Die Sommer-Frischen

12.05.2017

Von: Roland Graf
Im Land des „Weißen Spritzers“ braucht man das sommerliche Erfolgskonzept „Wenig Alkohol + Soda“ nicht lang erklären. Doch längst wächst auch im Schanigarten die Vielfalt der Rezepte
Mirtillo Spritz
Mirtillo Spritz

Wer hat’s erfunden? Diese Frage stellt sich bei jedem Barkeeper-Kurs in der Mailänder „Academia Campari“, wenn der „Spritz“ auf dem Programm steht. Österreichische Soldaten hätten die schweren italienischen Weine nicht vertragen und daher mit Wasser „verlängert“. So sehr man sich als „Pate“ der italienischen Aperitif-Kultur geschmeichelt fühlen könnte, die erfrischende Kombination eines „Sommerspritzers“ dürfte man hierzulande schon vor den Zeiten des k. u. k.

Feldmarschalls Radetzky geschätzt haben – und daran hat sich nichts geändert. Die Kombination von leichter Süße mit spritziger Kohlensäure, gerne auch herbalen, frischen Noten – die Minzeblätter in vielen Sommerdrinks haben nicht nur dekorativen Wert – und leichter Bitterkeit gehört zur Schanigarten-Saison einfach dazu. 

Dabei ist die eisgekühlte Erfrischung, die mit wenig Alkohol, dafür mehr herben Noten versehen ist, keine Erfindung moderner Gastgärten. Vor allem mit Tonic Water aufgegossene Digestifs waren schon im vorigen Jahrhundert ein sommerlicher Geheimtipp. Spätestens mit dem in der jüngeren Spirituosen-Geschichte einzigartigen Absatz des Rhabarberlikörs Aperol in Österreich kam dann buchstäblich Farbe ins Spiel. Dabei entscheidet nur der persönliche Geschmack darüber, ob es eher ein „Fizz“ (Spirituose + Säurequelle + Soda) oder „Spritz“ (Likör + Prosecco + Soda) sein soll. Denn mit der gleichen fruchtigen Basis lassen sich unterschiedliche Erfrischungen zubereiten.

Mediterrane Mischungen

Ein bisschen ist es wie in der Musikindustrie, die auf den „Sommer-Hit“ wartet; auch bei den Getränken für die See-Terrassen und Gastgärten gibt es alljährlich neue Ansätze. Die Inspirationen zu den Sommerdrinks finden sich dabei längst nicht nur in Italien. Vom portugiesischen Geheimtipp Portwein & Tonic bis nach Frankreich (Weinaperitifs und Rosenlimonade) reicht die Palette. Während in der Grande Nation auch die alkoholfreie Erfrischung viele Farben – vom giftgrünen Sirop de Menthe (Minze) bis zum Veilchen-Spritzer – kennt, erstrahlen die Gläser hierzulande meist monochrom in Rot oder Orange. Doch mit dem in Südtirol erfundenen „Hugo“ und seiner Verwendung von Holunderblüten-Sirup kamen auch die heimischen Zutaten zum Gastro-Einsatz: Melisse, Veilchen, aber auch Waldmeister sind plötzlich Likörbestandteile, die für Abwechslung im Glas sorgen. Neu ist auch der direkte Einsatz von Kräutern wie Zitronenthymian, Verbene oder Melisse im Glas – eine Inspiration, die vom „Gin&Tonic“ kommt. 

Die ÖGZ-Jury kostete sich mit Soda, Prosecco, Tonic und Ginger Ale durch diese bunte Sommer-Vielfalt. Welche der Kombinationen richtig „zischten“, lesen Sie umseitig!

Sloe Gin & Tonic, by a.chaibi

Monte Mule, by a.chaibi

Mirtillo Spritz, by a.chaibi