Direkt zum Inhalt

Zu Gast im Kaffee-Mekka Bern

20.07.2006

Erstmals fand das internationale Speciality-Coffee-Event „World of Coffee“ in Bern statt. Die Veranstaltung umfasste vier Barista-Weltmeisterschaften, eine Ausstellung sowie ein umfangreiches Kongress- und Workshop-Programm. Davon ein kleiner Auszug.

Kaffee hat eine große Tradition. Seit einigen Jahren belebt der Kaffee einmal mehr unsere Geister der Zeit. Das Kaffeetrinken wird wieder mehr und mehr zu einem kulinarisch-kulturellen Ereignis. Gefragt sind nicht nur die „Einheitskaffees“ der Großröster, sondern immer mehr qualitätsvolle Sorten von Kaffee.
Qualitätssicherung
Insbesondere Brasilien, der weltweit größte Kaffeeproduzent und Kaffeeexporteur, hat früher durch Überproduktionen die Preise gedrückt. Natürlich kam nicht nur qualitätsvolle Ware auf den Markt, wichtig war nur, dass 100% Kaffee - egal welche Qualität - im Sack waren. Doch die Kaffeeindustrie wurde durch ihre Konsumenten zu Qualität gezwungen. „Viele Röster kauften in den Jahren 1990 bis 1995 direkt bei den Kaffeebauern und erhielten eine bessere Qualität“, weiß Christian Wolthers. In der Folge hat auch die Regierung Brasiliens den Zug der Zeit erkannt, setzt nun auf Kaffeequalität und hat dafür auch eigene Qualitätssicherungsprogramme eingeführt.
Indischer Kaffee
Auch Indien rüstet in Sachen Kaffee auf. Wer dachte, Indien sei ein Land der Teetrinker, der irrt. „Bereits seit dem 16. Jahrhundert gibt es in Indien Kaffee. Heute verfügt das Land über 178.000 Kaffeebauern, die rund 350.000 ha bewirtschaften“, berichtet Krishna Rau aus Indien. Angebaut werden sowohl Arabica, als auch Robusta. Das besondere Mikroklima Indiens mit seiner Höhenlage sorgt für ganz besondere Kaffeesorten, die gemeinsam mit Obst und Gemüse angebaut werden. Indien produziert jährlich 4,6 Millionen Sack Kaffee, wovon 3,6 Millionen exportiert werden. Somit zählt Indien zum sechstgrößten Kaffeeproduzenten der Welt. Die Hauptanbaugebiete sind Bababudangiris, Chikmagalur, Coorg, Bilgiris, Nilgiris, Wayanaad und Idukki. Viele Anbaugebiete haben ihre eigenen Marken und exportieren sie nach Europa. Neuerdings werden auch an der Ostküste Kaffeeplantagen angelegt.
Fair Trade
Unter dem Wort „Nachhaltigkeit“ sollen die Anbaubedingungen din den Produzentenländern verbessert werden. „Durch die politische, soziale und wirtschaftliche Instabilität mancher kaffeeproduzierender Länder wird die Investition in Infrastruktur, schulische und medizinische Betreuung verhindert. „Der Konsument erwartet eine verantwortungsbewusste Produktion und ist auch bereit für seinen Kaffee mehr zu bezahlen, denn Kaffeekultur geht nicht über den Preis, sondern über die Qualität“, ist Enrico Pacorini aus Italien überzeugt. Die Produktion von fair gehandeltem Kaffee liegt derzeit bei über 133.000 Tonnen und soll bis Ende 2006 auf 188.000 Tonnen anwachsen. Fair gehandelter Kaffee muss auch von Bio-Kaffee unterschieden werden. „Immer wieder glauben Konsumenten, Röster und Cafetiers, dass fair gehandelter Kaffee gleich zu setzen ist mit Bio-Kaffee“, meint M. Fürst von Naturland in Deutschland. „Kaffee ist noch kein Bio-Produkt wie Gemüse oder Fleisch. So beträgt laut Studien aus dem Jahr 2002 der Anteil von Bio-Kaffee am Gesamtkaffeekonsum in Dänemark 2,8 Prozent, in Österreich 2 Prozent oder 1.035 Tonnen und in Deutschland nur 1,2 Prozent. Die Anbaufläche von Bio-Kaffee beträgt weltweit 10 ha“, so Fürst. Kaffee ist für die Konsumenten noch kein typisches Bio-Produkt, daher muss in Zukunft noch viel Überzeugungsarbeit geleistet werden.
Cappuccino-Geschichte
Der britische Historiker Jonathan Morris erzählte zum Abschluss des Kongresses noch die kurze Geschichte des Cappuccinos. Die Italiener waren zunächst skeptisch gegenüber Kaffee mit Milch. Ist der Cappuccino also doch keine italienische Erfindung? Der echte Cappuccino geht auf die Habsburger zurück. In Ungarn wurde der Kapuziner erfunden - schwarzer Kaffee mit Schlagobers. In London in Soho wurde 1954 Milch mit einem Rasiergerät geschäumt, dem Filterkaffee oder Espresso beigemengt und somit der britische Cappuccino erfunden. Heute wird die Milch mittels einer Dampfdüse geschäumt und kunstvoll aus dem Milchkännchen in den Espresso gelehrt. Noch heute unterscheidet man in Österreich zwischen dem italienischen Cappuccino mit Milchschaum und dem Wiener Cappuccino mit Schlagobers.

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
Werbung

Weiterführende Themen

Wein
18.11.2020

Sogar der Gesetzgeber verleiht einer heimischen Paradedisziplin Auftrieb: Es „muss“ längst nicht mehr Süßes sein, zu dem man Auslesen, Trockenbeerenauslesen oder Eiswein reicht.

Wein
18.11.2020

Kalk oder Schiefer? Die beiden Gesteine prägen die Weingärten rund um den Leithaberg. Doch man muss kein Geologe sein, um die Mineralität der Weißweine von hier zu schätzen.

Wein
18.11.2020

94 Prozent aller Blaufränkisch-Reben stehen im Burgenland. Vom „Einheitsstil“ ist man aber weit entfernt. Im Gegenteil: Für Sommeliers sind die herausgekitzelten Nuancen der unterschiedlichen ...

Gastronomie
18.11.2020

Das Portal restaurant.info hat es sich zum Ziel gesetzt, ein möglichst umfangreiches Verzeichnis von Gastronomiebetrieben aus ganz Österreich anzubieten, die ihre Speisen auch zum Abholen oder ...

Wein
18.11.2020

Lasst die Korken knallen: Im letzten Quartal wird mehr Schaumwein getrunken als in den neun Monaten davor. Es liegt an der Gastronomie, dem Gast das Beste anzubieten – Durst auf Prickelndes hat er ...

Werbung