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Wir sind Wurst

15.05.2014

Kommentar von Thomas Askan Vierich

Nein, ich habe mir keinen Bart ins Foto gemalt. Ich habe den Songcontest nicht mal gesehen. Das heißt, ich habe es versucht, aber beim französischen Beitrag mit den Luftgitarren wieder ausgemacht. Es war nicht zum Auszuhalten. Deshalb möchte ich den ORF-Kommentator Andi Knoll dankbar zitieren: „Jetzt hot uns die den Schas g’wunnan."
Aber der „Schas" könnte natürlich für die Wahrnehmung von Österreich im Ausland sehr positive, eigentlich unbezahlbare Auswirkungen haben. Plötzlich gelten wir als Hort der nicht nur sexuellen Toleranz. Wien positioniert sich eh schon seit Jahren erfolgreich als Gay-Metropole. Da käme ein Songcontest aus der Stadthalle (noch besser: der Hofburg oder der Staatsoper!!) mit Conchita als Moderatorin gerade recht. Opernball, Lifeball, Songcontest!

Aber wer soll das bezahlen? Vermutlich werden alle Österreicher zusammenlegen müssen, wie das die Dänen oder Norweger auch gemacht haben. Von 20 bis 40 Millionen ist die Rede. Zum Vergleich: Die Übertragung der gesamten (!) WM kostet den ORF läppische elf Millionen. Die Russen haben 2009 fürs Wettsingen 42 Millionen hingelegt.
Aber vielleicht ginge es auch eine Nummer kleiner? Statt Bombast bescheiden, witzig, womöglich selbstironisch und vor allem „nachhaltig"? Das wollen wir doch alle sein, nachhaltig. Und das würde noch besser zu Österreich passen. Österreich: Wo man nachhaltig und soft urlauben kann, wurscht, welcher sexuellen Präferenz man anhängt. Damit könnten wir die Bayern, unsere großen Konkurrenten bei den Urlaubsdestinationen, endlich abhängen. Und auch zahlungskräftige russische Touristen ins Land locken, denen das homophobe Getue ihrer Regierung schon lange auf den Geist geht.
t.vierich@wirtschaftsverlag.at

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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