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Zwölf Häuser unter neuem Dach

07.03.2013

Gerstner, der k. u. k. Hofzuckerbäcker und Caterer, wird Hotelier und übernimmt die Austria Hotels International (AHI) vom Versicherungskonzern Uniqa.

Das Hotel Kummer und das Hotel de France werden höchstwahrscheinlich nicht mehr als reine Hotels geführt werden; im Hotel Kummer gibt es Baureserven im Dach für Wohnungen oder Residences

Gegründet wurde der k.u.k. Hofzuckerbäcker Gerstner 1847 als Tragantwarengeschäft – sprich Zuckerlgeschäft – am Stock-im-Eisen-Platz in Wien. Seit 1869 ist die Firma Gerstner Partner der Wiener Staatsoper, und 1873 wurde sie vom Kaiser beauftragt, die k.u.k. Pavillons im Prater während der Weltausstellung zu bewirtschaften. Dies war auch die Geburtsstunde des Gerstner Caterings, eine bis heute tragende Säule der Marke. Aber Gerstner hat auch wirtschaftlich nicht so rosige Zeiten durchlaufen, wie etwa 1952. Damals stand man knapp vor dem Konkurs, aber man erhielt den Status „erhaltungswürdiges Unternehmen", das die Staatsbank – die Creditanstalt – der Familie für einen Groschen abkaufte. So viel zur Historie des k.u.k. Hofzuckerbäckers, dessen Geschicke seit dem Jahr 2000 mit einem Managementvertrag in den Händen von Oliver W. Braun liegen.

Dreistelliger Millionenbetrag

„Ich sollte die Firma Gerstner evaluieren und schauen, wie sinnvoll ein Weiterbestand in größerem Stil fernab der Zuckerbäckerei ist – und habe mich in das Unternehmen verliebt. Dem Gerstner muss man den Stellenwert zurückgeben, den er einst gehabt hat; und daran haben wir sehr intensiv gearbeitet, um das Unternehmen auf eine breite, wirtschaftlich solide Basis zu stellen, um dann in weiterer Folge neue Schritte einleiten zu können", betont der geschäftsführende Gesellschafter der Gerstner Hospitality GmbH, Oliver Braun. 2007 wurde das Unternehmen vollkommen lastenfrei gestellt. „Seit diesem Zeitpunkt arbeiten wir ausschließlich aus dem Cashflow heraus. Mit dem Kauf der Austria Hotels International vom Versicherungskonzern Uniqa, der sich von seinem Hotelportfolio trennt, erfüllt sich nun ein persönlicher Traum, und somit schließt sich der Kreis zu meinen Anfängen in der Hotelbranche", so Braun. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart, aber so viel verrät Oliver W. Braun, dass der Kaufpreis für die zwölf Liegenschaften näher beim dreistelligen als beim zweistelligen Millionenbetrag liege. „Bei der Ausschreibung des Uniqa-Hotelportfolios sind wir gegen 40 zum Teil internationale Bewerber angetreten – ich hatte eine eher exotische Außenseiterposition", freut sich Braun nun umso mehr über den Zuschlag.

AHI ist Geschichte

Mit dem Kauf der AHI wuchs der Personalstand der Gerstner Hospitality Group von 230 auf 773 Mitarbeiter, und der Jahresumsatz erhöht sich von rund 14 auf 51 Millionen Euro. Unter der Dachmarke Gerstner Imperial Hospitality Group gibt es künftig drei Unternehmensbereiche – die Gerstner k. u. k. Hofzuckerbäckerei Wien, die Gerstner Imperial Culinary mit dem Cateringgeschäft und diversen Gastronomiebetrieben (Staatsoper, Musikverein, Hofburg und künftig auch Passauerhof), die Gerstner Imperial Hotels & Residences mit zehn Hotels (drei davon im Ausland) sowie das sogenannte Hotel Caruso in Baden, das an die NÖ Gebietskrankenkasse vermietet ist und als Rehabilitationszentrum genutzt wird. Der Name der Hotelgrupppe AHI wird auf „Gerstner Imperial Hotels & Residences" geändert. Die Häuser werden unter der Dachmarke Gerstner Imperial Hospitality Group gebündelt, behalten aber ihre eigenen, am Markt gut eingeführten Namen.

Kontrolliert expandieren

In einen Teil der insgesamt zwölf neuerworbenen Häuser mit insgesamt 1.300 Zimmern in Wien, Baden, Prag und Brno sollen zusätzlich zum Hotelbetrieb Wohnungen bzw. servicierte Appartements eingebaut werden – etwa im Hotel de France am Wiener Schottenring oder im Hotel Kummer in der Mariahilfer Straße. Das Hotel de France am Wiener Schottenring mit einer Nettonutzfläche von rund 11.000 Quadratmetern sei mit seinen 194 Zimmern relativ groß. Etwa die Hälfte der Fläche könnte in Wohnungen oder Residences umgebaut werden. „Wir werden das ganze Spektrum der Hotellerie vom Drei- bis zum Fünf-Sterne-Bereich abdecken. Die Häuser sind sehr gut eingeführt, und wir werden sie mit Qualität und Zuverlässigkeit, für die Gerstner steht, zu neuem Leben erwecken. Die Häuser müssen wir über Buchungsplattformen vermarkten, und wir hoffen, dass die Gäste wiederkommen und direkt beziehungsweise über unsere neu gestaltete Homepage buchen", erklärt Oliver W. Braun. Die Neuorganisation der einzelnen Immobilien soll bis 2018 abgeschlossen sein. Danach sei auch eine kontrollierte Expansion denkbar, die aber zum Gerstner-Brand passen muss.

Irene Stelzmüller

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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