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Milchmariandl: Das Lokal am „Pensionistengletscher“ (Freinberg) war ein geschätztes Ausflugslokal Besonders in den Anfangsjahren etablierte es sich zum Treffpunkt der Damen, denen in jener Zeit ein Kaffeehausbesuch untersagt war. In den 1970er-Jahren abgebrochen.

Wirtshäuser in Linz – Ausstellung und Buch

09.05.2019

War früher vielleicht doch alles besser? Die Vermutung liegt nahe, dass es beim Kulturgut Wirtshaus so war. Aber noch ist nicht alles verloren – wie eine Ausstellung nebst Buch in Linz zeigt.

Das klassische Gewürzensemble
Buchcover
Prost, Mahlzeit! Wirtshauskultur in Linz

Ausstellung:
„Prost, Mahlzeit! Linzer Wirtshauskultur“ im NORDICO Stadtmuseum Linz (15. 3. bis 1. 9. 2019)

Buch:

Prost, Mahlzeit!
Wirtshauskultur in Linz

Museen der Stadt Linz / Andrea Bina / Klaudia Kreslehner / Georg Thiel (Hg.)
Verlag Anton Pustet
292 Seiten, 29 Euro

 

Das Wirtshaussterben gibt es nicht erst seit kurzem. Besonders in den 1960er-Jahren mussten viele historische Gasthäuser in Linz (und nicht nur dort) schließen. Der allgemeine Fortschritt und die Mobilität machten ihnen den Garaus. Die Leute wollten lieber mit dem Auto ins Grüne fahren, statt in den Sparverein ums Eck zu spazieren. Oder zu Hause fernsehen (das war ja etwas ganz Neues), statt beim Kartenspielen am Stammtisch zu hocken. Heute sind es die immer strengeren Auflagen bei den Betriebsgenehmigungen, das (drohende) Rauchverbot oder Personalmangel, die zu Schließungen führen. Manchmal ist es auch ganz einfach der attraktive Standort: 2013 wurde in Alt-Urfahr West das traditionelle Gasthaus Zum Schwarzen Walfisch nach über 100 Jahren geschlossen, weil dort ein zahlungskräftiger Investor Luxuswohnungen für zahlungskräftige Käufer errichten wollte. 
Aber die Ausstellung nebst Buch zeigt auch moderne Gasthäuser. Denn wie Kuratorin Andrea Bina im Vorwort schreibt: „Das Wirtshaus ist nach wie vor unverzichtbarer sozialer und gesellschaftlicher Treffpunkt.“ Dennoch ist der Blick zurück am spannendsten. Und dazu geben Ausstellung und Buch reichlich Gelegenheit.

Hier ein paar Beispiele (nebst Kommentaren von unserer Seite, wo sie notwendig schienen …)

Bierwärmer

„Auch so etwas aus der Welt von gestern.“ Gab es als mit heißem Wasser gefüllte Rohre oder als Heizspirale (wenn ich mich recht an die 1980er-Jahre erinnere). Damit konnte sich Papa, der es immer mit dem Hals hatte, sein Bier wärmen, damit er sich nicht verkühlt. Kommentar der Autoren: „Der Bierwärmer fiel jener Regulierungswut, wie sie für Staaten, die zu viele Beamte beschäftigen, charakteristisch ist, zum Opfer. Er sei nicht hygienisch, hieß es. Seither wärmt sich Papa sein Bier zu Hause.“ Möchte heute wirklich noch jemand WARMES Bier trinken? Immerhin scheint diesmal nicht die EU schuld gewesen zu sein ...

Bierdeckel/Bierteller/Bierfilz 

„Früher aus Rinderfilz, der getränkt mit Bier eine der klassischen Geruchskomponenten gewesen ist, die ein Wirtshaus ausgemacht haben.“ Plus warmer und kalter Rauch. Ersteres ist heute auch aus Kostengründen nicht mehr vorstellbar, Letzteres zumindest noch für manche.
Kegelbahn: „Kegeln ist statistisch betrachtet jene Sportart, bei der die meisten Todesopfer zu beklagen sind. Für all jene, die sich davon nicht abschrecken lassen, gibt es in Linz rund fünf Wirtshäuser, in denen gekegelt werden kann.“ Echt jetzt? Gefährlicher als Autorennfahren? Vermutlich, weil es statistisch gesehen mehr Menschen ausführen … Warum „rund“ fünf? Können es auch sechs sein? Oder drei?

Gewürzensemble

„Am Anfang war das Salzfass, in das jeder hineingriff, um seine Speisen nachzuwürzen. Es wurde vom Salzstreuer ersetzt, zu dem sich der Pfefferstreuer gesellte. Komplementiert wurde das Gewürzensemble (im Gastrojargon auch Menage genannt) durch die oftmals verklebte Maggiflasche und die Zahnstocher.“ Als Kinder haben wir immer (heimlich) an der Flasche genuckelt. Gibt’s heute in eher nicht so tollen Gasthäusern leider immer noch …

Fremdenliste

„In Linzer Tageszeitungen des 19. Jahrhunderts wurde alltäglich die sogenannte Fremdenliste abgedruckt, der zu entnehmen war, wer in der ‚Stadt Frankfurt‘, der ‚Goldenen Kanone‘, dem ‚Goldenen Schiff‘, dem ‚Rothen Krebs‘, dem Hotel ‚Erzherzog Karl‘, dem Gasthof ‚Weißes Lamm‘ sowie dem ‚Weingartshof‘ abgestiegen war. Neben dem Namen des Gastes wurden auch sein Stand sowie der Herkunftsort publiziert.“ Das war ja schlimmer als heute in den sozialen Medien! Vermutlich diente es in erster Linie der Eitelkeit der Reisenden …

 

 

 

Autor/in:
Thomas Askan Vierich
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