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Zehn Fragen an die Politik

27.01.2006

Aus Anlass der Nationalratswahl 2006 hat die Österreichische Hoteliervereinigung (ÖHV) zehn wichtige Fragen und die entsprechenden Vorschläge für die Politik in ihrer „ÖHV-Wahlcheckliste 06“ formuliert.

Der Tourismus wuchs 2004 weltweit um zehn, in Europa um vier Prozent. Österreich hinkt dieser Entwicklung mit einem Wachstum von lediglich 1,2 Prozent hinterher. Vor allem im Sommertourismus verliert die Branche Marktanteile.
Schon um die derzeitige Auslastung der Hotelbetriebe zu halten, ist ein Nächtigungswachstum nötig, denn die Bettenkapazitäten steigen: in der Fünf- und Vier-Sterne-Hotellerie von 2002 auf 2004 um 9,2 Prozent. Diesem Wert steht eine Auslastungssteigerung von 2,6 Prozent gegenüber. „Wir müssen die Chancen des internationalen Tourismus verstärkt nutzen“, stellen die ÖHV-Präsidenten Peter Peer und Sepp Schellhorn klar. Dazu braucht die Branche ein klares Ziel und die Unterstützung der Politik.
140 Millionen Nächtigungen – das Ziel ist der Weg
Das klare Ziel der ÖHV – zu dem sich Bundesminister Martin Bartenstein, die Österreich Werbung (ÖW) und grundsätzlich die Tourismusverantwortlichen der Landestourismusorganisationen (LTOs) aller Bundesländer bekannt haben – lautet weiterhin: Die jährlichen Nächtigungszahlen bis 2010 mit zusätzlicher Wertschöpfung und positiven Effekten um 20 Prozent auf 140 Millionen steigern.
Die Fragen und Vorschläge der österreichischen Hotellerie an die Politik wurden von der ÖHV in der „ÖHV-Wahlcheckliste 06“ zusammengefasst, die auf dem ÖHV-Hotelierkongress in Saalfelden präsentiert wurde. Unter den zehn Fragen finden sich z. B. folgende Fragestellungen:
– Was werden Sie unternehmen, damit Österreich die Chancen des globalen Tourismus besser nutzen kann?
– Was werden Sie tun, um die föderalistischen Parallelstrukturen im Tourismus zu koordinieren?
– Wie werden Sie die Lohnnebenkosten senken?
– Werden Sie dem Ganzjahrestourismus eine Chance geben?
– Was werden Sie für den Tourismus-Arbeitsmarkt unternehmen?

35,2 Mio. Euro fließen in den deutschsprachigen Raum
„Wenn der österreichische Tourismus an die europäische Entwicklung anschließen will, müssen unter anderem die starke Abhängigkeit vom deutschen Markt und Doppelgleisigkeiten im Marketing beseitigt werden“, erklärt ÖHV-Präsident Peter Peer. Derzeit fließen laut ÖHV-Destinationsstudie 2006 (siehe Kasten) rund 35,2 Mio. Euro größtenteils unkoordiniert in den deutschsprachigen Raum (A, D, CH). Das sind 60,9 Prozent des gesamten direkten Marketingaufwandes von ÖW und den LTOs. Dieser betrug 2004 57,8 Mio. Euro. Nach Schätzung der ÖHV kommen dazu noch weitere 129 Mio. Euro von Leistungsträgern wie Hotels, Seilbahnen und Tourismusverbänden.
Marketing muss effizienter werden
Doppelgleisigkeiten ergeben sich, weil das Marketing für die österreichischen Destinationen einerseits durch die LTOs und andererseits durch übergelagerte (z. B. ÖW) und nachgelagerte Organisationen (z. B. Tourismusverbände) sowie durch die einzelnen Anbieter selbst betrieben wird. „Überlagerungen können aus unserer Sicht nur durch eine klare Abgrenzung der Zuständigkeiten zwischen ÖW und LTOs und durch einen bundesweiten Tourismus-Masterplan beseitigt werden“, so Peter Peer.
Die zahlreichen Strategiekonzepte der Bundesländer sollen nun in einen österreichweiten Tourismus-Masterplan unter der Verantwortung von Tourismusminister Martin Bartenstein einfließen. In der vom Wirtschaftsministerium geplanten Forschungsstudie „tourismusstrategische Ausrichtung 2015“ müssen alle Tourismusverantwortlichen und Opinion Leader eingebunden werden.
ÖW soll dort tätig werden, wo der Arm der Länder zu kurz ist
Der Vorschlag der ÖHV für die Aufgabenteilung zwischen ÖW und LTOs lautet, dass sich die LTOs verstärkt auf die Bearbeitung des deutschsprachigen Raumes konzentrieren sollen. Die ÖW sollte ihre Arbeit auf Märkten wie Italien, Spanien und Frankreich, im ostmitteleuropäischen Raum (Polen, Ungarn, Tschechische Republik etc.), im osteuropäischen Raum (Russland, Ukraine etc.) und in Nordeuropa intensivieren.
Nach Asien flossen nur 3,4 Prozent der Marketingmittel
In den west- und südeuropäischen Markt flossen 2004 vom gesamten direkten Marketingaufwand von ÖW und LTOs 19,1 Prozent (11 Mio. Euro), in den zentral- und osteuropäischen Raum 8,2 Prozent (4,8 Mio. Euro) und 2,2 Prozent gingen (1,3 Mio. Euro) nach Nordeuropa. In den Hoffnungsmarkt Asien flossen 3,4 Prozent (2 Mio. Euro), nach Amerika 3,2 Prozent (1,9 Mio. Euro) und nach Australien 0,5 Prozent (0,3 Mio. Euro).
Österreich braucht mehr internationale Gäste
Die starke Abhängigkeit von einem Quellmarkt – derzeit kommen knapp die Hälfte unserer Gäste aus Deutschland – ist gefährlich. Die ÖHV setzt sich deshalb für eine verstärkte Bearbeitung der internationalen Märkte ein – auch mit zusätzlichen finanziellen Mitteln. Sie plädiert für eine zweckgebundene Budget-Erhöhung der ÖW um 10 Mio. Euro jährlich.
Saisoniers schaffen Arbeitsplätze für Österreicher
Das ÖHV-Ziel „140 Millionen Nächtigungen bis 2010“ soll durch mehr Wachstum auch mehr Arbeitsplätze bringen. Mehr Arbeitsplätze für Österreicher entstehen nach Ansicht der ÖHV auch durch Saisoniers: „Die Rechnung, dass durch die Kürzung des Saisonierkontingents die Zahl der Arbeitslosen gesenkt werden kann, ist falsch: Saisoniers schaffen Arbeitsplätze für Österreicher. Denn für Hilfsarbeiten ist es schwierig, österreichische Mitarbeiter zu finden. Ohne Abwäscher gibt es aber keinen Koch und ohne Koch keine Service-Mitarbeiter. Wenn es jedoch zu wenig Saisoniers gibt, werden Arbeitnehmer aus dem EU-Markt geholt. Diese können – im Gegensatz zu Saisoniers – in den Zwischensaisonen die österreichischen Sozialleistungen in Anspruch nehmen.
Arbeitslosigkeit in der Zwischensaison muss nicht sein
Mit der Zahl der Arbeitsplätze im Tourismus (plus 11,4 Prozent von 1997 bis 2004) steigt auch die Anzahl jener Personen, die sich in den Zwischensaisonen arbeitslos melden müssen. Viele von ihnen verfügen über eine Wiedereinstellungszusage ihres Arbeitgebers. Die Arbeitslosenstatistik wird dadurch verfälscht. Zur Lösung dieses Problems verweist die ÖHV auf ihr Mitarbeitermodell „365 Tage Arbeit im Tourismus“, das es Betrieben ermöglichen würde, ihre Mitarbeiter trotz saisonaler Schließung ganzjährig zu beschäftigen (mit einer Lohn- bzw. Gehaltsstützung in der Anfangsphase). Die Regierung hat die Kombilohn-Idee aufgegriffen, denn vorerst werden Langzeitarbeitslose ein Jahr lang nach diesem System beschäftigt. Danach sollte das ÖHV-Modell umgesetzt werden.
Mitarbeiter kosten zu viel und verdienen zu wenig
Ein Küchenchef mit einem Bruttostundenlohn von 22,83 Euro erhält davon gerade einmal 11,67 Euro (51 Prozent). Schuld daran sind die hohen Lohnnebenkosten, die in Österreich deutlich über dem EU-Durchschnitt liegen. „Wir fordern daher eine Senkung der Lohnnebenkosten. Das ermöglicht höhere Löhne und stärkt die Wettbewerbsfähigkeit“, erklärt Sepp Schellhorn.

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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