Direkt zum Inhalt

Wie in Wien so in Rom

13.11.2019

Die Innenstadtmieten steigen ins Unermessliche, besonders in den Toplagen. So werden oft traditionsreiche Gastronomiebetriebe vertrieben, die aber gerade den Charme dieser Innenstadtlagen ausmachen. Jüngstes Beispiel: Der Streit um das römische Caffè Greco

Man stelle sich vor, die Piazza San Marco in Venedig wäre gesäumt von den einschlägig bekannten Modemarken. Wenige Schritte weiter gibt es ohnehin einige Gassen, wo sich Gucci, Prada und Co seit einigen Jahren ausbreiten. Manchen gefallen solche edlen Einkaufsstraßen in historischen Stadtzentren, wenige gehen dort sogar einkaufen, für viele hat das mit „ihrem“ Venedig wenig zu tun – weil es austauschbar ist. Auch auf diesem Niveau.

Anders sieht das mit den berühmten Cafès am Markusplatz aus: Das Florian und das Quadri gibt es nur hier, kann es nur hier geben. Das Gleiche gilt in Wien für das Cafè Griensteidl am Michaelerplatz oder den Demel am Kohlmarkt. Das Griensteidl ist bereits Geschichte beziehungsweise ein Supermarkt, der Demel kann sich trotz prominenter Modenachbarn noch halten. Anders das Caffè Greco in Rom, um das gerade ein heftiger Streit entbrannt ist.

Das berühmte Kaffeehaus besteht seit 250 Jahren in der Via Condotti, heute Roms nobelste Einkaufsstraße, gleich um die Ecke der Spanischen Treppe. Betrieben wird es vom Ehepaar Flavia Iozzi und Carlo Pellegrini. Auch hier kostet der Cappuccino ähnlich wie im Caffee Florian mehr als das Übliche. Bald wird man ihn sich vermutlich gar nicht mehr leisten können (oder wollen). Oder noch schlimmer: Aus dem Kaffeehaus wird eine weitere Edelboutique.

120.000 statt 22.000 Euro Miete

Denn die Besitzer der Liegenschaft, das Israelitische Krankenhaus in Rom, möchte mehr Miete. Deutlich mehr. Und die könnte es auch bekommen. Aber nicht von den Wirtsleuten. Die zahlen bislang 22.000 Euro im Monat. Das Krankenhaus hat aber nach eigener Aussage Angebote zwischen 120.000 und 180.000 Euro bekommen. Der Mietvertrag ist bereits 2017 ausgelaufen und wurde nicht verlängert. Das Hospital sagt, man wolle die zusätzlichen Mieteinnahmen, die durchaus im „Einklang“ mit den üblichen Mieten an dieser Adresse stünden, in den Krankenhausbetrieb investieren – zum Wohle der Allgemeinheit. Man wolle auch das Caffè Greco erhalten – bloß unter anderer Führung.

Wem gehört das Greco?

Allerdings darf man, wie der Fall Cafè Griensteidl in Wien belegt, sehr wohl daran zweifeln, dass ein Gastronomiebetrieb solche Mieten einspielen kann. Selbst wenn der Cappuccino noch teurer werden sollte. Man kann das Cafè Greco mit seinem berühmten Interieur leider auch nicht an eine günstigere Adresse in Rom verfrachten. Da spielt der Denkmalschutz nicht mit. Momentan streitet man ohnehin darüber, wem das Inventar eigentlich gehört: den Betreibern oder dem Vermieter.

2020 möchte das Spital neue Betreiber haben. Man darf gespannt sein, wer sich darauf einlässt. Vielleicht eine international bekannte Coffeeshopkette, die das Kaffeehaus „dezent“ umbrandet und aus Marketingzwecken bereit ist, praktisch jede Mietforderung zu erfüllen. Oder eine bekannte Edelmodemarke, die sich ein berühmtes Kaffeehaus „leistet“? Betriebswirtschaftlich muss es sich dann ja nicht mehr rechnen. Ist das das Schicksal der Innenstadtgastronomie in unseren Städten?

Autor/in:
Thomas Askan Vierich
Werbung

Weiterführende Themen

Gastronomie
19.11.2019

TGI Fridays in Wien ist insolvent, 46 Dienstnehmer und 183 Gläubiger sind betroffen. Der Betrieb soll allerdings weitergeführt werden.

Luftige Fassade mit Balkons und Bäumen: Der öffentlich zugängliche Rooftop-Bereich wird ohne Konsumationszwang nutzbar sein. Wer konsumieren will, kann dies aber auch. Jo&Joe wird auf den zwei Ebenen unter dem Rooftop einziehen.
Hotellerie
04.11.2019

Mit der Eröffnung des neuen Ikea am Wiener Westbahnhof kommt auch eine neue Hotelmarke nach Wien: Jo&Joe.

Gastronomie
31.10.2019

Der Peschta in Wien-Hütteldorf vereint viele gute Eigenschaften eines echten Wiener Wirtshauses in sich. Hier ist seit den 1920ern jeder willkommen. Sogar Austrianer. Teil 2 der ÖGZ-Serie

Gastronomie
31.10.2019

Das Wiener Design-Hotel erster Stunde „Das Triest“ hat sich vor einiger Zeit eine neue Bar/Bistro gegönnt – konzipiert von BEHF Architects. Dafür wurden sie jetzt mit einem Design Award ...

Die App  #RelatedToAustria soll Gäste nach Österreich holen.
Tourismus
07.10.2019

Mit der Anleitung von Ludwig van Beethoven durch Wien flanieren. Das bieten jetzt von Österreich Werbung und Wien Tourismus initiierte virtuelle Stadtrundgänge. Künftig könnte diese Methode auch ...

Werbung