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Flughafen Wien-Vorstandsdirektor Julian Jäger.

Wir vertrauen auf die ­Funktionsfähigkeit des Rechtsstaates

20.04.2017

Warum der Wiener Flughafen mit allen Mitteln für den Bau der dritten Landepiste kämpft und wieso Jamie Oliver ein wichtiger Geschäftspartner wurde, erklärt Vorstandsdirektor Julian Jäger im Interview.

 

Flughafen Wien

Der Vienna International Airport fertigte im vergangenen Jahr den Rekordwert von 23,4 Mio. Passagieren ab. Ein großes Investmentprogramm von 1,6 Mrd. Euro soll bis 2025 die Kapazitäten weiter steigern.

Der Flughafen bekämpft das Nein des Bundesverwaltungsgerichts zum Bau einer dritten Landepiste vor den Höchstgerichten. Was ist der Plan B, sollten Sie damit nicht durchkommen? 
Julian Jäger: Der Flughafen Wien hat fristgerecht Rechtsmittel gegen das vom Bundesverwaltungsgericht ausgesprochene Verbot des Baus der dritten Piste eingebracht. Das Bundesverwaltungsgericht hat in seinem Erkenntnis selbst bestätigt, dass ab 2025 die Kapazitätsgrenzen am Flughafen Wien erreicht sein werden und dass ein entsprechender Bedarf an einer dritten Piste vorliegt. Eine Verhinderung der dritten Piste in Wien aufgrund von CO2-Emissionen wird aber keine positive Auswirkung auf das Klima haben, denn der Flugverkehr nimmt international weiter zu: Weltweit entstehen derzeit 394 neue Flughäfen, zuletzt hat Prag angekündigt, eine neue Piste und einen neuen Terminal zu errichten. Die CO2-Emissionen der Luftfahrt sind global zu betrachten und können daher nur durch internationale Abkommen geregelt werden. Und genau diese Regulierungen gibt es bereits. Wir sind daher zuversichtlich und vertrauen auf die Funktionsfähigkeit des österreichischen Rechtsstaates und sehen den Entscheidungen der Höchstgerichte mit Optimismus entgegen.

Wie viele Menschen arbeiten in welchen Bereichen am Flughafen, und wo kommen die her?
Am Flughafen Wien arbeiten mehr als 20.000 Menschen in rund 230 Unternehmen. Jeweils etwa 40 Prozent kommen aus Wien und Niederösterreich, zehn Prozent aus dem Burgenland, der Rest aus anderen Bundesländern und dem benachbarten Ausland. In ganz Österreich sind insgesamt rund 75.000 Arbeitsplätze mit dem laufenden Betrieb und den am Standort Flughafen Wien getätigten Investitionen direkt oder indirekt verbunden.

Zuletzt gab es ja auch Positives für Sie. Etwa die Halbierung der Flugtaxe. Können Sie schon abschätzen, wie sich diese auf Ihr Geschäft auswirken wird?
Die beschlossene Senkung der Ticketsteuer wird sich positiv auf den Luftverkehrsstandort Wien auswirken. Gerade Airlines haben mit einem starken Kosten- und Preisdruck zu kämpfen, daher ist Senkung ein wichtiges Signal, vor allem für den Tourismus. Wir begrüßen daher alle Maßnahmen, die sich positiv auf die Entwicklung des Wirtschaftsstandortes Österreich auswirken.

Vergangenes Jahr fertigte der Flughafen 23,4 Millionen Passagiere ab. Vor allem Billigflüge und die Langstrecke sollen forciert werden. Wo liegt Ihr Passagierziel?  
Für den Standort Wien erwarten wir für den Flughafen Wien für 2017 ein Passagierwachstum von bis zu zwei Prozent. Erste Impulse dafür setzen aus heutiger Sicht unter anderem neue Streckenaufnahmen nach Los Angeles, Mahé, Burgas und Göteborg durch Austrian Airlines. Hinzu kommen 19 Destinationen durch Eurowings sowie Frequenzaufstockungen und neue Verbindungsaufnahmen von Volotea, Flybe/Stobart Air, Germania, S7 Airlines und SunExpress.

Wien hat sich ja in der Tourismusstrategie 2020 zum Ausbau der Direkt­verbindungen bekannt. Als mittelgroßer Flughafen hat sich Wien mit seiner Rolle als CEE-Hub positioniert. Was kann man eigentlich als Flughafen tun, um Airlines dazu zu bewegen, Wien anzusteuern? 
Der Flughafen Wien ist hervorragend als Drehkreuz nach Osteuropa, den Nahen und Mittleren Osten und Asien positioniert. Um unsere Drehkreuzfunktion weiter zu stärken und neue Fluglinien nach Wien zu holen, bieten wir Airlines zahlreiche attraktive Incentives. Ein weiterer Pluspunkt des Flughafens Wien ist unsere Kundenorientierung und eine hohe Servicequalität. Das bestätigen auch zahlreiche Preise, mit denen der Airport ausgezeichnet wird. So verlieh das Marktforschungsinstitut Skytrax dem Flughafen Wien zum dritten Mal in Folge den Award zum „Best Airport Staff in Europe“. Vom Airport Council International (ACI) wurde dem Flughafen Wien Anfang März der Airport Service Quality Award in Gold verliehen. Das zeigt, dass die Servicestrategie des Flughafens Wien wahrgenommen wird. 

Welchen Teil nehmen Gastronomie und Hotellerie in Ihrem Gesamtgeschäft ein?
Der Non-Aviation-Bereich des Airports ist ein wichtiger Teil. Darum erweitern wir laufend das Shopping- und Gastronomieangebot. Seit kurzem steht Passagieren ein neues kulinarisches Highlight im Terminal 3 zur Verfügung: Jamie Oliver hat als erstes von insgesamt drei Lokalen sein berühmtes Take-away-Konzept „Jamie’s Deli“ eröffnet. Ebenfalls vor kurzem hat mit dem Moxy Hotel ein neues Hotel am Standort eröffnet. Generell geht der internationale Trend stark in Richtung Airport Cities, auch der Flughafen Wien wächst hier sehr stark, so haben sich in den letzten Monaten zwölf neue Unternehmen am Airport angesiedelt.

Autor/in:
Daniel Nutz
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