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Winterfreuden abseits von Skipisten in Kärnten: Der Weissensee.

Vom Tangram zum Slow Food

13.12.2018

Vor genau 30 Jahren wurde die Kärnten Werbung (damals Kärntner Tourismus Gesellschaft mbH, kurz „KTG“ genannt) aus der Taufe gehoben. Wir trafen uns mit dem heutigen Geschäftsführer Christian Kresse zum Hintergrundgespräch 

Christian Kresse (li) mit zwei seiner Vorgänger: Helmut Ellensohn und Ferdinand Posnik.

Damals wurden die Agenden des Landesfremdenverkehrsamtes aus der Kärntner Landesregierung in eine eigene Tourismus-Marketingorganisation ausge-gliedert. Die Gründungsväter der Kärnten Werbung sind der damalige Tourismuslandesrat und Landeshauptmann-Stellvertreter Harald Scheucher sowie der damalige Landesrat Max Rauscher. Die Geschäftsführung des neuen Unternehmens mit Sitz in Krumpendorf hatte bis 1991 Helmut Ellensohn inne. Er rief den noch heute verwendeten Kärnten-Schriftzug – damals mit Tangram – ins Leben. Heute verbindet dieses Logo über 630 Partner in einer Markenallianz. „Damit signalisieren wir Werte, die wir teilen“, sagt Christian Kresse.

Umzüge und Kärnten Card

Bis 2001 führte Ferdinand Posnik die Geschicke des Unternehmens. Von Krumpendorf ging es nach Velden, und die Organisation wurde in Kärnten Werbung Marketing & Innovationsmanagement GmbH umbenannt. In der Ära Posniks wurden die Kärnten Card ins Leben gerufen und bereits erste Schritte in Richtung Digitalisierung gesetzt. Die Kärnten Card hat sich gut entwickelt. Heuer wurde sie in die Wintersaison verlängert, um vor allem den sanften Tourismus abseits der Skipisten zu fördern. 37 beteiligte Betriebe hoffen auf Umsatzsteigerungen.
Auf Posnik folgte Werner Bilgram, der das Unternehmen von 2001 bis 2010 führte und den Standortwechsel in die Landeshauptstadt einleitete. Seit Jänner 2010 fungiert Christian Kresse als Chef der Kärnten Werbung. Sitz der Gesellschaft ist seit Juni 2013 Klagenfurt am Wörthersee.
Früher wurde das Logo der Kärnten Werbung öfter politisch missbraucht, erzählt Kresse. Das Eventmarketing der Kärnten Werbung wurde zur politischen Selbstdarstellung eingesetzt, Kärnten als Partyland positioniert. Darunter leide man noch heute. Jetzt sei die Kärnten Werbung politisch unabhängig und verfüge über eine sehr stabile Mitarbeiterschaft. 35 Menschen arbeiten für das Unternehmen mit einem Jahresbudget von 10,5 Millionen Euro.

Digitalisierung und Datenhoheit

Die Digitalisierung ist immer wichtiger geworden. Die Kärnten Werbung betreibt einen eigenen Adserver, um internationale Kampagnen zu koordinieren und zielgruppenspezifisch auszuspielen. Das macht das Datenmanagement zu einer zentralen Aufgabe. „Wir müssen Kontakte unserer Gäste und Viewer sammeln und nutzbar machen“, sagt Kresse. „Dann können wir auch die Conversion Rate erhöhen.“ Hotels bekommen die Ergebnisse dieser Datenanalyse, daraus ergeben sich Tipps, wie man den eigenen Webauftritt verbessern kann. 
Wichtig ist die Datenhoheit: Alle Daten werden von 17 Zulieferern (z. B. Feratel) einheitlich gesammelt, eingepflegt und täglich gesichert. „Das Wissen ist bei uns und nicht bei den Agenturen. Damit haben wir schon vor Jahren begonnen“, sagt Kresse. Damit kann man dann auch sprachgesteuerte Suchmaschinen wie Alexa füttern – auch wenn das noch kein zentrales Thema ist.

Internationale Märkte

Kresse sieht angesichts des aktuellen Booms im Tourismus die Gefahr, sich zu sehr auf die Nahmärkte zu verlassen. Das gilt auch für Kärnten. Deshalb sucht er auch jenseits eines 300-km-Radius nach neuen Gästen. „Zentral- und Osteuropa wächst am stärksten“, sagt er. „Auch Großbritannien und China sind lohnende Märkte.“ 

Nur: Wie soll man die ansprechen? Momentan tun das zum Beispiel am chinesischen Markt vier Bundesländer mit vier verschiedenen Agenturen. Da wünscht sich Kresse mehr Zusammenarbeit: „Je weiter entfernt die Märkte sind, desto mehr Abstimmung brauchen wir.“ Hier sei ein Konkurrenzdenken eher nicht förderlich. Bei den Nahmärkten bis nach Deutschland, Italien oder Zentraleuropa sei das allerdings unvermeidlich. Er hofft, dass solche Überlegen auch in den Masterplan Tourismus einfließen werden.

Kann Kärnten tatsächlich auch in Asien reüssieren? Ja, sagt Kresse. Und zwar bei der „Generation Two“, dem neuen Mittelstand. Die interessieren sich für die Großglockner-Hochalpenstraße, kommen auf ihrer Tour von Venedig nach Wien durch Kärnten und suchen nach interessanten Hochzeitslocations. Der Alpe Adria Trail sei auch in Korea bekannt. „Man muss sich da jetzt schon aufstellen, ein Beziehungsgeflecht knüpfen“, weiß Kresse. Das Geschäft in Asien hänge sehr von den handelnden Personen ab, deshalb müsse man vor Ort präsent sein. Und das müsse man koordinieren.

Geborgenheit und Regionalität

Generell suchten die Menschen heute Geborgenheit, Halt und Orientierung. Da könne Kärnten punkten. Der Slogan der letzten Jahre „Geschmack der Kindheit“ traf hier einen Nerv. 2019 wird es um Nachhaltigkeit gehen. „Hier können wir noch mehr abrufen und in die Auslage stellen.“ Daher die Idee mit Slow Food: die Slow Food Travel Region, die sich bis nach Mittelkärnten erweitern ließe. Und das Slow Food Village, das nicht nur ein touristisches Projekt ist. Hier geht es auch um die Selbstversorgung von Schulen und Kindergärten mit regio-nalen Produkten – nach dem Slow-Food-Motto „gut, sauber, fair“. Leider scheitere das noch oft am Preis. 2019 wird es erste Slow-Food-Hotels geben, und in Kärntner Tourismusschulen wird bereits gelehrt, was Slow Food ist und wo die Lebensmittel herkommen. 

„Das Prinzip muss Slow Food sein“, sagt Kresse. „Auch wenn nicht immer Slow Food draufsteht. Hier müssen wir noch mehr Impulse setzen, denn die Lebensmittelproduktion und der Vertrieb sind die Hauptverursacher des Klimawandels.“ Hier spricht nicht nur der Touristiker Kresse, sondern der Mensch Kresse, der sich seiner Verantwortung bewusst ist.

Autor/in:
Thomas Askan Vierich
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