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Wie werde ich eine Food-Travel-Destination?

02.08.2019

Kulinarischer Tourismus wird immer wichtiger. Menschen reisen dorthin, wo ihnen kulinarisch etwas geboten wird. Am besten etwas Einmaliges, was es nur dort gibt. Viele Regionen haben solche Produkte – oft kennt und schätzt man sie aber nur in der jeweiligen Region. Wie kann man das ändern? Wie kann man seine Produkte (und Menschen, die mit ihnen umgehen) zu einer touristischen Attraktion machen?

Ausblicke am Weinwanderweg in St. Anna / Oststeiermark
Haubenlokal oder Foodtruck? Das eine schließt das andere nicht aus.

Eric Wolf, Gründer und CEO der World Food Travel Association, den wir vor einiger Zeit in London auf der FoodTrex kennen lernen durften, gibt Tipps. Er kennt unzählige Destinationen weltweit, die diesen Weg erfolgreich beschritten haben. Ein regionaler Restaurantguide ist noch nicht genug. Und die Aufzählung von Haubenlokalen auch nicht. Aber das Setzen der richtigen Maßnahmen ist auch nicht so kompliziert, wie viele behaupten.

1. Local Commitment

Das ist das Wichtigste: dass die lokalen Stakeholder und Bewohner mitmachen – am besten mit Begeisterung. Manchmal gibt’s das schon, manchmal sind nur ein paar dabei. Wenn man nicht genügend Sympathisanten findet, hat man schlechte Karten.

Wie findet man die? Wie begeistert man die? Erik Wolf sagt: „Zeigt ihnen Geld!“ Zeigt ihnen, wie man mit Kulinarik die Touristenzahlen erhöhen kann und was das bedeutet. Zeigt ihnen, dass es ein wirklich gutes, authentisches Produkt gibt (oder geben könnte). (> Punkt „Erlebbare Authentizität“). Diskussionsveranstaltungen zum Thema machen, dafür sorgen, dass genügend Sympathisanten im Publikum sitzen, falls es kontrovers zugehen sollte. Ehrlich bleiben, auch über Nachteile reden: mehr Verkehr, Kosten. Zeigen, wie man damit umgehen kann.

2. Gesicherte Finanzen

Stellen Sie ein gesichertes Budget auf. Wenn das (noch) nicht für alle Phasen geht, dann zumindest für die ersten oder die wichtigsten. Ein 1- bis 5-Jahresplan sollte existieren – mit einem Monitoring des ROI (Return of Investment). Das Budget darf nicht zu detailliert und komplex sein/aussehen. Oft sind es die Bürger selbst, die ein Projekt mitfinanzieren wollen, wenn sie daran glauben. Ein ungeschriebenes Gesetzt ist, dass sich ein Projekt nach drei Jahren selbst finanzieren sollte. Deshalb von Anfang an eine Exit-Strategie einplanen, sollte das nicht klappen.

3. Das Produkt muss überzeugen

Es geht nicht um Restaurants, es geht um Erlebnisse, an die sich Touristen gerne erinnern. Wolf: „Businesses should serve a memory, and not a meal.“

Was lieben kulinarisch interessierte Gäste?

# Geführte kulinarische Touren
# Einblicke in die Produktion
# Verkostungen
# Genussstraßen, Genusswege
# Kochkurse
# Nächtigen mit besonderen kulinarischen Angeboten
# Kulinarische Souvenirs

Und sie wollen die Menschen treffen, die diese tollen Produkte herstellen, vermarkten, verarbeiten.
Um herauszufinden, wen oder was es vor Ort gibt, kann man ein Asset Inventory anlegen. Eine gute Informationsquelle ist Google Maps: Dort sieht man, wen es wo gibt und wie man die vernetzen könnte.

4. Gästewünsche verstehen

Kulinarische Gäste sind selten „Foodies“. Den Begriff sollte man im Marketing sowieso nicht verwenden, rät Wolf. Er verwendet den Terminus „Food and Drink Lovers“ – wie könnte man das übersetzen? Vielleicht mit „kulinarisch interessierte Gäste“. Und „Food Lovers“ sind nicht alle gleich: die einen wollen im Haubenrestaurant speisen, die anderen lieber an einem Food Truck oder im Heurigenlokal. Man muss verstehen, wie die „Customer Journey“ bei kulinarisch interessierten Gästen funktioniert: Wie könnten sie auf die Idee kommen, gerade zu Ihnen zu kommen? Wie können Sie sie während der Reise erreichen? Und was können Sie ihnen nachher bieten, damit sie noch einmal kommen oder Sie zumindest weiterempfehlen?

5. Gelebte Authentizität

Kulinarisch interessierte Gäste lieben alles, was „authentisch“ ist. Dafür verzichten sie auch auf Luxus, einen perfekten Service oder vergessen, was es kostet. Sie reagieren aber allergisch auf zu viel Inszenierung. Aber ohne geht es auch nicht. Ein Weinbauer, der seinen eigenen Wein zur Verkostung ausschenkt, ist besser, als eine gut aussehende, rhetorisch geschulte Angestellte, die aber auf Nachfrage nicht die letzten Details über den Wein kennt. Am besten funktionieren gelebte Traditionen, auch wiederbelebte. Dinge, die man noch nicht kennt. Aber die kann man nicht erfinden, man muss sich auf das verlassen, was es schon vor Ort gibt. Manchmal muss man suchen. Da kann man manchen Schatz entdecken. Manchmal muss man an der Qualität feilen und/oder am Marketing. Aber dafür sind Sie ja da! Wolf rät: Definieren Sie Ihre Vorstellung von Authentizität und reden sie darüber mit potenziellen Stakeholdern.

(Fortsetzung folgt)

Autor/in:
Thomas Askan Vierich
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