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Industriedesign in der Stahlstadt: In der „Stadtliebe” ist jedes zweite bestellte Bier ein Craft-Bier.

Porträt: Stadtliebe auf der Landstraße

11.10.2016

Neues Restaurant in Linz: „Das Wichtigste in einem zeitgemäßen Lokal ist, dass der Gast experimentieren kann“. 

Craft Bier-Auswahl in der Stadtliebe.
Paul Gürtler und Kevin Groß.

Nach Anton, Josef und Paul’s kommt: die Stadtliebe. „Der Name war zweitrangig. Wir haben uns nebenbei immer wieder Namen aufgeschrieben. Am Schluss hatten wir eine Liste mit 40 bis 50“, erzählt Stadtliebe-Geschäftsführer Paul Gürtler im Gespräch mit der ÖGZ, „darauf waren Namen von ‚Brav‘ bis ‚Fette Henne‘“. Der Name „Stadtliebe“ fiel schließlich Fredl Pointner, dem ehemaligen Küchenchef des „Gelben Krokodil“, ein. „Stadtliebe. Das ist genau das, was wir mit dem Lokal sagen wollen: Wir sind ein urbanes Wirtshaus“, sagt Gürtler. Das Startbild auf der Homepage zeigt einen schick angezogenen, bärtigen Mann mit tätowierten Armen. Ein Bild, das die Stadtliebe charakterisieren soll: trendig, schick, jung, urban, etwas ausgefallen. „Es muss nicht immer alles Mainstream sein“, sagt Gürtler, selbst tätowierter Vollbartträger. 

Aufgesperrt hat das neue Lokal auf der Landstraße, der wichtigsten Linzer Einkaufsstraße, bereits im Juni, die offizielle Eröffnungsfeier fand am 6. September statt. Untergebracht ist die Stadtliebe im Ursulinenhof, im alten Gemäuer des ehemaligen Klosters war zuletzt das Lokal „U.Hof“. Hinter der Stadtliebe steht das gleiche Team wie hinter dem nach Koch Paul Gürtler benannten Paul’s: Gürtler und Edi Altendorfer, dazu Co-Geschäftsführer Kevin Gross.

Größte Craft-Bier-Auswahl

Was unterscheidet nun die Stadtliebe vom Paul’s? „Das Paul’s ist mehr Shabby Chic. In der Stadtliebe setzen wir auf Industriedesign“, erklärt Gürtler. Eisenketten fungieren als Raumteiler. „Das symbolisiert die Stahlstadt Linz.“ Architektonisch ist die Stadtliebe eine Mischung aus Café, Restaurant und Bar. Im Zentrum steht die große Schank, an der man aus zwölf Bieren vom Fass und über 60 Flaschenbieren wählen kann: die größte Auswahl an Craft-Bieren in Linz. 

Hahn in Most statt Brat-Hahn

„Die Gäste experimentieren gerne, sie probieren gerne durch“, sagt Gürtler, „das Wichtigste in einem zeitgemäßen Lokal ist, dass der Gast experimentieren kann.“ Mit einem Schmunzeln räumt Gürtler ein: „Freilich gibt es auch die, die Bier gegen den Durst trinken. Das ist auch unser Hauptgeschäft.“ Aber, so Gürtler, von hundert Gästen, die in der Stadtliebe Bier trinken, würden fünfzig ein Craft-Bier bestellen. Passend zum Craft-Beer gibt es Craft-Food. „Bei uns ist alles von Hand gemacht, wir arbeiten mit kleinen, lokalen Produzenten zusammen“, so Gürtler. Als Signature-Dish war der Brat-Hahn vorgesehen; männliche Exemplare von eierlegenden Hühner-Rassen, die sonst gleich nach der Geburt getötet würden. Das trockene, drahtige Fleisch der Brat-Hähne wurde von Gästen nicht goutiert, der Brat-Hahn wieder von der Speisekarte genommen. Aufgeben will die Stadtliebe den Hahn aber noch nicht. Statt dem Brat-Huhn kommt nun Hahn in Most auf die Karte. Die oberösterreichische Antwort auf Coq au vin. 

300 Sitzplätze in mehreren Räumen bietet die Stadtliebe, bei Schönwetter 200 im Innenhof. Raucherbereich gibt es keinen. Nicht aus Prinzip, sondern wegen der betrieblichen Gegebenheiten, versichert Gürtler. Auf die österreichischen Nichtraucherschutzgesetze ist er nicht gut zu sprechen, nennt sie „großen Blödsinn“. „Jeder soll selbst entscheiden, was er machen will. Die Bevormundung hat nichts mit freier Wirtschaft zu tun. Man macht sich ja in dem Glauben selbstständig, man kann sich selbst verwirklichen. Dann kommt der Gesetzgeber und haut dir den Hammer auf den Kopf.“

Text: Josef Schmidt

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