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Ministerin Elisabeth Köstinger will die Agenden Tourismus und Landwirtschaft enger verschränken.

„Man darf nie aufhören, besser werden zu wollen“

14.06.2018

Die Bundesministerin für Nachhaltigkeit und Tourismus Elisabeth Köstinger im ÖGZ-Interview über die aktuellen Herausforderungen.

Sehr geehrte Frau Ministerin, Sie sind auf einem Bio-Bauernhof groß geworden – inwiefern prägt das noch heute Ihren Zugang zum Thema Landwirtschaft und Tourismus?
Elisabeth Köstinger: Meine Herkunft beeinflusst mich bis heute tagtäglich in meiner Arbeit. Landwirtschaftliche Produkte, heimische Kulinarik und die Pflege unserer Landschaft sind Grundkompetenzen der Landwirtschaft, die auch für den Tourismus wichtig sind. Im heimischen Betrieb habe ich diese Arbeit sehr früh hautnah mitbekommen und gesehen, mit wie viel Einsatz sowohl unsere Landwirte als auch unsere Touristiker jeden Tag ans Werk gehen.

Sie haben als junge Frau auch mal gekellnert. Was waren Ihre Erfahrungen?
Diese Erfahrung möchte ich in meinem Leben nicht missen. Ich habe viel gelernt, insbesondere was den Umgang mit Menschen und die betriebliche Praxis der Arbeitswelt anbelangt und dass man dann anpacken muss, wenn Arbeit zu erledigen ist. Außerdem hatte ich dann im Vergleich zu meinen Freunden ein bisschen Extra-Taschengeld zur Verfügung.

Warum ist die Kombination Tourismus und Landwirtschaft in einem Ministerium besser als Tourismus und Wirtschaft?
Tourismus ist weiterhin ein sehr wesentlicher Teil der österreichischen Wirtschaft und macht zusammen mit der Freizeitwirtschaft 16 % des Bruttoinlandsproduktes aus. Außerdem ist der Standort Österreich für den Tourismus ein entscheidender Faktor, da Abwanderung der Betriebe ausgeschlossen ist. Es gibt darüber hinaus sehr viele offensichtliche Synergien zur Landwirtschaft, und die wollen wir nutzen, damit uns unsere natürlichen Ressourcen, wegen denen alle Jahre viele Millionen Gäste zu uns kommen, lange nachhaltig erhalten bleiben.

Wenn Sie ein Unternehmen im Tourismus gründen würden – was wäre das?
Es gibt bereits sehr viele Musterbetriebe in Österreich, die auf nachhaltige und regionale Produktion ihrer Produkte achten und an ihre Arbeit täglich den Qualitätsanspruch stellen, der den österreichischen Tourismus international bekannt gemacht hat. Diese Betriebe vereinen Authentizität und Fortschritt. Das ist aus meiner Sicht der richtige Weg. Man darf nie aufhören, besser werden zu wollen.

Klimaschutz und Tourismus: Schließt sich das nicht eigentlich aus? Was kann Österreich hier tun?
Nein, das schließt sich nicht aus, ganz im Gegenteil. Klimafreundlichkeit und Nachhaltigkeit sind im österreichischen Tourismus schon lange ein Thema, da die Branche stark abhängig von natürlichen Ressourcen ist. Insbesondere in Bezug auf Mobilität, Investitionen und Betriebsführung gibt es viele Initiativen und Förderungen, um gemeinsam mit der Branche den Weg eines zielorientierten und verträglichen Tourismus in Österreich erfolgreich weiterzugehen. Jeder Wirtschaftssektor muss und wird seinen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Sei es beim Heizsystem, der Stromversorgung durch erneuerbare Träger oder bei der Mobilität. 

Wie können Sie als Ministerin Touristiker beim Thema Nachhaltigkeit unterstützen?
In unserem Ministerium gibt es viele konkrete Projekte und auch große Unterstützung zu diesem Thema. Das werden wir weiter intensivieren, da der Nachhaltigkeitsaspekt auch beim Endverbraucher weiter in den Vordergrund rückt. Diese Konzepte werden wir auf allen Ebenen, sowohl regional als auch national und im Rahmen der europäischen Ratspräsidentschaft Österreichs auf europäischem Niveau, weiter vorantreiben. Am wichtigsten ist kompetente Beratung. Wir müssen es den Menschen und Betrieben möglichst einfach machen, sich für Nachhaltigkeit zu engagieren und Dinge umzusetzen. 

Sie forcieren Regionalität in der Gastronomie. Würde dazu nicht auch eine Kennzeichnung der Herkunft der Lebensmittel gehören? Die Landwirtschaftskammer fordert das ja schon länger. Einige Gastronomen und Hoteliers tun das bereits – aber eigentlich viel zu wenige, verglichen mit dem Handel. Wird eine verpflichtende Kennzeichnung in Großküchen oder in Schulen und Kindergärten kommen?
Das ist ein sehr sensibles Thema. In mehreren strategischen Prozessen werden momentan eine sinnvolle und aussagekräftige Auszeichnungssystematik für heimische Produkte und Betriebe sowie deren direkte Auswirkungen auf den Tourismus genau erarbeitet. Wir werden dazu bald Vorschläge vorlegen können.

Viele Betriebe klagen über zu viel Bürokratie: Was planen Sie da, um die Gastronomen und Hoteliers zu entlasten? Können Sie hier überhaupt etwas tun? Fällt das in Ihren Zuständigkeitsbereich?
Es stimmt, dass der Tourismus gesetzlich weitestgehend in der Kompetenz der Bundesländer ist und in vielen übernationalen Entscheidungen von europäischen Richtlinien abhängt. Jedoch gibt es ein klares Bekenntnis dieser Bundesregierung unter der Federführung von Reformminister Moser, Überregulierungen abzuschaffen, bestehende Gesetze und Verordnungen auf ihre Relevanz zu prüfen und Übererfüllungen internationaler Richtlinien bei einem gleichbleibenden Qualitätsanspruch zu vermeiden. All diese Dinge gelten natürlich auch für mein Ressort. 

Sie arbeiten gerade an einem Masterplan für den Tourismus? Um was soll es da gehen? Wer diskutiert da wo mit? Kann man da als engagierter Touristiker mitmachen?
Die letzte strategische Beschäftigung mit dem österreichischen Tourismus als Gesamtprodukt liegt bereits fast zehn Jahre zurück. Seitdem haben sich die Rahmenbedingungen sehr verändert und als Grundlage für unsere Arbeit brauchen wir einen breit abgestimmten Gesamtplan zur Zukunft des österreichischen Tourismus. Es wird unter anderem fünf Schwerpunkte geben, die sich mit den Themen der Verbindung von Landwirtschaft und Tourismus, Investitionen, Marketing, Digitalisierung und der Entwicklung eines neuen Indikatorensystems abseits von Ankünften und Nächtigungen beschäftigen. In der Erarbeitung ist uns die Abstimmung mit der Branche und die Einbindung aller Beteiligten ein großes Anliegen, was in verschiedenen Prozessen möglich sein wird. 

Welche Rolle wird der Tourismus während der österreichischen EU-Präsidentschaft spielen? Können Sie da konkrete Punkte nennen?
Österreich findet bereits jetzt als Tourismusland international große Beachtung und nimmt mit der expliziten Verschränkung von Landwirtschaft, Nachhaltigkeit und Tourismus eine weitere Vorreiterrolle ein. Das wird sich während der Ratspräsidentschaft noch intensivieren. Konkret gibt es beispielsweise das 17. Internationale Tourismusforum Anfang Oktober, wo auf internationaler Expertenebene die Themen nachhaltiger Tourismus, das Reiseverhalten der Zukunft und vieles mehr diskutiert werden. Außerdem sind internationale Beziehungen für die Erschließung weiterer Märkte extrem wichtig, auch daran werden wir weiter arbeiten.

Autor/in:
Thomas Askan Vierich
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