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Zusatzstoffe versprechen eine effektivere Kunstschneeproduktion. Tirol setzt aber auf sein "Reinheitsgebot" und sieht Umweltbedenken nicht ausgeräumt.

Zusatzstoffe im Kunstschnee? Tirol sagt: nein!

16.08.2018

Aufregung um den Einsatz von Zusatzstoffen bei der Kunstschneeproduktion. Die Seefelder Seilbahnen erstreiten sich die Verwendung vor Gericht - machen nach Druck aus Politik und Branche aber einen Rückzieher.  In der Schweiz wird „Snomax“  eingesetzt.

Screenshot der Website von snowmax

Soll auf Tiroler Skipisten dem Kunstschnee ein Zusatzstoff beigemengt werden dürfen? Die Seefelder Bergbahnen hatten sich vor wenigen Tagen vor dem Landesverwaltungsgericht (LVwG) das Recht dazu erstritten, den auf Eiweißstoffen basierenden Zusatz „Snomax“  einsetzen zu dürfen. Das soll mehr und vor allem länger haltbaren Kunstschnee bringen, so verspricht es der US-Hersteller auf seiner Website. Eine willkommene Innovation für die durch Klimawandel gebeutelte Branche?

Gericht: ja, Politik: nein

Keineswegs. Nachdem das Gericht -  anhand der derzeit vorliegenden (spärlichen) wissenschaftlichen Erkenntnisse zum Einsatz von „Snomax“ - dessen Unbedenklichkeit für Mensch und Umwelt feststellte, folgte prompt das "politische Bekenntnis" der aus ÖVP und Grünen bestehenden Landesregierung, auch in Zukunft auf jeglichen Zusatz bei der Schneeerzeugung verzichten zu wollen.

Wie man das erreichen will? Landeshauptmann Günter Platter kündigte an, die Infrastrukturförderungen entsprechend anzupassen: „Wir werden in der künftigen Richtlinie keine Infrastrukturförderungen etwa für Seilbahnen mehr gewähren, wenn außer Wasser und Luft künstliche Zusatzstoffe zur Beschneiung verwendet werden." Volle Unterstützung hierfür kommt auch vom Verband der Seilbahnen. Mit dem Einsatz von Zusatzstoffen sei eine rote Linie überschritten, so Seilbahn-Obmann Franz Hörl.

Tiroler „Reinheitsgebot“

Was dahinter steckt: Die Seilbahnen befürchten offensichtlich einen Imageschaden für das Tourismusland, der durch den Einsatz von Zusatzstoffen entstehen könnte. Darum spricht man jetzt in Tirol vom „Reinheitsgebot“ in der Schneeerzeugung.

Der Vergleich mit dem Bierbrauen scheint zwar weit hergeholt, aber hat anscheinend eine überzeugende Wirkung: Nach einer Unterredung mit Landeshauptmann Platter kündigten die  Seefelder Bergbahnen an, auf ihr eben erst erstrittenes Recht auf den Einsatz von „Snomax“ verzichten zu wollen. Letztlich viel Aufregung um nichts? Offensichtlich ist man sich auch anderswo nicht ganz einig, ob Zusatzstoffe wie „Snomax“  ein Heilsbringer für die Tourismuswirtschaft oder eine Umweltbedrohung sind. Während „Snomax“ in Bayern verboten ist, wird es laut „Wiener Zeitung“ in der Schweiz breit eingesetzt.

Autor/in:
Daniel Nutz
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