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Circular Economy-Studie von ARAplus und GFK

19.09.2019

Kreislaufwirtschaft ist ein viel gehörtes Wort - doch was verbinden Unternehmen und Konsumenten mit diesem Begriff? Welcher Handlungsauftrag wird daraus abgeleitet?

Erstmals in Österreich wurden die Einstellungen zur Circular Economy sowohl von Unternehmen als auch von Konsumenten analysiert und die Ergebnisse verknüpft. Im Auftrag der ARAplus führte GfK im Juni 2019 eine Studie zur Circular Economy Fitness von Unternehmen und der Rolle der Konsument/innen durch. Die Ergebnisse wurden am 19. September in Wien vorgestellt.

ARAplus-Geschäftsführer Harald Hauke umriss die Herausforderungen, vor der die heimische Wirtschaft, aber auch sein Unternehmen stehen: "Wir stehen bei den Sammel- wie Recyclingquoten von Glas, Papier und Metall sehr gut da und übererfüllen künftige Vorschriften schon heute. Bei Kunststoffen machen EU-Regelungen und das österreichische Abfallwirtschaftsgesetz aber sehr ambitionierte Vorgaben: So sollen schon 2015 mehr als die Hälfte der Kunststoffverpackungen und 77 Prozent der Kunststoff-Getränkeflaschen recycliert werden. Wir haben aber 25 Jahre gebraucht, um mit 25 Prozent gerade mal die Hälfte zu schaffen und müssen nun eine Verdoppelung der Recyclingquote in nur fünf Jahren hinbekommen."

Die Studie

Auf Unternehmensseite wurden insgesamt 150 Betriebe mit Größen von <9 bis >50 Mitarbeitern telefonisch befragt; sie rekrutierten sich gleichermaßen aus Partnern und nicht mit der ARA in Kontakt befindlichen Firmen. Dazu kamen Interviews mit Konsumenten. 

Die Unternehmen

Mit dem Begriff "Circular Economy" verbinden richtigerweise 56% der Unternehmen die Begriffe Recycling oder Wiederverwertung und weitere 26 Prozent das Wort Abfallwirtschaft. 68 Prozent betreiben bereits Kreislaufwirtschaft und weitere 7% planen sie zeitnahe einzuführen - ein hoher Wert. Als zentrale Maßnahmen werden Abfallreduktion und Recycling von Gütern und Verpackungen gesehen.

Abfallwirtschaft ist duchwegs Chefsache, doch erst Unternehmen mit mehr als 50 Mitarbeitern leisten sich mit 23 Prozent dafür eine eigene Abteilung bzw. einen Beauftragten. Als Erschwernisfaktoren werden ungeachtet der Betriebsgröße eine zu komplexe Gesetzgebung sowie hohe Kosten genannt. Jede dritte Firma gibt an, zur korrekten Erfüllung der rechtlichen Verpflichtungen auf externe Hilfe angewiesen zu sein - zwischen 40 und 50 Prozent der Betriebe (Unterschiede je nach Größe) betreiben deshalb das Abfallmanagement mit Unterstützung von außen. Hier sind auch schöne Erfolge erzielbar, wie Harald Hauke meint: "Wir haben bei Produktionsbetrieben, die wir betreut und beraten haben, Einsparungen von bis zu 70 Prozent des Abfallaufkommens erzielen können."

Die Konsumenten

Auf Konsumentenseite stufen relativ stabil über die Vergleichsjahre seit 2014 fast 80 Prozent die Erhaltung der Natur wichtiger als weiteres Wirtschaftswachstum ein. Ebenfalls stabil hohe Werte gibt zu folgenden Punkten:

  • Viel weniger umweltschädliche Produkte im eigenen Haushalt zu verwenden (62%)
  • Bevorzugung als nachhaltig deklarierter Produkte (52%)
  • Kauf von weniger umweltbelastenden Produkten (54%)
  • Pfandsysteme findet eine wachsende Anzahl von Konsumenten gut (72%)

Dem steht eine auf niedrigem Niveau stagnierende Kaufbereitschaft bei Produkten mit Pfand gegenüber: Bei Bier wird eine Quote von knapp 60 Prozent erreicht, Wasser liegt auf 9 und Joghurt und Fruchtsäfte gar nur auf 3 bzw. 2 Prozent. Selbst bei lautstarken Befürwortern von Pfandsysteme sind deren Einkäufe nur unwesentlich besser als der Durchschnitt - Pfand gibt es auf die von ihnen gekauften Produkte nur in leicht höherer Wahrscheinlichkeit: 64% bei Bier, 13% bei Wasser und 2,8 bzw. 4 Prozent bei Joghurt und Fruchtsaft.

Fazit

Die Konsumenten sehen klar "die Wirtschaft" in der Pflicht: Es ist zwar eine grundsätzliche Bereitschaft zu umwelt- und müllbewusstem Einkauf vorhanden,  man sieht aber den primären Handlungsauftrag bei Herstellern sowie dem Handel. Die Unternehmen wiederum beschäftigen sich sehr bewusst mit diesem Thema, sind aber teilweise mit der Komplexität der Aufgabe ge- bis überfordert und nehmen gerne professionelle Unterstützung auf dem Weg in die Circular Economy in Anspruch.

Autor/in:
Redaktion.Handelszeitung
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