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Die Tequila-Padres

20.03.2018

Ausgerechnet fünf Österreicher wollen dabei mithelfen dem mexikanischen­ Nationalgetränk Tequila global zum Siegeszug verhelfen. Wie sie auf diese Idee gekommen sind und warum die „Gringos“ damit Erfolg haben (könnten).

Tequila-Produzent Hans-Peter Eder (links) und seine  mexikanische Frau Adriana mit ihrem Team in der Bar des Park Hyatt in Wien.

Die klassischen Assoziationen zu Tequila: eine Prise Salz, ein Biss in die Zitrone und runter mit dem Zeug. Und schon nach wenigen Runden verabschiedet sich der Kopf, bis er am nächsten Tag mit gehörigen Schmerzen wieder seinen Dienst antritt. Doch genau so sollte es eigentlich nicht laufen, erklärt Hans-Peter Eder, der mit seinem Nobel-Tequila namens Padre Azul den Gegenbeweis antritt. Noten von Schokolade, Vanille und ein leicht rauchiges Aroma erfüllen Mund und Nase. „Viel zu schade, um ihn wie einen Shot runterzustürzen“, meint Eder.  

Es war einmal

Doch wie kommt ein „Gringo“ aus Salzburg dazu, nicht nur Tequila zu importieren, sondern auch zu produzieren? Eder wollte sich gemeinsam mit vier Freunden einen Traum erfüllen. In diesem Traum geht es um die Lebensart Mexikos, die sich im echten Tequila widerspiegle. Zu der Idee hat ihn seine Ehefrau inspiriert. Und das ging so: 
Hans-Peter Eder verliebte sich in Heidelberg in die Mexikanerin Adriana Alvarez aus Guadalajara, unweit der Herzensregion des Tequila, und damals auf Sprachurlaub. Auch sie fand an ihm Gefallen, und als Hans-Peter seinen Antrittsbesuch bei ihrer Familie in Mexiko absolvierte, geschah das in einem großen Garten mit mehr als 200 Familienmitgliedern und Freunden und einem Schwiegervater, der es sich nicht nehmen ließ, mit dem Nationalgetränk auf das Glück seiner Tochter anzustoßen. So wurde die Feuertaufe zur Erweckungsstunde. Denn der Tequila hatte mit dem, was man bei uns unter der Bezeichnung kennt, nichts gemein. 
Die Idee, Tequila auch in unseren Breiten aus dem Schattendasein eines billigen Komabringers zu führen, war geboren. Zunächst wollte Eder hochwertigen Tequila aus Mexiko nach Österreich importieren und hier vertreiben. Daraus wurde nichts. Angestammte Händlerstrukturen und der Wunsch, das Qualitätslevel von Anfang bis zum Ende gewährleisten zu können, führten dazu, dass er selbst produzierte. 

Unter dem Schutz des Padre

An diesem Punkt kam Adrianas Vater ins Spiel. Ein gut vernetzter Geschäftsmann, der den Österreichern nicht nur dabei half, geeignete Agavenbauern und eine Destillerie zu finden, sondern auch den Dschungel zu durchdringen, der vor allem Ausländer gerne in Mexikos Wirtschaft umfängt. So gelang es, mit einer Destillerie ein spezielles Herstellungsverfahren zu entwickeln, das weit über die vorgeschriebenen Anforderungen hinausgeht. 

„Wir wollen die mexikanische Lebenskultur bekannter machen.“ 
Hans-Peter Eder, Tequilaproduzent und -Vermarkter

Tequila braucht Zeit

„Am wichtigsten ist die Zeit“, meint Eder, während er die Flüssigkeit sanft im Glas kreisen lässt. Mindestens acht Jahre müsse man die Agaven wachsen lassen, erst dann blühen und sammeln sie Zucker im blauen („azul“) Agavenherz. Dieses Herz wird bei Padre Azul länger und sanfter als üblich gekocht und destilliert. Das Ergebnis ist ein Tequila mit unzähligen Aromen. Bis zu 400 Mitarbeiter sind an der Produktion beteiligt, die bis zu den eigenen Fässern und der Lagerung laufend kontrolliert wird. Mit rund 100 Euro pro Flasche steuert Eder das High-End-Segment an. Der Totenkopf als Logo verwirrt auf den ersten Blick. Nein, der steht nicht fürs Komatrinken, sondern vielmehr für ewige Verbundenheit und Freundschaft, die der Totenkopf in Mexiko symbolisiert. 
Drei verschiedene Ausführungen konnten schon Preise bei internationalen Tastings gewinnen. Bereits in 19 europäischen Ländern ist der Padre Azul nach zwei Jahren Aufbauarbeit erhältlich. Zum Beispiel in Clubs auf Ibiza, in Marbella oder Monaco – wo der Preis bei den illustren Gästen nicht die entscheidende Rolle spielt. 
Das Padre-Azul-Team berät auch hiesige Barkeeper, die als Trendsetter beim Siegeszug des Tequilas als neues Hypegetränk (siehe S. 13) dabei sein wollen. Aber es geht Eder auch um die besondere Beziehung der Menschen in Mexiko, um das „Compadretum“, eine Art „Überfreundschaft“. „Qué padre“, ruft man in Mexiko, wenn man über etwas richtig begeistert ist. 

Autor/in:
Mag. Stephan Strzyzowski
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