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Zustellung, Regionalität, Einkaufserlebnissse: Trends im Gastro-Großhandel

29.06.2016

Was wird bei immer mehr Zustellung aus den C+C-Märkten? Was sind Foodtrends? Wer bietet was neu an? Wir haben alle großen Player in Österreich gefragt.

Alle Gastrogroßhändler berichten von deutlich steigenden Zahlen bei der Zustellung, während der C+C-Bereich stagniert. Das Handelshaus Kiennast in Gars am Kamp konzentriert sich mit der Vertriebsschiene Eurogast Kiennast vollständig auf die Zulieferung, Kröswang aus Grieskirchen hat nie etwas anderes gemacht. Alle bauen auch ihre Online-Präsenz aus – viele mit neuem Webauftritt (z. B. Eurogast im Herbst) und/oder renoviertem Webshop. Bei Transgourmet werden schon 60 Prozent des Bestellvolumens elektronisch übermittelt, beinahe jede zweite Zustellung wird online geordert. 

Persönliche Beratung

Dennoch bleibt die Beratung wichtig. „Wir beobachten, dass die Bestellung per Telefon noch immer sehr beliebt ist“, sagt Leopold Wedl. „Das zeigt, dass die Nähe zum Kunden essenziell ist. Deshalb legen wir auch großen Wert auf den persönlichen Kontakt durch unsere Außendienstmitarbeiter. Auch diese Beratungsgespräche haben sich verändert – ging es vor einigen Jahren noch mehr um die Bestellung selbst, übernimmt der Außendienstmitarbeiter heute eine große Vertrauensrolle und nutzt die verbleibende Zeit, um dem Kunden individuelle Lösungen für die Ansprüche seiner Gäste zu präsentieren.“ „Der Kunde erwartet sich bei der Abholung wie auch bei der Zustellung kompetente Fachkräfte, die optimale Beratung garantieren“, sagt Josef Pirker, Geschäftsführer von AGM. „Deshalb leistet sich AGM 900 fachkundige Mitarbeiter an 19 Standorten. Und Dienstleistungen wie die Bestellung rund um die Uhr oder eine Liefergarantie innerhalb von 24 Stunden in vereinbarten Zeitfenstern von 90 Minuten.“
 „Die Abholmärkte werden für unsere Kunden weiterhin als wichtiger Nahversorger im C+C-Bereich zur Verfügung stehen. Die Nachfrage ist weiterhin hoch, und viele Kunden bevorzugen es, in den Markt zu gehen“, sagt Pirker. Sein Kollege Peter Buchner ergänzt: „Es gibt nach wie vor eine Kundenschicht, die lieber direkt im Markt die gewünschten Produkte aus unserem umfangreichen Frischebereich selbst aussucht sowie aus unserem Aktionsprogramm wählt.“ Auch Transgourmet setzt mit seinen acht Abholmärkten und vier mein c+c Märkten auf Nahversorgung. Transgourmet sieht sich auch als „Ideengeber für die Gastronomie“. Es werden sogenannte Cook’s Tables, wo sich die Spitzenköche von Cook2.0 Exquisit einen Nachmittag lang einem Spezialthema widmen, abgehalten. „Die speziell für die heimische Gastronomie entwickelten Services und Angebote Cook2.0 Exquisit, Trinkwerk und Java Premiumcafé boomen“, sagt Geschäftsführer Thomas Panholzer. „Diese Spezialangebote heben uns vom Mitbewerb ab und tragen wesentlich zur Kundenbindung bei. Damit sind wir nicht nur Anbieter, sondern vor allem auch Problemlöser für unsere Kunden.“ 
Metro arbeitet mit Start-ups wie Orderbird oder Food Notify zusammen, die Lösungen entwickeln, um die Gastronomen nicht nur beim Einkauf, sondern auch in den restlichen Prozessen und Abläufen ihres Tagesgeschäfts zu unterstützen. Kastner kooperiert mit Start-ups für seinen Webauftritt und bei diversen Onlineshops oder um den 3D-Lebensmitteldrucker Bocusini als Erster anbieten zu können. Transgourmet (damals noch C+C Pfeiffer) präsentierte bereits im Oktober 2014 ein Software-System, mit dessen Hilfe es Gastronomen möglich ist, die vorgeschriebene Allergieauszeichnung unkompliziert umzusetzen. Die Lösung wurde gemeinsam mit dem Partner „Solutions for Chefs“ erarbeitet und steht exklusiv Transgourmet-Kunden zur Verfügung.

Erlebnis Einkauf

Eurogast investiert trotz steigender Zahlen in der Zustellung gezielt in seine Abholmärkte: „In Zukunft werden die C+C-Märkte zur Visitenkarte des Unternehmens. Wir wollen uns damit mehr in Richtung Lebensmittelfachhandel/Genussmarkt entwickeln, um damit für breite Kundenschichten attraktiv zu sein“, heißt es aus dem Unternehmen. Es gehe dabei weniger um den Einkauf selbst als um das Erlebnis beim Einkauf. Eurogast Wörgl gilt als Pilotprojekt, dieser wird gerade zu einer „Genusswelt“ umgebaut, die wegweisend für die künftige Gestaltung der C+C-Märkte sein soll. 
Auch Metro plant in dieser Richtung: „Wir wollen und werden ein attraktiveres Einkaufserlebnis UND erhöhte Kundenorientierung/-betreuung in den Großmärkten bieten. Themen wie Frischemarktplatz, Instore-Kundenbetreuung und Showküche sind beispielsweise für den neuen Großmarkt in St. Pölten in Planung“, sagt Unternehmenssprecherin Andrea Ableidinger. 
Kastner führt Schritt für Schritt ein neues Shopdesign in seinen Märkten ein: Krems und Jennersdorf wurden letztes Jahr umgebaut, in Zwettl wird gerade gebaut, und in Eisenstadt soll es noch heuer einen Komplettumbau geben. Zulieferer Eurogast Kiennast ist kürzlich mit Pilz in Gmünd eine strategische Partnerschaft eingegangen (Eurogast Pilz&Kiennast): Der C+C-Markt wird in den kommenden Monaten modernisiert. „Mit dem Standort Gmünd wollen wir der Nummer-1-Ansprechpartner für das nördliche Waldviertel sein“, sagt Alexander Kiennast.

Trends im Sortiment

Auch hier lässt sich eine eindeutige Richtung bei allen Anbietern feststellen: Frische, Qualität, Regionalität, Saisonalität, bio, vegetarisch, vegan und Eigenmarken. „Vor rund zehn Jahren hätte man sich das nicht vorstellen können“, sagt Susanna Berner von Eurogast. „Da waren noch internationale Produkte das Nonplusultra in der Gastronomie.“ Unter dem Titel „Genuss 360“ entwickelt Eurogast seit letztem Jahr ein Sortiment hochwertiger Lebensmittel. Im Sommer wird das Thema „Frühstück“ im Fokus stehen. Dazu gibt es dann auch spezielle Themenbereiche in den C+C-Märkten, es werden Kundenevents veranstaltet und Menüs mit Rezeptkarten kreiert. „Die Kunden wollen sicher sein, dass ihre Waren frisch aus der Region kommen und die Wertschöpfung nachhaltig im eigenen Land bleibt“, erklärt Christof Kastner den Trend zur Regionalität. „Mit 10.000 regionalen Produkten weisen wir das größte Regionalsortiment in Österreich auf.“

Vegan

 „Auch wir beobachten eine anhaltende Verschiebung von Produkten aus dem Trockensortiment wie Fertiggerichte in Richtung Frische und hier wiederum zu regionalen Produkten“, sagt Geschäftsführer Peter Buchner von AGM. „Wir setzen deshalb verstärkt auf Regionalität und saisonale Produkte wie etwa den Marchfeld-Spargel oder eine große Auswahl an österreichischen Tomaten. Auch der Trend zu vegetarischen und veganen Produkten ist erkennbar.“ Mitbewerber Transgourmet bietet bereits mehr als 100 vegane Produkte an: von hochwertigem Fleischersatz über trockene Soja-Produkte, veganem Käse wie z. B. Pizzakäse, Margarine, Tofu bis hin zu Seitan und Weinen. Eine gesonderte Kennzeichnung ermöglicht die leichte Auffindbarkeit im Regal.

Qualität beim Fleisch

Auf der anderen Seite hat Transgourmet beim Thema Fleisch massiv ausgebaut: Letztes Jahr sind zwei neue Premium-Eigenmarken dazugekommen: „Prime Beef“ (Australien) und „Asaredo Beef“ (Uruguay/Argentinien). „Künftig soll möglichst das gesamte Tier verwertet werden. Deswegen stellen wir gerade unser Angebot an Innereien auf Bio-Qualität um“, sagt Thomas Panholzer. Beim Schweinefleisch setzt man auf die alte, artgerecht gehaltene Schweinerasse Schwäbisch-Hällisches Schwein, vom dem es auch ungewöhnliche Teile wie das Tomahawk-Steak, Backerl oder Fledermaus zu kaufen gibt.
Auch der Frischespezialist Kröswang hat sein Angebot bei Fleisch und Fisch in Richtung Qualität sukzessive ausgebaut: „Indem wir unser Angebot an Klaushof Rind- und Schweinefleisch verbreitert, unsere Zusammenarbeit mit Schirnhofer intensiviert und das Angebot an frischen Eisvogel-Fischen ausgebaut haben. Derzeit stammt rund die Hälfte unserer Produkte aus Österreich“, sagt Marketingleiter Thomas Holl. „Im Herbst wird die nächste Ausbaustufe unseres Kröswang-Royal-Sortiments gestartet, wir sind gerade mitten in den Vorbereitungen.“

Kröswang ist auch ein gutes Beispiel dafür, wie heute an der Kundenbindung gearbeitet wird: Für das hochwertige Kundenmagazin „Frisch“ bekamen die Grieskirchner gerade in Hamburg Gold beim Best of Content Marketing (BCM). Also für ein Printprodukt – und das in Zeiten der allgemeinen digitalen Hysterie … 
Ach ja, Metro hat auch gerade das schöne Kundenmagazin „gourMETRO“ gelauncht, Eurogast setzt ebenfalls auf hochwertige, gedruckte Informationen rund um „Genuss 360“ – wie auch Transgourmet mit dem Lebensmittelmagazin in eigener Sache „Quintessenz“.

Autor/in:
Thomas Askan Vierich
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