Direkt zum Inhalt

Zukunftsperspektiven rund um den boomenden Flughafen Wien

20.09.2004

Der Vienna International Airport (VIE) boomt. Die Passagierzahlen wachsen heuer mit zweistelligen Raten in den Himmel und auch der Geschäftserfolg kann sich sehen lassen. Weil die Kapazitätsgrenzen beinahe schon gesprengt sind, wird massiv ausgebaut.

Mit dem Projekt SKYLINK sollen bis 2008 rund 22 Millionen Reisende abgefertigt werden können, als Verbindung zwischen VIE und Wien soll zunehmend der seit September 2003 eingesetzte City Airport Train (CAT) genutzt werden.

Seit Jahren werden bei den Passagierzahlen hohe Wachstumsraten erzielt, im laufenden Jahr betrug das Plus bisher stolze 19-20%. Für das Gesamtjahr 2004 rechnet Kaufmann mit ca. 14,7 Millionen Passagieren nach 12,8 Millionen im Jahr 2003 (Zuwachs im Jahresvergleich rund 15%).

Osteuropa, Low-Cost-Carrier und Langstrecke als „Driver“

Nachdem die Kapazitätsgrenzen erreicht sind, ist nun das Großprojekt "SKYLINK 2008“ angelaufen. In rund 4 Jahren sollen 22 Millionen Reisende abgefertigt werden können. Die massiven Um- und Ausbaumaßnahmen würden zwar manche Probleme verursachen, räumt Kaufmann ein, man versuche sie aber zu minimieren.
Aktuell findet der VIE mit den vorhandenen zwei Pisten noch das Auslangen. Falls aber die mit dem Flughafen in Bratislava angestrebte Kooperation nicht zustande komme, werde bis 2010 eine dritte Piste erforderlich sein, meint Kaufmann, Vorstandssprecher der Flughafen Wien AG.

Für das massive Wachstum macht Kaufmann allen voran drei „Driver“ aus: das Osteuropageschäft, die Low-Cost-Airlines, und die Langstrecke. Beim Osteuropageschäft betrug das Plus im Jahresvergleich heuer schon rund 25 Prozent. Die Billigflieger - 2003 mit einem Anteil von knapp sechs Prozent am Verkehrsaufkommen – legten bis dato auf zwölf Prozent zu. Unter der ständig wachsenden Zahl kommen der Air Berlin (5% Marktanteil) und der mit ihr verbundenen Fly Niki (2 %) besondere Bedeutung zu. Die Langstrecke schließlich, vor allem in den Fernen Osten, wuchs im ersten Halbjahr um rund 28 Prozent.

Mittlerweile liege der Transferanteil bei rund 35%, das Angebot gehe weit über den Bedarf der unmittelbaren Region hinaus. Als Mitbewerber im Transfergeschäft gelten vor allem München, wo es noch viel freie Kapazitäten gibt, im reduzierten Ausmaß auch Prag (eher für das SkyTeam). Bratislava will Kaufmann trotz der deutlich geringeren Größe nicht unterschätzen (0,8 Mill. Passagiere 2004), spricht sich dabei für eine Kooperation und eine Abstimmung der Investitionen aus. Bei der Privatisierung nächstes Jahr wolle man mit Sicherheit dabei sein, stellt er fest.

Als konkrete Zahlen für das erste Halbjahr nennt Kaufmann 6,7 Millionen Passagiere (+18,9%), dabei seien 152 Liniendestinationen im Programm. Der Mix Charter und Linie liege bei 8% zu 92%. Alleine an Osteuropafrequenzen gebe es 481 pro Woche, womit der VIE nach Frankfurt an zweiter Stelle stehe.

Als Strategie für die Zukunft will Kaufmann das Wachstum nutzen, das Ausbauprogramm vorantreiben, dabei aber nicht über dem Bedarf investieren. Ein besonderes Anliegen sei dabei die Beibehaltung der noch relativ kurzen Umsteigezeit. Sie sei besonders für die Airlines, aber auch für Passagiere wichtig. Aktuell könne der VIE die rund halbe Stunde gerade noch einhalten, brauche aber Maßnahmen, um diese kurze Zeitspanne Anspruch auch in Zukunft gewährleisten zu können.
Hinsichtlich der Tarife ordnet Kaufmann den VIE im Mittelfeld ein, weist auf die teure Unterstützung für den Transferverkehr hin und will dennoch bis 2007 für die Airlines um 15% billiger werden. Finanziert werden sollen die Preisreduktionen im Rahmen von 20-30 Mill Euro vor allem durch das Wachstum.

20 Millionen Passagiere bis 2010

Bis 2010 erwartet Kaufmann - vorsichtig geschätzt - 20 Mill. Passagiere und will deshalb massiv das Ausbauvorhaben vorantreiben. Zwischen 2004-2008 sollen 722 Mill. Euro investiert werden, vor allem in die Terminalerweiterung, aber auch in andere Projekte.
Aktuell geht der Bau des 109 Meter hohen Towers in die Endphase, die Fertigstellung soll bis Mai 2005 erfolgen. Gebaut werden zudem ein „Office Park“ (40% Eigennutzung, der Rest der hochklassigen Büroräume zur Vermietung; 52 Mill. Euro Investitionen), ein unterirdischer Durchgang zum Terminal (schon fertig), ein neues Air Cargo Center und ein Handlingcenter West (zusätzliche 12.000 m2 Cargo Handlingfläche; erste Phase bis Okt 2005), das besonders für die Spediteure von Bedeutung sein soll.
Als weitere Projekte laufen die Bahnhofserweiterung des Flughafens (fernzugtauglich) sowie ein neues General Aviation Center (bis November 2005).
Das größtes Projekt „Skylink“ soll je nach der Verkehrsentwicklung vorangetrieben werden, wobei jetzt schon klar ist, dass Phase 1 und 2 in einem Schritt gebaut werden.

Stolz zeigt sich Kaufmann besonders über die Pläne zur Bewältigung des „Wiener Problems“ Schengen. Die bisher getrennten "Schengen"- und "Non-Schengen"-Bereiche (ohne bzw. mit Passkontrolle) sollen in Zukunft flexibel gehandhabt werden. Jedes Gate kann dann sowohl mit als auch ohne Passkontrolle betrieben werden, die Passagierströme werden je nach Destination auf insgesamt drei Ebenen getrennt. Das werde einen guten Passagierfluss gewährleisten, so Kaufmann. Auch Flugzeuge müssen dadurch nicht mehr umgeparkt werden, wenn sie ihre Destinationen vom einen zum anderen Bereich wechseln.

CAT-Sprung zum Flughafen

Im Anschluss an die Ausführungen des VIE-Chefs berichtete DI Walter Bogad, Geschäftsführer CAT, über die Entwicklung des noch jungen City Airport Train (CAT).
Gemeinsam sei es dem VIE und den ÖBB gelungen (50,1 bzw. 49,9%-Anteil am CAT) gelungen, eine Verbindung zu schaffen, die weit mehr bietet als die Schnellbahn.
Mit dem „schönen grünen Zug“ (Bogad), Jet-Ambiente, „First Class”-Sitzen in modernen Doppelstockwaggons wurden seit dem 14. September 2003 knapp 300.000 Passagiere transportiert, der Anteil der Schiene von ca. 7 auf 14% verdoppelt (rund 7% Schnellbahn, knapp 7% CAT)
Der CAT fahre 365 Tage im Jahr zwischen 05:37 und 23:36, sei mit U-Bahn, Bus und Taxi hervorragend erreichbar. Während der Fahrt sorgen Infobildschirme für Programm und Information (über Abflugzeiten), in nur 16 Minuten sei der Flughafen erreicht.
Als besonderes Asset nennt Bogad, dass man das Gepäck bereits im Bahnhof Wien-Mitte einchecken kann. „Gerade in den Sommermonaten, wo man am VIE lange Warteschlangen in Kauf nehmen musste, wurde dieses Angebot besonders geschätzt“, so Bogad. Mittlerweile reicht es, dass man 75 Minuten vor dem Abflug eincheckt. Der City-Ceck-In ist zur Zeit für alle Star-Alliance-Partner sowie für Air Berlin und Fly Niki möglich, wobei Bogad auf die Nutzung des Angebots durch viele weitere Airlines hofft.

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
Werbung

Weiterführende Themen

Gastronomie
29.10.2020

Rund um uns herum muss die Gastronomie entweder völlig schließen oder hat mit einem Ausgehverbot zu kämpfen. Es ist abzusehen, dass das bei uns auch kommt. Die Frage ist nur noch wann

Sollen die Herkunft von Lebensmitteln auch in der Gastronomie gekennzeichnet sein?
Gastronomie
29.10.2020

Die Forderung nach einer verpflichtenden Lebensmittelkennzeichnung in der Gastronomie ist ein heiß diskutiertes Thema. Wir wollen wissen, wie Sie darüber denken.

Gastronomie
29.10.2020

ÖGZ-Umfrage: Die Forderung nach einer verpflichtenden Lebensmittelkennzeichnung in der Gastronomie ist ein heiß diskutiertes Thema. Wir wollen wissen, wie Sie darüber denken.

Hotellerie
28.10.2020

Rette sich wer kann: In Deutschland wird gerade der Lockdown beschlossen, in Österreich droht demnächst Ähnliches.

vlnr: Christoph Schmuck (Eigentümer Forsthofgut), die Rising Stars (Lehrlinge) Philip Nadhera (17 Jahre) und Omid Hassani (Lehrling 20 Jahre), Georg Pastuszyn (Eigentümer und GF Das Capri), Hans Peter Oberhuber (HR Leiter Forsthofgut)
Hotellerie
27.10.2020

Das Wiener Hotel Das Capri schickt drei Lehrlinge ins Forsthofgut nach Leogang, um dort trotz vorübergehender Schließung ihre Lehre fortsetzen zu können

Werbung