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Zwischen Hoffen und Bangen

30.06.2009

Wifo-Tourismusexpete Egon Smeral rechnet mit 5 bis 6 Prozent Umsatzminus in der Sommersaison. WKO-Tourismus-Obmann Hans Schenner rechnet dagegen mit 2 Prozent weniger Nächtigungen.

Egon Smeral, Tourismusexperte des WIFO

Zwei Tage vor dem Ferienbeginn im Osten Österreichs - herrscht in den heimischen Tourismusorten eine Mischung aus Bangen und Hoffen, vor allem auf besseres Wetter. Die meisten Betriebe gehen zwar davon aus, dass die nicht gerade überbordende Buchungslage in erste Linie mit immer kurzfristigeren Urlaubsentscheidungen zusammenhängt und dem Regen der vergangen Woche. Doch insgesamt erwartet die Branche im ersten Sommer nach Ausbruch der schlimmsten Wirtschaftskrise seit 60 Jahren einen - wenn auch verhältnismäßig geringen - Rückgang bei Nächtigungen und Umsätzen.

Hoffen auf gutes Wetter

"Es gibt keine Stornos, aber Buchungen auch nicht", berichtet der Obmann der Sparte Tourismus und Freizeitwirtschaft in der Wirtschaftskammer, Hans Schenner. Das sei aber nicht anders als in den vergangenen Jahren, denn der Trend zur kurzfristigen Ferienplanung sei schon länger zu beobachten. Laut einer Gästebefragung vom Sommer 2008 entscheiden nur noch 22 Prozent der Urlauber mehr als vier Monate im Voraus ihre Ferien, verglichen mit noch 34 Prozent in 2006. Rund 16 Prozent beschließen weniger als zwei Wochen vor Abreise, wohin es dieses Jahr gehen soll, weitere 17 Prozent machen das zwei bis vier Wochen vorher. Dementsprechend wichtig sei gutes Wetter, weiß der Tourismus-Obmann.

Weniger Flugzeug, mehr Auto

Über die Saison gesehen rechnet er dennoch mit einem kleinen Minus von rund 2 Prozent bei den Nächtigungen, vor allem weil Gäste aus dem entfernteren Ausland als Folge der Krise oder auch der Schweinegrippe ausbleiben werden. An ihrer Stelle sollten jedoch mehr Österreicher und Urlauber aus den Nachbarländern kommen, hofft er, nicht zuletzt wegen der der im Frühjahr gestarteten Werbekampagne.
Egon Smeral, Tourismusexperte im Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo), ist weniger optimistisch. "Seit dem Spätwinter sieht man genau, dass die Rezession Spuren zeigt", sagte er zur APA. Er bleibt - vorerst - bei seiner Einschätzung, wonach die realen Umsätze in der heurigen Sommersaison um von 5 bis 6 Prozent unter dem Vorjahr liegen werden. Zwar geht auch er davon aus, dass krisenbedingt auf Flugreisen verzichtet und stattdessen spontan Kurzurlaube mit dem Auto gemacht werden. Ausgleichen werde das die Rückgänge aber nicht können, schon weil diese Urlauber genau auf die Preise schauen. Zudem könnte schlechtes Wetter die Bilanz noch weiter verhageln, fürchtet er.

Weitere Einschnitte für 2010 erwartet

Im Europavergleich liegt Österreich laut Smeral noch gut. Insgesamt werde ein Minus im Tourismus von rund 10 Prozent erwartet. Vor allem Länder wie Spanien, Griechenland oder die Türkei, die stark von Auslandstouristen abhängig sind, werden sich nach Ansicht des Wirtschaftsforschers schwertun. Profitieren werden dagegen Frankreich oder Deutschland, die viele inländische Touristen und solche mit hoher Reiseintensität anziehen. Richtig spürbar werde die Krise im Tourismus jedoch erst im Sommer 2010 werden.
Kräftige Rückgänge wird es nach Ansicht von Smeral schon 2009 beim Städtetourismus geben. Auch Tourismus-Obmann Schenner sieht Einbußen vor allem auf die beiden heimischen Touristenstädte Wien und Salzburg zukommen. Nach den kontinuierlichen Zuwächsen der vergangenen Jahre sei das aber wenig dramatisch, wehrt sich Schenner gegen die allgemeine Krisenrhetorik: "Dann sind wir wieder auf dem Niveau von vor zwei Jahren." Auch bei den Gästen in seinen beiden Betrieben in St. Anton am Arlberg und Bad Goisern im Salzkammergut ortet er bereits eine gewisse Krisenmüdigkeit. "Die Gäste tun, als gebe es die Krise nicht und wir auch", sagte Schenner.

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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