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Markus, Katharina und Alexandra Oberbucher vor ihrem Gasthaus Schwaigerwirt.

Wirtshausporträt: Der Schwaigerwirt und seine besten Gäste der Welt

30.03.2021

Vor vier Jahren übernahm das Geschwister-Trio Oberbucher den Schwaigerwirt in Wien-Floridsdorf. Durch die Krise kamen sie mit Hands-on-Mentalität und der Mithilfe ihrer tausenden Facebook-Freunde. Das hat sie  zum Gewinner bei Österreich sucht die Gastrolockdownheroes gemacht. 

Bodenständige Hausmannskost ist der Schwerpunkt des Schwaigerwirts.
Maske runter, Lächeln auf für ein Foto: ein Teil des Teams des Schwaigerwirts.
Steckbrief

Name:
Gasthaus Schwaigerwirt
Inhaberin:
Alexandra Oberbucher
seit:
2017
Mitarbeiter:
12
Küchenschwerpunkt:
Hausmannskost
USP:
„die besten Gäste“ (laut Wirten)
Sitzplätze:
ca. 110
Öffnungszeiten:
Dienstag bis Samstag von 9.00 bis 23.00 Uhr und Sonntag von 9.00 bis 15 Uhr
Adresse:
Schwaigergasse 16, 1210 Wien
 

In zwei Metern Abstand warten die Gäste auf der Straße. Immer wieder reicht eine Hand ein oder mehrere Essenspakete durch das Fenster. Wir betreten den Schwaiger­wirt in Wien-Floridsdorf und werden Zeuge des geschäftigen Treibens in der Gaststube.

Dort stehen die Geschwister Ale­xandra, Katharina und Markus Oberbucher mit zwei Mitarbeitern und zwischen gut einem Dutzend vorbereiteter Essenspakete. „Heute machen wir Spareribs. Die gehen immer gut. Das Geschäft läuft prinzipiell super“, sagt Markus Oberbucher. 

Sieger der ÖGZ-Wahl

Gutes Geschäft im Lockdown? Das bodenständige Wirtshaus im Norden Wiens hat etwas geschafft, von dem andere nur träumen können, und gewann auch nicht zufällig die von der ÖGZ initiierte Wahl zum Gastro-Lockdownhero mit fast 1000 Stimmen. 

Die Geschwister Oberbucher starteten gemeinsam in der Gastro­nomie. Alexandra kam einmal ins Lokal, in dem ihr Bruder als Koch arbeitete. Die Wirtin überredete  sie prompt, eine Probetag zu machen. Aus dem Schnuppern wurden drei Jahre Lehrzeit. Später erkannte noch Schwester Katharina ihre Liebe zum Gastgewerbe, und die drei schupften oft gemeinsam Schichten in einem Wirtshaus in der Donaustadt und bauten gute Kontakte zu den Gästen auf. „Irgendwann haben wir uns gesagt: ,So, jetzt werden wir unsere eigenen Chefs‘“, sagt Alexandra heute. So eröffneten die drei am 5. Jän­-
ner 2017 mit dem Schwaigerwirt ihr eigenes Wirtshaus. Alles ging damals so schnell und unter extremem Zeitdruck, erinnert sich Katharina Oberbucher. Umgebaut wurde über Weihnachten, und einen Tag vor der Eröffnung gab es noch immer keine funktionsfähige Küche. Aber die Oberbuchers schafften es mit etwas Improvisationstalent 
doch. 

Mit Lieferservice in die Irre gefahren

Improvisationstalent zeigte das Team des Schwaigerwirts auch im ersten Lockdown vor einem Jahr. Sofort begann man Essen auszuliefern. Auch mit einigen Schwierigkeiten, wie sich Alexandra erinnert. „Wir haben das noch nie vorher gemacht. Wenn du dich in gewissen Gegenden nicht auskennst, ist das wirklich hart“, lacht sie. Jedenfalls hätten die vielen Strafzettel für falsches Parken den Gewinn deutlich geschrumpft. Also war klar: Das mit der Zustellung bringt wenig, die Gäste sollen sich das Essen besser selbst abholen kommen. 

Tipp: Gewinnspiel auf Facebook

„Wir waren einfach mit der Zustellung überfordert“, sagt Markus Oberbucher, „und genau das haben wir unseren Gästen auch gesagt.“ Er postete also auf Facebook die Erklärung, dass sich das alles mit der Zustellung nicht mehr ausgehe, und erntete dafür Verständnis. Die Leute rannten den Oberbuchers danach fast die Tür ein, um sich die bodenständige Hausmannskost (so bezeichnen die Eigentümer selbst ihr Angebot) abzuholen. Der große Vorteil des Schwaigerwirts: Über die Jahre hat man sich eine beträchtliche Fanbase auf Social Media aufgebaut. Fast 20.000 „Fans“ zählt der Schwaigerwirt auf Facebook. „Der Aufbau der Seite war Knochenarbeit, wir haben nicht einen einzigen Euro in Facebook-Werbung investiert“, sagt er. 

Mittlerweile nützten die Oberbuchers ihre große Fanbase geschickt zur Vermarktung. Während des zweiten Lockdowns Ende 2020 kam Markus und seinen Schwestern die Idee, täglich eine Speise unter den treuen Gästen zu verlosen. Diese Aktion wurde zu einem Renner auf Social Media, mit einer großen Verbreitung der Beiträge und tausenden Likes. „Anfangs dachten wir, dass das ganze nach drei Wochen vorbei ist“, sagt der Wirt. Letztens hat er bereits zum 60. Mal eine Speise verlost. „Wir werden unser Wort halten und an jedem geöffneten Tag eine Speise verschenken“, lacht er. Die Aktion funktioniert ganz einfach: Jeder, der einen Beitrag mit einem Like versieht, nimmt am Gewinnspiel teil. 

Marmeladen statt Getränke

Die Bekanntheit des Schwaigerwirts stieg damit weiter, sodass man an einem gewöhnlichen Tag mittags voll ausgelastet ist. Aber natürlich fehlen beim Umsatz jetzt die Getränke. Um den Gästen neben den Hauptspeisen noch etwas anzubieten, kam Markus auf die Idee, Marmeladen herzustellen und den Take-away-Kunden anzubieten. Das kam so gut an, dass es mittlerweile 13 Sorten gibt. Derzeit verarbeitet er außerdem den frischen Bärlauch für Pesto, Salz und Öl. 

Die gewaltige Krise durch die Corona-Pandemie hat das Team des Schwaigerwirts bislang sehr gut bewältigt. Trotzdem freuen sich alle aufs Aufsperren. Ihr fehle der Kontakt zu den Gästen, sagt Alexandra. Die Zeit, bis es so weit ist, wird für einen größeren Umbau genützt. Die alte Schank (siehe Bild) muss raus – den Behörden ist der Fluchtweg um 20 cm zu eng. Wenn dann die Pandemie irgendwann überwunden sein sollte, wollen die Oberbuchers das mit einem richtigen Fest begehen. Dann werde man vermutlich einmal drei Tage durchfeiern, sagt Alexandra. Das sei man den Gästen schuldig. „Wir haben wirklich die besten Gäste der Welt. Ohne die hätten wir das alles nicht geschafft.“

Autor/in:
Daniel Nutz
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