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Wohin des Weges?

24.06.2005

Obwohl der Ansturm auf Tourismusschulen hoch ist, gibt es Probleme bei der Stellenbesetzung im Tourismus. Nur 59 % der Absolventen bleiben der Branche erhalten, der Rest kehrt ihr den Rücken.

Die Qualität unserer Ausbildung für den Tourismus, von der Lehre bis zu den Fachhochschulen, ist grundsätzlich sehr gut. Nicht umsonst werden Österreicher allerorts mit Handkuss genommen und haben beste Aufstiegschancen. Trotzdem ist die Dropout-Quote unglaublich hoch.
41 Prozent sind verloren
Unter dem Strich gibt es daher mehr offene Stellen als Bewerber, trotz steigender Arbeitslosigkeit und zunehmendem Ausbildungsangebot in der Branche. Mit dem „Warum“ beschäftigten sich die beiden Schülerinnen der Tourismusschule Wien 21, Claudia Kuzmanic und Isabella Pürrer. In ihrer Reife- und Diplomprüfungsarbeit „AbsolventInnen auf Abwegen“, versuchten sie der Ausfallsproblematik auf den Grund zu gehen. Mittels Fragebogen fühlten sie 309 Schülern einer 5. HTL in Österreich bezüglich Motiven zur Ausbildungsentscheidung und den zukünftigen Berufsplänen auf den Zahn.

Das Ergebnis ist alarmierend. Nur 44 Prozent der Befragten gaben an, einen Job in der Tourismusbranche anzustreben. Von den restlichen 56 Prozent fühlen sich zwar 15 Prozent der Branche verbunden, entscheiden sich aber für eine Weiterbildung. Damit sind nach Adam Riese 41 Prozent der Schulabgänger für die Branche auf immer und ewig verloren – eine zutiefst bedenkliche Tatsache, die ihre Schatten wirft. „Aus Sicht des Arbeitsmarktes ein äußerst unbefriedigender Zustand, da gut ausgebildete Leute der Branche verloren gehen“, gibt Marcus Kleemann, Geschäftsführer von Gastrojobs und Initiator der Diplomarbeitsstudie, zu bedenken. Der Imagebewertung innerhalb der Prüfungsarbeit wurde daher besonderes Augenmerk geschenkt, wobei angehende Touristiker, Branchenwechsler und jene, die sich im Tourismus weiterbilden wollen, getrennt ausgewertet wurden. Interessanter Nebeneffekt dabei: die Ergebnisse weisen zwar Unterschiede auf, aber nur in geringem Maße. Das heißt, die Imagebewertung ist in jeder der Gruppen sehr ähnlich. Das wiederum läßt den Schluss zu, daß jene, die sich für den Tourismus entscheiden, so stark mit der Branche verbunden sind, dass sie die Negativa bewusst auf sich nehmen.

Zu Beginn aber einmal die positiven Aspekte: Erfreulichster Image-Output ist, dass die Branche bei allen Beteiligten im hohen Maße als weltoffen gesehen wird. Außerdem im grünen Bereich: die guten Aufstiegschancen und die abwechslungsreiche Tätigkeit. Schon ein bisschen schlechter, aber noch im Mittelmaß, liegen das Betriebsklima und die Höhe des Einkommens.

Viel Arbeit für wenig Geld
Die Alarmglocken sollten jedoch bei Betrachtung der Punkte „Familienfreundlichkeit“ und „Freizeit“ schrillen. Bei der Familienfreudlichkeit stimmte zwar der Großteil der Befragten mit „eher zutreffend“, doch der Anteil „wenig zutreffend“ und „nicht zutreffend“ ist augenfällig. Und bei der Abfrage „Wenig Freizeit“ liegt der Trend eindeutig bei „sehr zutreffend“. Das wird Branchenkenner nicht verwundern, immerhin ist der Tourismus dafür bekannt, eine hohe Abweichung zu den geregelten Arbeitszeiten von Montag bis Freitag zu haben. Dazu kommt, dass im Bereich Tourismus und speziell in der Gastronomie die häufigsten Übertretungen von arbeitsrechtlichen Bestimmungen zu verzeichnen sind, was die Diplomstudie im Punkt „Arbeitszeiten“ festhält. Zusätzlicher Punkt: Etwa 20 Prozent der Erwerbstätigen in Küche und Gastgewerbe leisten mehr als fünf Überstunden pro Woche – was die Sache nicht gerade besser macht.

Schlechte Praxiserfahrungen?
Trotzdem entscheiden sich viele Jugendliche für eine Tourismusausbildung, die zu einer der teuersten im österreichischen Schulsystem zählt. Grund dafür könnte das gute und breitgefächerte Bildungsangebot sein, das sicherlich auch für andere Branchen eine gute Ausgangsbasis ist. Vielleicht wurden aber die anfänglich motivierten und an der Branche interessierten Schüler im Laufe der Ausbildung samt Praxiserfahrung von der Realität überrollt. Immerhin kreuzten viele der bekennenden Branchenwechsler die Punkte „Arbeitsklima“, „Praxiserfahrung“ und „Persönliches Desinteresse am Tourismus“ mit „sehr zutreffend“ als Gründe gegen den Jobeinstieg an. Der Ausbildung selbst wird jedoch eindeutig ein durchwegs gutes Zeugnis ausgestellt. Die Tourismusfächer werden zumeist als „praxisorientiert“ bewertet und für den Job im Tourismus als sehr wichtig erachtet. Auch Deutsch, Betriebswirtschaftslehre, Volkswirtschaftslehre, gastgewerbliche Betriebslehre, Rechnungswesen und Textverarbeitung werden als „sehr wichtig“ für den späteren Job angesehen. Doch auch hier gibt es einen kleinen Wermutstropfen und Denkansatz: Die Sprachfächer werden von der Mehrheit als „eher theoretisch“ bewertet, was erkennen lässt, dass hier kein fächerübergreifender Unterricht vorliegen dürfte – was jedoch für eine fachspezifische Ausbildung absolut von Vorteil wäre.

Bilingualer Unterricht gefragt
Außerdem würden die Schüler einen bilingualen Unterricht in den Tourismusfächern (wie Tourismusgeographie, Verkehr & Reisebüro, Tourismus und Marketing) als auch bei den Ausbildungsschwerpunkten sehr begrüßen. Damit würden sich ihrer Meinung nach die Chancen am Arbeitsmarkt erhöhen.

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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