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Wien ist wieder optimistisch

17.06.2010

Die Nächtigungen sind in Wien im ersten Jahresdrittel dynamisch gestiegen, der Aprilumsatz war der beste aller Zeiten: Ist das die Trendwende oder nur eine Ausnahme?

Stadträtin Mag.a Renate Brauner: Der WienTourismus lädt wichtige Geschäftspartner und JournalistInnen – von Berlin bis Brasilien – zum gemeinsamen „Wienerisch Kochen“ ein – jedesmal ein voller Erfolg

Der Tourismus erbringt jährlich bis zu vier Milliarden Euro an Wertschöpfung, was einem Anteil von knapp 6 % am Wiener Brutto­regionalprodukt entspricht. Von ihm profitieren nicht nur die unmittelbaren Tourismusbetriebe und die darin Tätigen, sondern auch die vorgelagerten Branchen – vom Nahrungsmittelgewerbe und dem Kultursektor über Banken und Versicherungen bis zu Kommunikationsunternehmen und der Bauindustrie.
Die Wiener Tourismus-Stadträtin Mag.a Renate Brauner gibt im ÖGZ-Interview Antworten auf aktuelle Tourismusfragen.

ÖGZ: Welche politische Schwerpunkte werden Sie kurz- und mittelfristig in der Tourismus- und Freizeitwirtschaft setzen?

Mag.a Renate Brauner: Das von der im WienTourismus etablierten Strategiegruppe der Wiener Tourismuswirtschaft im Oktober 2009 präsentierte Tourismuskonzept Wien 2015 schlägt diverse Maßnahmen vor, zu deren Umsetzung die Stadt Wien beitragen kann. Einige Beispiele dazu: die Entwicklung von Leit- und Informationssystemen, Ausbau der Mehrsprachigkeit bei öffentlichen Verkehrsmitteln, Weiterführung der Neugestaltung des Donaukanals, Erhaltung und Ausbau von Wiens Reputation als besonders sichere und saubere Stadt.


ÖGZ
: Kann man im Tourismus Krisenentwarnung geben oder hält die Krise noch an?

Mag.a Renate Brauner: Nachdem Wien heuer im ersten Jahresdrittel nach Nächtigungen nicht nur um 12,8 % über dem Vergleichswert 2009 liegt, sondern auch um 4,4 % über dem Vergleichswert des Rekordjahres 2008, sind wir einigermaßen optimistisch. Entwarnung ist aber nicht angebracht, solange die Weltwirtschaft sich nicht stabilisiert, wofür es derzeit noch keine klaren Anzeichen gibt. Außerdem entwickeln sich die Nächtigungsumsätze der Hotellerie noch nicht so dynamisch wie die Nächtigungen. Sie sind im ersten Jahresdrittel um 10,6 % gestiegen, wozu der beste Aprilumsatz aller Zeiten (+28,8 % gegenüber April 2009) massiv beigetragen hat, doch es bleibt abzuwarten, ob dies eine Ausnahme war oder schon eine Trendwende bedeutet. Es ist eher davon auszugehen, dass es noch geraume Zeit dauern wird, bis die Kaufkraft des internationalen Reisepublikums so steigt, dass wieder ein
Preisniveau wie vor Ausbruch der Weltwirtschaftskrise erreichbar ist.

ÖGZ: Gibt es in Wien genügend oder möglicherweise schon zu viele Hotelbetriebe?

Mag.a Renate Brauner: Die Anzahl der Hotelbetriebe in Wien hat schon über viele Jahre hinweg immer Schritt gehalten mit der Entwicklung des Nächtigungsaufkommens, wenn auch meistens etwas zeitversetzt. Solche Entwicklungen regelt der Markt, außerdem bedeuten mehr Hotels immer auch mehr Marketingleistung, denn jedes einzelne Haus trägt ja durch sein Eigenmarketing zur Gesamtvermarktung der Destination bei. Besonders stark fallen da Luxusmarken ins Gewicht, die außerdem auch zu unserem touristischen Image beitragen. Es ist Wien durchaus zuträglich, dass einige Topmarken, die in unserem Hotel-Portfolio noch gefehlt haben, demnächst Häuser bei uns eröffnen. Dass dies in der ersten Zeit die Binnenkonkurrenz verstärkt, liegt zwar in der Natur der Sache, damit einher geht aber auch ein Wettbewerb in der Qualität. Dieser Herausforderung stellt sich die bestehende Hotellerie mit positiver Einstellung und voll Engagement, denn sie sieht, wie auf diese Weise der Gesamtstandard in der Destination gehoben wird.


ÖGZ
: Wie wichtig ist für die Wiener Gastronomie die authentische, bodenständige Küche und wie wird sie gefördert?

Mag.a Renate Brauner: Im Zuge des Markenentwicklungsprozesses des WienTourismus wurden im Vorjahr 11.000 Personen (sowohl mit als auch ohne persönlicher Wien-Erfahrung) in neun Ländern zu Wien befragt, um so die stärksten Attraktionsfaktoren der Destination zu ermitteln. Daraus ergab sich als drittwichtigster Faktor – nach dem imperialen Erbe und dem Kulturangebot – Wiens „Kultur des Genusses“, insbesondere die in unserer Stadt beheimatete Ess- und Trinkkultur. Die häufigsten Assoziationen der Befraten dazu waren das Wiener Kaffeehaus, gefolgt vom Heurigen und der Wiener Küche. Daraus ergibt sich einerseits der hohe Stellenwert der authentischen, bodenständigen Küche, aber auch deren Bekanntheit und Qualitätsanerkennung auf internationaler Ebene.

Dies zeigt sehr eindrucksvoll, dass es einer über die allgemeine Gastronomieförderung, wie sie die Wirtschaftsagentur Wien und die Wirtschaftskammer Wien bieten, hinausgehenden spezifischen Unterstützung dieses Erfolgsprodukts nicht bedarf, sondern die Wiener Küche aus eigener Kraft floriert. Die effizienteste Förderung für sie kommt von den Wienerinnen und Wienern selbst: Sie konsumieren die Wiener Küche ausgiebig genug, um ein breites Angebot sicherzustellen, und kritisch genug, um jeglichem Qualitätsverlust vorzubeugen. Auf ihren Ruf und ihre Zugkraft greift auch der WienTourismus in seinen weltweiten Marketing-Aktionen gerne zurück und lädt wichtige Geschäftspartner und JournalistInnen – von Berlin bis Brasilien – zum gemeinsamen „Wienerisch Kochen“ ein – jedesmal ein voller Erfolg; ich hatte auch selbst schon Gelegenheit, das mitzuerleben.

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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