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Wiener Landwirtschaft will Zusammenarbeit mit Tourismus forcieren

24.05.2006

Die Frage, wie es der Wiener Stadt-Landwirtschaft gelingen kann, sich in Zusammenarbeit mit dem Tourismus besser zu behaupten und zusätzliche Einkommensquellen zu schaffen, stand am 23.5.06 im Mittelpunkt einer Tagung von FORUM LAND Wien und dem Ökosozialen Forum Wien.

"Gast-Land-Wirt - Tourismus und Landwirtschaft neu gedacht" war die
Aussage, dass es gelingen muss, die Touristen oder die im Urlaub
Daheimgebliebenen an die Wiener Betriebe zu holen und zu motivieren,
deren vielfältigen Angebote in Anspruch zu nehmen. Die Identifikation
der Bevölkerung oder der "für kurze Zeit Einheimischen" mit der
Landwirtschaft der Bundeshauptstadt sollte forciert werden. Dies kann
beispielsweise über spezielle, innovative Wien-Produkte gelingen, die
für Regionalität und Authentizität stehen.

Universitätsprofessor Peter Zellmann vom Institut für
Freizeitforschung hob insbesondere Spazier- und Radwege als oft erste
und wichtige Kontaktzone zwischen Touristen und der Bevölkerung mit
landwirtschaftlichen Flächen hervor. "Gerade diese Kontakträume
sollen einladen und weiterführen. Sie müssen daher gestaltet und
inszeniert werden", sagte Zellmann. Beispielsweise eine offene
Parzellengestaltung, Einblicke in die Nutzungsformen oder
entsprechende Beschilderungen seien zielführend. So könnten gerade
Familien mit Kindern beim agrarischen Geschehen zuschauen und auf
diesem Wege an die Höfe geholt werden. Auch aus den Möglichkeiten des
Ab-Hof-Verkaufs könne eine Identifikation mit der "persönlichen"
Landwirtschaft erreicht werden. Familien oder auch Kinder, die über
Bildungseinrichtungen zu erreichen seien, sollten somit gezielt
eingeladen und mit den landwirtschaftlichen Produkten in Kontakt
gebracht werden, so Zellmann.

Zusätzlich erwähnte der Forscher, dass man auch nicht vergessen
dürfe, dass rund 50% der Bevölkerung nicht verreisen und ihren Urlaub
meist aus finanziellen Gründen zu Hause verbringen. "Diese
Daheimgebliebenen sind das größte Potenzial, das es zu nutzen gilt",
meinte Zellmann. Gerade auch für diese Form von Touristen müsse man
speziell geschnürte, kostengünstige Pakete anbieten. Zusätzlich seien
auch Hoffeste, Themenpartys und Events als neue Einkommensquellen
geeignet. Diese "Agritainment"-Veranstaltungen dienten außerdem dazu,
die Bevölkerung auf die Leistungen der Wiener Landwirtschaft
aufmerksam zu machen und für diese zu begeistern. Kooperationen seien
zu diesem Zweck unbedingt erforderlich, meinte der Freizeitforscher.
Zellmann hob ferner hervor, wie wichtig personenbezogene
Dienstleistungen "von Mensch zu Mensch" seien. Dazu müssten auch
entsprechende Ausbildungs- und Qualifikationsmöglichkeiten geschaffen
werden.

In einer Podiums- und Publikumsdiskussion meinte der Wiener
Gastronom und Initiator des Wiener Kochsalons, Christian Wrenkh, dass
es Kernprodukte und Speisen geben sollte, die Touristen wie
Einheimische untrennbar mit der Landwirtschaft der Bundeshauptstadt
verbinden. Wiener Erzeugnisse sollten auch mehr als solche
gekennzeichnet werden, um Konsumenten und Gastronomie eine
Hilfestellung zu bieten. Der Ehrenobmann des Wiener Bauernbundes,
Gottfried Schabbauer, erwähnte, dass man im Lebensmittelhandel bald
eigens eingepackte "Wiener Äpfel" kaufen könne. Eine Vertreterin der
Tourismusindustrie meinte dazu, dass viele Gäste extra aus dem
Ausland anreisen, um beispielsweise einen Wiener Apfelstrudel backen
zu lernen. Sicherstellen zu können, dass das Rohmaterial dafür auch
aus der Bundeshauptstadt kommt, hält sie für einen großen Vorteil.

Neben Obst wie Äpfeln werden in der Bundeshauptstadt auch große
Mengen an Gemüse produziert. So kommen 75% des
Frischgemüse-Verbrauchs aus den Wiener Gärtnereien. "Hier werden
jährlich 60.000 t Gemüse produziert. Das sind über 160 t pro Tag",
berichtete der Vizepräsident der Landwirtschaftskammer Wien und
Obmann von FORUM LAND Wien, Franz Windisch. Die
Universitätsprofessorin und Präsidentin des Ökosozialen Forum Wien,
Gerlind Weber, sagte, dass es zusätzlich gelingen sollte, haltbare
Agrarprodukte zu entwickeln, die die Touristen auch als Mitbringsel
kaufen können. Diese Erzeugnisse könnten somit auch international als
Botschafter für die Wiener Landwirtschaft dienen.

Wiener Wein verstärkt als Qualitätsprodukt positionieren

Der Wiener Wein ist ein Produkt, dem es bereits - speziell in
Zusammenhang mit den Wiener Heurigen - sehr gut gelungen ist, auch
über die Grenzen Österreichs hinaus bekannt zu werden. "Wir
versuchen, den Wiener Wein noch mehr als Qualitätswein zu
positionieren", sagte der Obmann des Vereins "Wiener Heuriger",
Herbert Schilling. Wichtig sei es dabei, den Wein immer unter dem
Namen der einzelnen Winzer zu vermarkten. Seit zwei Jahren arbeite
man gezielt mit dem Wiener Tourismusverband zusammen, was schon
einige Früchte getragen habe. So bekam der Wiener Wein den Wiener
Tourismuspreis 2005 verliehen. "Wir brauchen jedoch auch Partner in
der Gastronomie", betonte Schilling. Um solche zu finden und den
Absatz von Wiener Weinen in den Lokalen zu fördern, gebe es gezielte
Aktionen wie die Wahl des Restaurants mit der besten Wiener Weinkarte
und Ähnliches.

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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