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Zwei Drittel sind Genusszweifler

11.03.2010

Das Forum Ernährung liefert erstmals wissenschaftlich fundierte Daten über das Genussverhalten der Österreicher. Der durchschnittliche Österreicher steht dem Thema „Genuss“ eher ambivalent gegenüber.

Genießer erleben im Genuss mehr Lebensfreude, Optimismus, Freiheit und intensiveres Zusammensein mit anderen Menschen

 

Nur zwölf Prozent der Österreicher sind echte Genießer, 68 Prozent werden als  Genusszweifler bezeichnet, und 20 Prozent sind sogar genussunfähig.Das ist die Kernaussage des Österreichischen Genussbarometers, die vom forum.ernährung dieser Tage in Wien präsentiert wurde.

Genießer ziehen bei genussvollem Verhalten eine positive Bilanz. Genusszweifler sind ambivalente Genießer, die eigentlich gerne genießen, aber mit schlechtem Gewissen. Genussunfähige können im Genießen keine Vorteile sehen, weder eine verbesserte Leistungsfähigkeit noch gesteigerte Lebensfreude – Genießen ist für sie ein überwiegend negatives Erlebnis.

Genuss muss nicht dick machen
Genießer und Genusszweifler essen deutlich öfter außer Haus als Genussunfähige – sowohl mittags als auch abends. Während 60 % der Genießer und 49 % der Genusszweifler mindestens einmal pro Woche außer Haus zu Mittag essen, tun dies nur 35 % der Genussunfähigen. Zum Abendessen gehen 31 % Genießer, 20 % der Genusszweifler und 16 % der Genussunfähigen mindestens einmal pro Woche aus. Dennoch sind Genießer im Schnitt normalgewichtig, Genusszweifler und -unfähige übergewichtig.

Mag. Marlies Gruber, wissenschaftliche Leiterin des forum.ernährung heute, erklärt: „Eine entscheidende Rolle spielt die Genusskompetenz. Denn mit der verminderten Fähigkeit zu genießen nimmt das Körpergewicht laut unseren Erhebungen tendenziell zu. Wenn Menschen die Vorteile des Genusses wahrnehmen und ausschöpfen, bleiben sie also eher schlank, als wenn sie mit schlechtem Gewissen genießen.“

Einen deutlichen Unterschied gibt es in der Strategie, auch außer Haus ausgewogen zu essen: Mehr als die Hälfte der Genusszweifler und -unfähigen verzichten häufiger auf Nachspeisen wie Torten und Creme­desserts. Dagegen greift jeder zweite Genießer lieber zu Gerichten mit einem hohen Gemüseanteil. Im Vergleich zu Genusszweiflern und Genussunfähigen ist es den Genießern auch deutlich wichtiger, dass biologische Zutaten verwendet werden. Im Top-Go-Angebot wünschen sich die Befragten insgesamt eine größere Auswahl an Salaten, Obst und Gemüse.

Mehr Infos auf der Speisekarte
Ein Hinweis auf mit heimischen Lebensmitteln zubereitete Speisen findet große Zustimmung unter den Österreichern: 83 % der Befragten würden eine Speise mit heimischen Zutaten einer Speise aus importierten Lebensmitteln vorziehen. Auch die Angabe der Kalorien wird von der Mehrheit gewünscht: Insgesamt 62 % würden eine derartige Maßnahme begrüßen. Und 72 % möchten darüber aufgeklärt werden, wenn Speisen aktuellen ernährungswissenschaftlichen Erkenntnissen entsprechend adaptiert werden, wenn z. B. fettreduziert oder mit weniger Salz gekocht wird. Für die Auslobung einer „gesünderen Alternative“ sprechen sich insgesamt 77 % aller Befragten aus – diese „gesündere Alternative“ würden 35 % der Befragten an drei bis vier Tagen pro Woche bevorzugen.

Beruf und Geselligkeit
Der am häufigsten genannte Grund für das Essen außer Haus unter der Woche ist „berufs- oder ausbildungsbedingt“. Abseits dieser rahmenbedingten Motivation rangieren bei allen Typen die Gründe „wegen des geselligen Zusammenseins“ und „weil es bequemer ist“. Am Wochenende folgt als Motivation für das Essen außer Haus „Essen als Freizeitgestaltung“. Während Genießer auch unter der Woche das Essengehen als Freizeitgestaltung auf Platz 3 setzen, tun dies die Genusszweifler und -unfähigen nur am Wochenende. Univ.-Prof. Dr. Jürgen König, Professor für Humanernährung an der Uni Wien, sieht eine problematische Entwicklung: „Wir sehen, dass mehr wegen der sozialen Komponente essen gegangen wird, die Nahrungsaufnahme selbst spielt eher eine sekundäre Rolle. Paradox scheinen die gegenläufigen Trends ‚passives Interesse am Kochen bei TV-Shows‘ bei gleichzeitiger Unfähigkeit, das Wissen aktiv umzusetzen.“

Genießer schauen aufs Geld
Auch die Krise zeigt Auswirkungen beim Genuss: Genießer und Genusszweifler geben im Gegensatz zu Genussunfähigen deutlich häufiger an, dass sie es sich im Vergleich zum Vorjahr in den eigenen vier Wänden öfter gemütlich machen (39 %, 40 % vs. 25 %), mehr auf sich selbst achten (40 %, 42 % vs. 26 %) und dass sie öfter versuchen, bewusst zuhause zu genießen (45 %, 38 % vs. 22 %). Genussunfähige haben ihr Wohnverhalten gegenüber dem Vorjahr bedeutend seltener geändert, trotzdem gehen Genießer noch häufiger auswärts essen.

Abschließend erklärt Dr. Christopher Mayr, Obmann des forum.ernährung: „Genießen ist keine Frage des Geldes, sondern der Einstellung und der positiven Erfahrung damit. Im Genussbarometer zeigte sich, dass Genussunfähige zwar über ein höheres Nettoeinkommen verfügen, sich aber weniger kulinarische Genusserlebnisse gönnen. Genießer hingegen bevorzugen deutlich die gehobene Gastronomie beim Essengehen und nützen Genusserlebnisse für ihr Wohlbefinden.“

 

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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