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Wo der Wein herkommt

05.05.2003

Österreichs Weinmarketing-Truppe, bisher beim Promoten der Spitzenprodukte sehr erfolgreich, nimmt sich nun auch der Mengenerzeugnisse an. Districtus Austriaca Controllatus (DAC) heißt die Zauberformel, die garantiert, dass aus in Österreich etikettierten Flaschen auch auf Österreichs Hügeln gewachsener Wein kommt.

Wein ist mittlerweile kein schlichtes Agrarerzeugnis mehr. Er wurde zum Markenprodukt, das sich über Image und Wiedererkennbarkeit definiert. Dazu kommt der Faktor Konstanz.
Es ist schick, Wein zu trinken und sich mit Wein "auszukennen", was auch zur Folge hat, dass man zu Weinen mit einer gewissen Qualität greift.

Um diesen Trend zu nützen, entwickelte die Weinmarketing die Idee, "den Wert der Herkunft zu steigern", so Klinger. Dafür wird die Bezeichnung DAC für Districtus Austria Controllatus am Etikett stehen. Wenn auch außerhalb der Grenzen klar ist, wie österreichischer Wein schmeckt, wird es für Produzenten leichter, den an den Mann zu bringen. Initiator der Idee war vor rund sechs Jahren der frühere ÖWM-Chef Bertold Salomon. Im Juni 2001 wurde nun die entsprechende Verordnung erlassen, im Herbst begannen die ersten regionalen Weinkomitees mit ihrer Arbeit. In denen sitzen Produzenten, Händler, Genossenschaften. Ihre Aufgabe: Richtlinien für einen Stil festzulegen, der den Wein einer Region ausmacht. Die Bestimmungen sollen auf ein gehobenes Qualitätsegment abzielen und werden jedenfalls über das gesetzliche Mindestmaß für Tafelwein hinaus gehen, aber auch Anforderungen an eine kommerziell verwertbare Menge genügen.

Hinter der Herkunftsbezeichnung, wie sie beispielsweise in Frankreich, Italien und auf der iberischen Halbinsel seit langem praktiziert wird, steckte ursprünglich die Idee, die Produzenten vor Plagiaten zu schützen. Heute möchte man vor allem Konsumenten die Orientierung erleichtern und durch eine starke Marke, mit der eine verlässliche Qualität assoziiert wird, auch in schlechteren Jahren Absatzmärkte für die Produzenten zu sichern. In Frankreich wurde das Instrument zum Beispiel mit den Klassifizierung in Bordeaux und in der Burgund effizient verfeinert. In Italien wird es manchmal fast in konterkarierendem Sinn eingesetzt: Entsprachen die DOC-Bestimmungen nicht den Intentionen eines Produzenten, wurden sie einfach ignoriert und Bezeichnungen ersonnen, die dann ihrerseits selbst zur Marke wurden - Stichwort Supertavolas. Dass Österreich traditionell herkunftsorientiert war - was steckt da an Beziehung hinter dem "Glas Gumpoldskirchner" und dem "Brünnerstrassler"- und in den Fünfziger Jahren nach deutschem Vorbild auf die Qualitätseinstufung nach der Zuckerpyramide umgestellt hat, ist eine hübsche Ironie am Rande.

In Winzerkreisen wurde das Ansinnen der DAC-Idee ursprünglich kontrovers aufgenommen. Befürchtungen, in der Sortenauswahl eingeschränkt zu werden, und Bedenken, dass bereits etablierte Erzeugnisse gefährdet sein könnten, bis hin zu Einwänden wie "Beschäftigungstherapie" wichen inzwischen größtenteils der Einsicht, dass die Umstellung durchaus Chancen bietet verlorene Plätze zurückzuerobern und neue Möglichkeiten zu erschließen.

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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