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Witzigmanns meisterlicher Schüler

24.07.2006

Einmal mehr: Der Lehrer schaut seinen Schüler über die Schulter.
Koch-TV-Präsentator Eckart Witzigmann begibt sich zusammen mit seinem Produzenten Rudolf Klingohr zu Roland Trettl ins legendäre „Ikarus" im Hangar 7. Und stellt fest, was er schon immer wusste: Trettl ist einer der besten Köche der Welt, der ehemalige Schüler dem Lehrer bald ebenbürtig. Am 6. August 2006 strahlt ORF2 um 9.05 Uhr eine weiter Folge von Witzigmanns kulinarischer Weltreise aus. Und dokumentiert Trettl als Künstler auch im engeren Sinn des Wortes.

Im Allgemeinen stellt der Eishockeysport keine der wesentlicheren Bedrohungen für das Wohl der kulinarischen Welt dar. Im speziellen Fall freilich verhielt sich das ein wenig anders: Roland Trettl, Südtiroler aus Bozen, strebte eine professionelle Eishockey-Karriere an, ehe er sich einer glücklichen Fügung folgend dann doch für die kulinarische und nicht die sportliche Welt entschied.

Er hatte die Entscheidung nicht zu bereuen. Der junge Mann mit dem markanten Auftritt - Trettl ist Jahrgang 1971 und pflegt sowohl bei der Schuh- als auch bei der Haarmode nicht ausschließlich dem Massengeschmack zu folgen - wurde schnell Musterschüler des unvergleichlichen Eckart Witzigmann, war schon mit 26 Jahren Küchenchef des großartigen Ca's Puers auf Mallorca, kochte später auf Sylt und in Japan. Ehe er 2003 eine im Wortsinn einmalige Chance ergriff und Küchenchef des neuen „Ikarus" wurde.

Roland Trettl war gerade einmal 32, als er sich gemeinsam mit Patron Eckart Witzigmann und Gastronomieleiter Manuel Lechner der Aufgabe stellte, die Vision Realität werden zu lassen. Wie überzeugend ihm das gelang, ist gastronomische Geschichte. Weltstars von der Dimension eines Jean-Georges Vongerichten, David Thompson, Marc Haeberlin oder einer Léa Linster zeigten sich von der Leistung Trettls und seines von ihm zusammen gestellten, aufgebauten und geleiteten Küchenteams beeindruckt bis euphorisiert. Nicht
unbegründet: Trettls - übrigens außergewöhnlich junge - Mannschaft ist eine Mannschaft, auf die sich Trettl bedingungslos verlassen kann, allen voran auf seinen Küchenchef Martin Klein, der ihn während seiner Gastkoch-Reisen im Ikarus vertritt. Und es ist eine Mannschaft, die von der kulinarischen Kritik bereits als „eine der besten der Welt" gelobt wird.

Trettls radikale, rebellische, kompromisslos kreative Küche (man erinnere sich nur an "Rolliger Mops" von der Rotbarbe auf Bohnen und Pata Negra, Prall gefüllte Kartoffelknödel mit Kalbsschwanz, Pfifferlinge, Pinienkerne und Sesam, oder das Rosa Kalbsfilet im Vakuumbeutel mit reizendem Spargel) forderte den Gast heraus, und wie immer in solchen Fällen fand sich der eine oder andere gar ein wenig überfordert.

So gefällt's Trettl. Und nicht nur ihm. Im November 2005 wurde ihm der „Eckart Witzigmann-Preis" verliehen, freilich nicht durch dessen Namensgeber, seinen ersten großen Lehrer und Patron seiner aktuellen Wirkungsstätte, sondern durch eine über jeden Verdacht der Subjektivität erhobene Einrichtung: die Deutsche Akademie für Kulinaristik. Den Wert jedes Preises definiert freilich nicht nur die ehrende Institution, sondern auch das Ansehen der Geehrten: Im konkreten Fall sind das neben Roland Trettl keine Geringeren als Ferran Adrià und Günter Grass.

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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