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Leopold Wedl und sein designierter Nachfolger Lorenz Wedl.

Zukunftspläne bei Wedl

10.10.2016

Nach langer Pause präsentierte sich dasHandelshaus Wedl wieder auf der FAFGA. Dabei wurde auch die designierte Nachfolgergeneration vorgestellt.
 

Messedirektor Christian Mayerhofer kündigte es bereits im Vorfeld der FAFGA an: „Das ist ein Imagegewinn und bringt eine neue Dynamik in die Fachmesse.“ Er meinte damit den Zugewinn des neuen Kooperationspartners Wedl. Über viele Jahre hatte das Milser Traditionsunternehmen die Tiroler Fachmesse für Gastronomie, Hotel und Design gemieden. Aus nachvollziehbaren Gründen. „Wir waren vor etwa fünfzehn, zwanzig Jahren auf der FAFGA vertreten. Die Messe wurde aber immer schwächer“, merkt Leopold Wedl im ÖGZ-Interview kritisch an. 

Comeback aus guten Gründen

Mittlerweile habe die FAFGA aber wieder aufgeholt. Deshalb habe man das Kooperationsangebot der Innsbrucker Messe angenommen und die bisherige Wedl Haus- bzw. Herbstmesse vom C+C Markt in Innsbruck beim DEZ auf das Innsbrucker Messegelände transferiert. Mit dem erklärten Ziel, Neukunden aus der Hotellerie und Gastro-nomie zu gewinnen. „Wir haben auf unserer Herbstmesse im letzten Jahr im C+C Markt 400 kaufende Kunden gehabt. Diese Zahlen wollen wir verdoppeln“, so Lorenz Wedl. Weiters erhoffe man sich von der FAFGA „nicht sofort in bare Münze umsetzbare, aber ebenso wertvolle Messeffekte wie eine gute Promotion, Imagepflege, Networking, Beratung und Anbahnung. Für die Teilnahme hätten auch ihr starker regionaler Charakter hinsichtlich Aussteller und Fachpublikum gesprochen. „Das ist für uns auch das wesentliche Differenzierungsmerkmal zur GAST, wo man auf sehr viel nationales und internationales Publikum trifft“, meint Lorenz Wedl.
Am ersten Messetag befragt, bilanzierten der designierte Handelshausnachfolger und sein Vater Leopold Wedl im ÖGZ-Gespräch positiv: „Die Frequenz ist sehr gut. Die Rückmeldungen der Aussteller sind erfolgsversprechend.“ Gefühlsmäßig könne man sagen, dass man auch nächstes Jahr wieder auf der FAFGA vertreten sein werde. Eine nachhaltige Partnerschaft sei vorstellbar. Am letzten Messetag lautet die Bilanz: „Wir sind mit dem Messeverlauf sehr zufrieden. Die Besucherfrequenz und -qualität lag über unseren Erwartungen, und wir hatten mehr kaufende Kunden als bei unserer hauseigenen Herbst-Messe. Als positiv beschreibt Lorenz Wedl den Umstand, dass man auf der FAFGA wesentlich mehr Platz für die Präsentation des Wedl-Sortiments im Food- und Nonfood-Bereich gehabt habe und damit auch den Besuchern einen echten Mehrwert bieten konnte. Leopold Wedl kündigte an, die 1.500 Quadratmeter Ausstellerfläche eventuell sogar ausbauen zu wollen. 
Mit der Rückkehr auf die FAFGA erweitert das Handelshaus Wedl übrigens seinen Messereigen. Bisher war man in Salzburg, Kärnten und Bozen aktiv. Die Haus- bzw. Herbstmesse im C+C-Markt in Innsbruck dürfte dagegen ausgedient haben. Mit den insgesamt 60 Ausstellern waren auf der Wedl-Herbstmesse rund 200 Messebetreuer vertreten. An Ausstellern vertreten waren u. a. Red Bull, Brau Union, Unilever, Barilla, etc. Von den insgesamt 60 Ausstellern wären drei bis vier von vornherein auf der FAFGA vertreten gewesen. „Die konnten wir überzeugen, dass es sinnvoll ist, sowohl auf der FAFGA als auch auf unserem Messeareal vertreten zu sein. Alle anderen Aussteller waren zwar für uns nicht neu, aber für die FAFGA“, erklärt Lorenz Wedl.

Nachwuchs übernimmt Ruder

Lorenz Wedl unterstützt seit Jänner 2016 gemeinsam mit Klaus Mantl (Sohn einer Wedl-Cousine und derzeit Logistikchef) die Geschäftsführung des Handelshauses Wedl. Die beiden Junior-Chefleute werden in zwei bis drei Jahren das Ruder übernehmen. Derzeit werden dafür strukturell die Weichen gestellt. Zum einen werde man im Bereich Spezialitäten das Sortiment vertiefen. „Das ist ein klarer Trend, den wir sehen. Wir müssen aber auch gleichzeitig schauen, wo wir reduzieren, denn auch in den Lagern sind die Regale nicht aus Gummiband“, betont Leopold Wedl dazu. Im Bereich Onlineshop und Social Media habe man sich bereits gut aufgestellt. „Den Anteil am Onlinehandel, der jetzt bei 25 % liegt, wollen wir in den nächsten drei Jahren auf 50 % erhöhen und unseren Onlineshop kräftig ausbauen.“ Daraus ergebe sich der Vorteil, dass die Außendienstmitarbeiter mehr Zeit für Spezialitäten hätten. „Unsere Außendienstmitarbeiter sind keine Bestellabholer, sondern Fachexperten, die unsere Kunden auch beraten“, ergänzt Lorenz Wedl. 
Eine von Wedl selbst in Auftrag gegebene Trendstudie unter Gastronomen zeigt, dass Saisonalität, Frische und Regionalität der Produkte große Relevanz haben. „Auch vegan rangierte zu unserem Erstaunen in der Trendskala ganz vorne“, erläutert Leopold Wedl. Er glaubt aber nicht daran, dass vegan ein überragendes Segment werden könnte, es dürfe aber auf keiner Speisekarte fehlen und finde sich daher im Wedl-Sortiment wieder. Lorenz Wedl geht noch einen Schritt weiter: „Wir sehen uns auch als Dienstleister. Viele kennen sich noch nicht so gut aus im veganen Bereich. Da wollen wir nicht nur das passende Sortiment anbieten, sondern auch beraten.“ Auch der Bereich Logistik sei ein großes Thema angesichts der Entwicklung im Onlinehandel. „Der Zustellabsatz wächst kräftig, dementsprechend investieren wir in unseren Fuhrpark“, merkt Lorenz Wedl an. Man sei bereits auf 120 LKW in Österreich und weiteren knapp 30 in Italien angewachsen. 
Der Hauptzielgruppe Gastronomie und Hotellerie wolle man in Zukunft noch mehr Augenmerk schenken. Schon jetzt ist diese Zielgruppe im Handelshaus Wedl stärker als der Lebensmittelhandel. „Der Nah-und- Frisch-Bereich stagniert, in der Gastronomie verzeichnen wir zweistellige Zuwächse“, so Lepold Wedl. Für die Nachfolgegeneration im Hause Wedl gibt es also einiges zu tun. Leopold Wedl selbst kündigte im ÖGZ-Interview an, sich nach Übergabe des Handelshauses Wedl auf seine anderen Firmen (insgesamt 31 an der Zahl) konzentrieren zu wollen. Da gäbe es genug zu tun. Keine diese Firmen bilanziere negativ. „Dennoch bin ich mit meinem Leben unzufrieden, nicht mehr geschaffen zu haben“, kokettiert Leopold Wedl schmunzelnd mit seiner erfolgreichen Lebensbilanz. Stolz mache ihn auch, dass das Tiroler Handelshaus als „österreichischer Familienbetrieb“ mit den Big Playern Metro, AGM und Transgourmet konkurriere.

Autor/in:
Barbara Egger
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