ich aber schon sein 1985 in der Gastronomie tätig. Ich habe durch den Gewinn des Titels auch die Chance gesehen, den Beruf des Sommeliers in Deutschland bekannter zu machen und dadurch auch meine Kollegen zu unterstützen, die tagtäglich in den Restaurants ihre Arbeit machen.

ÖGZ: Wie sind Sie überhaupt Sommelier geworden?
MDM: Eher durch Zufall. Als amerikanische Gäste ihren 1970er Chateau Talbot mit einem Löffel Zucker „aufbesserten“, war ich sehr verärgert und wollte streiken. Aber meine damalige Chefin hat mir als Belohnung für meine fortgesetzt freundliche Bedienung ein Weinseminar versprochen.

ÖGZ: Bis zum Weltmeister der Sommeliers war der Weg aber wahrscheinlich noch weit …
MDM: Um an diesem Bewerb teilzunehmen, habe ich mich über Jahre vorbereitet. Man muss sich über aktuelle Situationen und Entwicklungen beim Wein laufend informieren, dazu gehört das Studium von Fachliteratur, unzählige Weinproben und möglichst viele Weinreisen. Zwei Monate vor dem Wettbewerb habe ich mich sozusagen zuhause „kaserniert“ mit 300 repräsentativen Weinen.

ÖGZ: Hatten Sie dabei finanzielle Unterstützung?
MDM: Ausbildungskosten und Literatur kann man schon steuerlich geltend machen; die „Übungsflaschen“ hat das Finanzamt aber nicht akzeptiert – vielleicht weil man zu viel Spaß bei diesem Training hat. Letzlich musste ich das meiste selbst finanzieren – ohne persönliches Engagement geht da gar nichts.

ÖGZ: Was sind für Sie die momentan wichtigsten Weintrends?
MDM: Ich bin sehr froh, dass der deutsche Wein heute einen ähnlichen Boom erlebt wie der österreichische Wein seit zehn Jahren – das liegt vor allem daran, dass bei uns der Generationswechsel bei den Produzenten erst jetzt so richtig spürbar wird. Für die großartigen Weine aus Österreich ist aber der Plafond auch noch lange nicht erreicht. Allgemein stelle ich fest, dass Wein mit Herkunfts- und Sortencharakter im Aufwind ist – da spielt auch der biologische Weinbau eine immer größere Rolle.

ÖGZ: Was halten Sie von „Spin-Offs“ wie „Biersommelier“ oder „Kaffeesommelier“?
MDM: Kennen Sie einen weißen Schimmel? Also meiner Meinung nach sollte ein gut ausgebildeter Sommelier sowieso auch über andere Getränke als Wein Bescheid wissen und seine Gäste gut beraten können.

ÖGZ: Wie wird ein Sommelier ein guter Sommelier?
MDM: Durch viel Fragen. Der Gast soll nie das Gefühl haben, dass man ihn belehren oder über ihn bestimmen will, sondern dass man sich für seine Wünsche interessiert. Jungen, ungestümen Kursteilnehmern sage ich anfangs gerne: „Wenn Sie mit diesem Programm durch sind, wissen Sie alles …“. Und wenn Sie dann ihr Diplom machen, gebe ich ihnen gerne diesen Satz auf den Weg: „Sie haben jetzt den Führerschein. Aber Fahren lernt man in der Praxis.“

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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