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Wirtschaft vor Naturschutz?

23.07.2014

Der Oesterreichische Alpenverein hält die Entscheidung der ÖVP pro „Brückenschlag" in den Kalkkögeln für ein fatales Signal

Alpenvereinspräsident Dr. Andreas Ermacora zeigt sich überrascht über die Zustimmung der ÖVP zur touristischen Erschließung der Kalkkögel: „Um die Verbindung Schlick 2000 – Axamer Lizum über die Kalkkögel zu ermöglichen, ist ein juristischer Kraftakt notwendig, der wohl bisher einzigartig ist. Im Tiroler Naturschutzgesetz ist seit Jahrzehnten verankert, dass in Ruhegebieten keine Seilbahnen errichtet werden dürfen. Diese Bestimmung, die wohlüberlegt war und vom Tiroler Landtag beschlossen wurde, muss zur Ermöglichung der Skigebietsverbindung geändert werden. Das ist Anlassgesetzgebung pur, die verantwortungsbewusste Politiker strikt vermeiden sollten. Gesetze sollten Jahrzehnte überleben und nicht wegen eines Einzelprojekts geändert werden. Ich gehe davon aus, dass dafür die Bevölkerung kein Verständnis haben wird. Wie schon das politische Debakel ‚Piz Val Gronda‘ gezeigt hat, wird eine solche Vorgehensweise als Freibrief für weitere Erschließungspläne gesehen."

Der zweite Anlass zur Kritik ist der Bruch des internationalen Rechtes. „Österreich hat unter Wolfgang Schüssel die Alpenkonvention ratifiziert und mit den anderen Alpenstaaten eine bindende Vereinbarung getroffen. Darin hat sich Österreich verpflichtet, bestehende Schutzgebiete nicht anzutasten. Genau das wird nun aber gemacht. Welche Konsequenzen der Bruch internationalen Rechtes hat, wird sich zeigen. Unabhängig davon demonstriert Tirol aber mit der Zustimmung zur Skigebietsverbindung, dass es nicht gesetzestreu ist und man sich auf das Land und somit auch auf Österreich nicht mehr verlassen kann", so Ermacora.

Wirtschaftliche Interessen
Dass die Zerstörung unserer Naturräume in diesem Ausmaß voranschreitet, alarmiert den Alpenverein, der in seiner Satzung die Aufgabe verankert hat, die Schönheit und Ursprünglichkeit der Bergwelt zu bewahren.

Alpenvereinspräsident Andreas Ermacora sagt dazu: „Die Tourismuswerbung wirbt seit jeher mit den Kalkkögeln als unberührte Naturlandschaft. Eine solche Landschaft stellt die Grundlage für unseren Tourismus dar. Damit ist dann wohl Schluss – und ein weiteres Naturjuwel fällt wirtschaftlichen Interessen zum Opfer! OEAV/tav

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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