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Zuversicht trotz der Flut

12.09.2005

Österreichs Tourismus dürfte mit einem blauen Auge davongekommen sein – Winter nirgends in Gefahr.

Nach dem Hochwasser in Teilen Österreichs drohen dem ohnehin unter Druck stehenden Sommertourismus finanzielle Einbußen durch Stornierungen. Ersten Schätzungen der Österreich Werbung zufolge sind weniger als 10 Prozent der österreichischen Tourismusbetriebe von den Überschwemmungen betroffen.
„Das Hochwasser kommt uns natürlich nicht gelegen, zumal die Bilder durch alle Medien gehen“, sagte die Sprecherin der Österreich Werbung (ÖW), Christa Lausenhammer. Dennoch hoffe man, „dass wir glimpflich davon kommen“. Mehr als 90 Prozent der Tourismusinfrastruktur sei unversehrt. Dass das Hochwasser auch den Wintertourismus in der kommenden Saison treffen könnte, glaubt Lausenhammer nicht.
Beim Hochwasser im August 2002 gingen die Nächtigungszahlen in den betroffenen Regionen im selben Monat um 10 Prozent zurück, meint der Wirtschaftsexperte des Instituts für Höhere Studien (IHS), Ulrich Schuh. Bei den aktuellen Überschwemmungen ließen sich der Umfang – und damit die konkreten Auswirkungen – aber noch nicht abschätzen. Heuer seien zwar Ferienregionen in Westösterreich stärker betroffen als im August 2002, der negative Effekt auf den Ganzjahrestourismus werde aber voraussichtlich „nicht wirklich groß“ sein. Auch der Wintertourismus werde kaum schaden.
Die Überschwemmungen könnten für den bisher äußerst durchwachsenen österreichischen Sommertourismus allerdings einen weiteren Rückschlag darstellen. „Das Unwetter wird sicher Auswirkungen auf den Tourismus haben“, so Wifo-Tourismusexperte Egon Smeral in einer ersten Reaktion. Zu erwarten sei laut Smeral, der weiter von einem vierprozentigen Umsatzplus für die Sommersaison 2005 ausgeht, aber nur ein „kleiner Dämpfer“.
Nur drei der 5.500 Tourismusbetriebe in Vorarlberg müssen bis auf weiteres geschlossen halten, zwei Seilbahnen sind aus Sicherheitsgründen noch nicht in Betrieb genommen worden – dies ist die Vorarlberger Bilanz der Unwetterkatastrophe. Der Großteil der Vorarlberger Ferienorte ist hingegen vom Hochwasserereignis verschont geblieben. Alle Orte im Ländle seien bereits wieder erreichbar, wenn auch zum Teil mit Einschränkungen und Behinderungen. Spätestens bis zur kommenden Wintersaison soll den Vorarlberg-Urlauber in den betroffenen Gebieten wieder die gesamte Infrastruktur zur Verfügung stehen.

„Von einer Katastrophe wollen wir jedenfalls nicht reden“, gibt sich Claudia Lengenfelder von Lech/Zürs Tourismus zuversichtlich. Es gäbe zwar hohe Sachschäden, aber zum Glück keine Personenschäden. Von insgesamt 250 Tourismusbetrieben seien 16 beschädigt und drei so stark beschädigt, dass sie in diesem Sommer nicht mehr aufsperren könnten. Die Hilfsbereitschaft sei jedenfalls enorm und zu Beginn der Wintersaison werde mit Sicherheit alles wieder o.k. sein. „Wir sind es gewohnt, ganze Häuser in sechs Monaten zu bauen. Da macht die Renovierung eines einzelnen Stockwerks in drei Monaten keine Probleme“, so Lengenfelder.

Hohe Hilfsbereitschaft
In Tirol sind die touristischen Einrichtungen inklusive der Beherbergungsbetriebe größtenteils intakt, sodass Tirol-Reisende ihren Urlaub auch in den stärker betroffenen Gebieten bis auf ganz wenige Ausnahmen wie geplant fortsetzen oder antreten können. „Es ist unglaublich, vor zwei Tagen hätten wir niemals daran zu denken gewagt, dass die Wieder-Instandsetzung unseres Tals mit derart großen Fortschritten vor sich geht. Die Hilfsbereitschaft und der Zusammenhalt ist enorm, auch viele Gäste packen mit an. Die Straßen sind wieder so weit intakt, dass unsere Gäste das Paznaun jetzt wieder verlassen können. Die Zahl der Urlauber, die aufgrund der Ereignisse frühzeitig abreisen möchte, ist aber sehr klein“, so Andreas Steibl, Geschäftsführer des Tourismusverbandes Paznaun/Ischgl.
Ähnlich positiv schaut die Situation in der Ferienregion St. Anton aus: „Der Ortskern von St. Anton am Arlberg ist unversehrt, die Schäden begrenzen sich auf den Ortsein- und ausgang. Die Aufräumarbeiten sind in vollem Gange, unsere Gäste können ihren Urlaub mit Erholungswert wie geplant verbringen“, erklärt Martin Ebster, Geschäftsführer des Tourismusverbandes St. Anton/Stanzertal.

Nur wenige Stornos
Eine Stornowelle wegen der Überschwemmungen verzeichnete die Tirol Werbung bisher keine. Lediglich in den Hochwasser-Regionen hätten Urlauber zum Teil ihre Buchungen rückgängig gemacht. Josef Margreiter, der Direktor der Tirol Werbung, geht davon aus, dass sich die Hochwasser-Katastrophe nicht besonders in den Sommerzahlen niederschlagen werde. Für Folgen dürfte allerdings der heftige Regen in den August-Wochen sorgen. Die lang anhaltenden Niederschläge hätten sich vor allem auf das Kurzurlaubs- und Ausflugsgeschäft ausgewirkt. Margreiter wies darauf hin, dass 30 Prozent der Sommernächtigungen auf den August entfallen würden.
Mit hohen Erwartungen gehe man nun in den Herbst. Eine große Rolle spiele in dieser Zeit der Wandertourismus, erläuterte Margreiter. Keine Bedenken äußerte er nach den Überschwemmungen auch für die Wintersaison. Man werde uneingeschränkt den Betrieb aufnehmen können.
Für die geschädigten Tourismusbetriebe hat die Österreichische Hotel- und Tourismusbank (ÖHT) ein eigenes Referat eingerichtet (siehe auch nebenstehender Kasten). „Wir wollen damit sofortige Mitarbeit signalisieren und für jeden einzelnen Betrieb da sein“, erklärt ÖHT-Gen.-Dir. Dr. Reinhard Mücke. Man will damit bei Frage der Schadenserhebung und Investition hilfreich zur Seite stehen, wobei man damit rechne, dass die ersten konkreten finanziellen Anforderungen im Oktober oder November kämen.

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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